Steigi-Zwischennutzung kostete 30'000 Franken

Mitte Februar hätten die Besetzer an der Bahnstrasse 69 ausziehen müssen, Ende März erlaubte ihnen die Stadt eine Zwischennutzung. Diese endete nach drei Monaten – zuvor hatte die Stadt 30'000 Franken dafür ausgegeben.

«Steigi 69»: Nachdem die Stadt die Besetzung erst hatte beenden wollen, liess sie sich die Zwischennutzung einiges kosten.

«Steigi 69»: Nachdem die Stadt die Besetzung erst hatte beenden wollen, liess sie sich die Zwischennutzung einiges kosten.

(Bild: Jürg Spori)

Christoph Hämmann

Bürgerliche in der Stadt Bern ­monieren gern, dass Michael ­Aebersold (SP) zu nett sei und ­jede Aus­gabe durchwinke, statt – wie es sich für einen Finanzdirektor gehöre – knausrig über die Stadtkasse zu wachen.

Vor gut fünf ­Monaten indes markierte Aebersold Härte: Es sei eine rote Linieüberschritten worden, als Besetzer der Liegenschaft an der Bahnstrasse 69 innert weniger Tage zweimal Angestellte von Immobilien Stadt Bern (ISB) bedroht hatten, erklärte er Anfang Februar.

Das Angebot an das ­Kollektiv, das Haus im Steiger­hubel bis zum Vorliegen der Baubewilligung für den Ersatzbau zwischennutzen zu können, gelte deshalb nicht mehr. Auch als die Besetzer zwei Tage später ihre Sicht auf die Vorfälle dargelegt und das Ganze als Missverständnis bezeichnet hatten, blieb Aebersold hart: Es gebe «keinen Spielraum», antwortete er, zumal ein Polizeieinsatz am Wochenende davor gezeigt habe, dass sich die Besetzer «offensichtlich nicht an Regeln halten wollen».

Prominenter Vermittler

Eine Woche später, am 16. Februar, liess das Besetzerkollektiv das Ultimatum verstreichen, das die Stadt ihm für den Auszug gesetzt hatte. Die Behörden hielten an ihrer harten Haltung fest: Man werde eine Strafanzeige einreichen, liess ISB verlauten.

Zwei Wochen später war alles anders: Die Besetzer hätten sich entschuldigt, vermeldete Aebersold, deshalb habe man mithilfe einer «externen Vermittlungsstelle» den Dialog für eine Zwischennutzung wieder aufgenommen.

Wie aus der aktuellen Antwort des Gemeinderats auf einen Vorstoss der Freien Fraktion hervorgeht, liess sich die Stadt dieses Mandat 4'000 Franken kosten. Es umfasste «die Vorbesprechungen mit der Verwaltung und die Verhandlungen mit dem Kollektiv», ergänzt Aebersold auf Nachfrage.

«Zu den Aufgaben des Vermittlers gehörte zudem, bei Verstössen gegen den Leihvertrag zu intervenieren, was einige Male der Fall war.» Der Aufwand: «Rund zwanzig Arbeitsstunden à 180 Franken.»

Prominenter Vermittler

Als externen Vermittler setzte Aebersold mit Peter Tschanz den ehemaligen Generalsekretär der städtischen Präsidialdirektion ein. Dieser kenne die politischen Verhältnisse und habe «langjährige Erfahrungen bei Verhandlungen zwischen der Verwaltung und Kreisen, die gegenüber den Behörden skeptisch sind», begründet der Finanzdirektor.

Neben den Auslagen für Tschanz fielen für die Stadt noch deutlich höhere Investitionen an, damit im Abrissobjekt «eine ordentliche und sicherheitskonforme Zwischennutzung» realisiert werden konnte: 25'000 bis 30'000 Franken kostete es laut der Stadt, Sanitär- und Wasserleitungen wieder herzustellen und die Notstromzufuhr zu ermöglichen. ­Immerhin: Material für rund 5'000 Franken, etwa Kabelrollen und Stromverteilkästen, könne wiederverwendet werden.

Die ordentliche Zwischennutzung dauerte drei Monate und endete Ende ­Juni – «friedlich», wie Aebersold betont. Weil inzwischen die Bau­bewilligung vorliegt, begann vor zwei Wochen der Abbruch des Hauses an der Bahnstrasse 69.

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