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Statthalter-Kandidaten im Rededuell

Regierungsstatthalterwahlen gehen normalerweise praktisch unbemerkt über die Bühne. Doch im Verwaltungskreis Bern-Mittelland hat Christoph Lerch (SP) Konkurrenz bekommen.

Herausforderer und Amtsinhaber: Claude Grosjean (GLP) und Christoph Lerch (SP).
Herausforderer und Amtsinhaber: Claude Grosjean (GLP) und Christoph Lerch (SP).
Iris Andermatt
Mehr ermöglichen will auch Kandidat Stefan Theiler.
Mehr ermöglichen will auch Kandidat Stefan Theiler.
Iris Andermatt
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Die Grüne Freie Liste wollte etwas Neues möglich machen: Sie lud am Montagabend die grünen Wählerinnen und Wähler plus alle Interessierten ein, den Kandidaten fürs Regierungsstatthalteramt Bern-Mittelland auf den Zahn zu fühlen.

Schliesslich hat dieser Regierungsstatthalter einen wichtigen Job. Er sorgt für den «ordnungsgemässen Gang der Verwaltung» in sage und schreibe 84 Gemeinden, 73 Kirchgemeinden und 20 Burgergemeinden. Er behandelt Baugesuche vom Bienenhäuschen bis zum Bahnhofumbau. Entscheidet über den Einsatz von Pauken und Trompeten auf Fussballplätzen. Er ist Vermittler zwischen den Interessen von 400'000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

12 von ihnen waren am Montag gekommen. Ihnen gegenüber sassen: der amtierende Regierungsstatthalter Christoph Lerch (SP), sein Herausforderer Claude Grosjean (GLP) und Dauerkandidat Stefan Theiler (parteilos). Die Zahl der Zuhörer erhöhte sich um eine Person. Stefan Theiler, der auch schon hatte Berner Stadtpräsident werden wollen, musste im Publikum Platz nehmen.

Immerhin durfte er noch kurz seine Beweggründe für die Kandidatur erläutern. Als «Kulturunternehmer» in der Berner Altstadt fühle er sich oft «erstickt von all den Vorschriften», sagte Theiler. Als neuer Regierungsstatthalter möchte er ausloten, wo man die Gesetze «etwas lockerer» auslegen könnte.

Damit ist er recht nahe an Kandidat Claude Grosjean. Grosjean, seit 2009 im Berner Stadtparlament, Jurist und Altstadtbewohner, fordert Lerch heraus, «weil ich es besser machen will, anstatt nur zu reklamieren».

Und zu reklamieren hatte Grosjean einiges – er tat dies aber in konstruktivem, ja, gar freundschaftlichem Ton. Der amtierende Statthalter sehe «eher die Probleme als die Chancen», ­findet Grosjean. «Innovative Gewerbler oder Wirte, die etwas anreissen wollten, stossen bei ihm nicht auf offene Ohren.» Er selber, versprach Grosjean, wäre als Regierungsstatthalter ein «Ermöglicher».

Als Liberaler seien ihm «Einschränkungen und Bewilligungen grundsätzlich zuwider», verriet Grosjean. «Ausser natürlich, sie sind begründbar», beeilte er sich zu präzisieren. Er finde einfach, Lerch mache zu wenig vorwärts mit Bewilligungen. Gerade bei Zwischennutzungen.

Die Reklamationen nahm Amtsinhaber Lerch mit stoischer Ruhe entgegen. «Ich will auch ein Ermöglicher sein und kein Verhinderer», betonte er. Ganz so einfach, wie sich das sein Herausforderer vorstelle, sei es dann aber doch nicht. «Meistens stehen sich Parteien gegenüber, deren Interessen einzeln betrachtet alle legitim sind.» Zum Beispiel der Wunsch nach Nachtleben oder Nachtruhe.

In der Folge hielten sich Grosjean und Lerch vor, was sie alles ermöglichen würden, beziehungsweise ermöglicht haben, beziehungsweise ermöglicht hätten, wenn nicht die nächsthöhere Instanz (der Kanton) es wieder rückgängig gemacht hätte.

Die Möglichkeit für einen persönlichen Werbespot nutzten beide Kandidaten. «Drive und einen Generationenwechsel», will Claude Grosjean ins Statthalteramt bringen, «guten Service public bieten und Bewährtes fortsetzen» Christoph Lerch.

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