Statt Lohn gibts nur noch ein Sackgeld

Rossfeld

Das Sparprogramm der Stiftung Rossfeld hat für die 19 betroffenen Behinderten schmerzhafte Folgen. Sie verlieren entweder ihre Stelle oder müssen eine Lohneinbusse in Kauf nehmen. 

Baustellen im Rossfeld: Die Stiftung hat zu wenig Arbeit für ihre Behinderten und baut Stellen ab.

Baustellen im Rossfeld: Die Stiftung hat zu wenig Arbeit für ihre Behinderten und baut Stellen ab.

(Bild: Franziska Scheidegger)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Für 19 Behinderte war am Dienstag ein schwarzer Tag. Die Leitung der Stadtberner Stiftung Rossfeld informierte alle 70 Beschäftigten der geschützten Werkstätte über ihre Zukunft. Für 19 Angestellte hatten die Verantwortlichen eine schlechte Nachricht. 9 Betroffenen haben sie mitgeteilt, dass die Werkstätte sie nicht mehr weiterbeschäftigen kann, weitere 10 Angestellte müssen in die Tagesstätte wechseln.

«Bei diesen Zahlen handelt es sich um Maximalwerte. Wir befinden uns nun in einem Konsultationsverfahren. Erst danach wird sich zeigen, wie viele Kündigungen wir aussprechen müssen», sagt Rossfeld-Direktorin Edith Bieri.

Eingeschränkte Jobchancen

Beim Entscheid, welche Angestellten ihre Stelle verlieren, waren diejenigen im Vorteil, welche auch im Rossfeld wohnen. Sie können ihre Anstellung und damit ihren geschützten Arbeitsplatz behalten. Einschneidend ist der Entscheid für diejenigen Personen, die ihre Stelle und damit auch ihre Tagesstruktur verlieren. «Das ist schmerzhaft», sagt Bieri.

Wie es mit den Betroffenen weitergehen wird, ist derzeit offen. «Wir suchen die Zusammenarbeit mit dem kantonalen Wirtschaftsamt Beco.» Doch Bieri macht sich keine Illusionen. «Natürlich wäre es schön, wenn die eine oder andere der Betroffenen auf dem ersten Arbeitsmarkt eine Stelle finden würde. Doch die Chancen beurteile ich als gering», betont sie. «Wenn dies der Fall wäre, dann würde dies bedeuten, dass wir Leute, die für den ersten Arbeitsmarkt fit sind, in unserer Institution behalten würden», sagt sie.

In der geschützten Werkstätte der Stiftung Rossfeld arbeiten Personen mit einer körperlichen Behinderung. «Geistig haben sie aber keine Beeinträchtigung», betont Direktorin Edith Bieri. Dazu gehören Querschnittgelähmte, Personen, die an Muskelschwund leiden, oder Multiple-Sklerose-Patienten. Ihre Krankheiten haben zur Folge, dass sie gewisse Arbeiten nur verlangsamt ausführen können. Und gewisse der Betroffenen können nicht ein volles Tagespensum leisten.

Schmerzhafte Einbussen

Zusätzlich zu den neun Personen, die ihre Stelle verlieren, werden zehn Behinderte von der Werkstätte in die Tagesstätte wechseln müssen. Das hat für die Betroffenen vor allem finanzielle Einbussen zur Folge.

Die Werkstätte führt Aufträge für Privatunternehmen und öffentliche Institutionen durch, welche von diesen entschädigt werden. Das Spektrum der Arbeiten reicht vom Abpacken von Couverts bis zur Führung einer Finanzbuchhaltung. Entsprechend gross sind die Lohnunterschiede. Die Stundenansätze reichen von 5 bis zu 30 Franken.

Die Tagesstätte dagegen bezahlt pro Tag lediglich ein paar Franken. Die Behinderten, welchen ein Wechsel in die Tagesstätte angeboten wird, werden deshalb eine empfindliche Lohneinbusse in Kauf nehmen müssen. Sie erhalten eine Änderungskündigung.

Einen Teil der Einbusse werden die Betroffenen voraussichtlich über eine höhere Invalidenrente oder über höhere Ergänzungsleistungen kompensieren können. «Wir suchen nun das Gespräch mit den Behörden», sagt Edith Bieri. Es sei zudem gut möglich, dass ältere Betroffene das Angebot nicht annehmen und vorzeitig in Pension gehen würden. 

Berner Zeitung

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