Zum Hauptinhalt springen

Stöckli: «Die SP nahm mir meinen Einsatz nie übel»

Am Mittwoch findet im Ständerat das formale Begräbnis der Schweizer Olympiakandidatur Sion 2026 statt. Der Berner Olympiaturbo Hans Stöckli will dabei noch die Grabrede halten.

Erzurum statt Sion: Hans Stöckli muss Olympia Ade sagen.
Erzurum statt Sion: Hans Stöckli muss Olympia Ade sagen.
Susanne Keller

Dieser Mittwoch hätte für Hans Stöckli eigentlich ein grosser Tag werden sollen. «Der Halbfinal auf dem Weg zu Olympischen Spielen in der Schweiz», so betitelte er vor rund vier Monaten die mittwochs stattfindende Ständeratsdebatte. Auf dem Sessionsprogramm steht die Beratung des 1-Milliarden-Franken-Kredits für Sion 2026 zwar immer noch – aber mit dem Vermerk «Nichteintreten».

Denn: «Der Viertelfinal» – so nannte Stöckli die Volksabstimmung im Wallis – ging für ihn und die anderen Olympiabefürworter bekanntlich verloren. Die Kandidatur Sion 2026 erlitt an diesem Junitag einen jähen Tod, am Mittwoch findet im Parlament noch das politische Begräbnis statt.

Es braucht einen klaren Weg

So ganz verdaut hat der Berner SP-Ständerat diese Niederlage noch nicht. «Ich bedauere den Entscheid natürlich immer noch sehr. Vor allem wenn ich heute ­sehe, wie gut unsere Chancen gewesen wären.» Eine Kandidatur nach der anderen erleide derzeit Schiffbruch. «Am Schluss finden die Spiele wohl in Erzurum in der Türkei statt», sagt Stöckli hörbar resigniert.

Für ihn ist auch nach der Abstimmungsniederlage klar: Die Schweiz braucht alle zwanzig Jahre ein Grossereignis, welches das Land zusammenbringt. Zur nationalen Identifikation, «zum Beweis, dass wir so etwas können», so Stöckli. Wenn er am Mittwoch die Möglichkeit erhalte, werde er deshalb noch ein letztes Mal ans Rednerpult treten, um für künftige Grossprojekte zu weibeln.

«Der Bundesrat muss sich Gedanken machen, wie man in Zukunft so ein Grossereignis aufgleisen kann», fordert er. Der Weg, den eine Kandidatur nehmen muss, solle von Anfang an genau vorgezeichnet sein. Bei Sion 2026 sorgte auch das ständige Werweissen, wer am Schluss alles über das Projekt abstimmen darf, letztlich für Unmut in der Bevölkerung.

Zustimmung auch von SPlern

Dabei besteht schon eine Art Grundhypothek. «Grossveranstaltungen treffen immer auf grosse Skepsis», sagt Stöckli. Das sei sowohl bei Landesausstellungen als auch bei Sportereignissen der Fall. «Beim Sport kommt noch erschwerend dazu, dass gewisse internationale Verbände und Akteure einen schlechten Ruf haben.» Dass man das Volk überzeugen könne, habe er aber 1996 in Biel bewiesen, wird Stöckli nicht müde zu betonen. Damals sagten fast 60 Prozent der Bevölkerung Ja zum Kredit für die Expo.02.

Den Kopf herhalten für das nächste Projekt werde er vor­aussichtlich nicht mehr. Mit seiner Olympiabegeisterung stiess Stöckli auch bei seiner eigenen Partei auf viel Unverständnis. Trotzdem: «Die SP nahm mir meinen Einsatz nie übel», sagt er. Und in der Bevölkerung habe er auch bei SP-Wählern «mehr ­Zustimmung erfahren, als man mein». Ihm werde auch heute immer wieder für seinen Einsatz gedankt, so Stöckli.

Auch deshalb will er nun mithelfen, dass die Rahmenbedingungen für den nächsten Versuch besser sein werden. Vielleicht schafft es der nächste Olympiaturbo dann ein paar Runden weiter als er.BundesbernIn einer losen Serie berichten wir im Rahmen der Sessionen des National- und des Ständerats über Berner Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die jeweils im Fokus stehen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch