Taktisches Geplänkel um das Gemeindepräsidium

Lyss

Der Wahlkampf in Lyss wird ernst. 24 Personen buhlen um die fünf Gemeinderatssitze, während das Gemeindepräsidium ebenfalls taktisch umkämpft wird.

Die Freisinnigen stellen mit Andreas Hegg (im Bild) den amtierenden Gemeindepräsidenten.

Die Freisinnigen stellen mit Andreas Hegg (im Bild) den amtierenden Gemeindepräsidenten.

(Bild: Beat Mathys)

Man spürt, dass die Sommerferien vorbei sind. Für die Lysser Politiker bedeutet dies: Raus auf die Strasse, Äpfel und Luftballons verteilen und sich unters Volk mischen. Denn am 24. September stehen Gemeindewahlen an, und der Wahlkampf geht in die ernste Phase über.

Spannender als zuvor

Vor vier Jahren waren die Gemeindewahlen alles andere als spannend. Weder bahnbrechende Themen noch hitzige Debatten prägten den Lysser Alltag, und Andreas Hegg (FDP) wurde in einer stillen Wahl als Gemeindepräsident bestätigt. Die diesjährigen Wahlen versprechen allerdings mehr Spannung, nicht zuletzt, weil Heggs Amt von gleich drei Gegenkandidaten angegriffen wird.

Die BDP und die GLP gehen für die diesjährigen Wahlen eine Listenverbindung ein und stellen mit Rolf Christen (BDP) und Michel Rudin (GLP) je einen Kandidaten für das Gemeindepräsidium. Auch die SP steht mit Margrit Junker Burkhard im Rennen. Der amtierende Präsident gibt sich jedoch gelassen: «An meiner Arbeit ändert sich nichts», so Hegg. Er sei zuversichtlich, dass er das Vertrauen der Lysser Bevölkerung mit soliden Leistungen und vor allem seiner sen­siblen Finanzpolitik der letzten Jahre auch weiterhin habe.

«Es gibt keine Bereiche, wo man sagen könnte, Andreas Hegg habe etwas falsch gemacht», sagt Christen. Er wolle aber den Lyssern die Möglichkeit geben, mit ihm neue Impulse zu schaffen.

Realistische Chancen?

Zweifelhaft ist, wie realistisch und ernst der Angriff auf Heggs Sessel tatsächlich ist. Gerade für die BDP, die bei den letzten Gemeindewahlen erstmals einen Sitz im fünfköpfigen Gemeinderat errungen hat, geht es nun primär darum, diesen Sitz zu verteidigen und zu festigen.

Auch die SP hat im Gemeinderat momentan einen Sitz inne. Sie will wieder Boden gutmachen, nachdem sie 2013 ein Mandat an die BDP abtreten musste. «Unser Ziel ist selbstverständlich, den Sitz zurückzugewinnen», sagt Margrit Junker Burkhard. Dies sei jedoch umso schwieriger, als sich immer mehr Parteien um den gleich gross gebliebenen Kuchen streiten.

Die GLP hat mit Jungpolitiker Michel Rudin zwar einen weit vernetzten und charismatischen Präsidentschaftskandidaten am Start, realistische Chancen wird dieser voraussichtlich aber auch nicht haben.

Entgegen allen Erwartungen stellt die SVP keinen Kandidaten für das Präsidium. «Eine Kandidatur wäre rein taktisch und kaum realistisch gewesen», sagt Parteipräsident Thierry Aeschlimann. Der Wähleranteil der SVP ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Mit elf Sitzen ist sie derweil die stärkste Partei im Parlament und versucht nun im Gemeinderat einen zweiten Sitz anzustreben. Die anhaltenden Diskussionen um das geplante Bundesasylzentrum in Lyss dürften der SVP in die Karten spielen.

Was also wie ein Buhlen um das Gemeindepräsidium scheint, ist vielmehr der Versuch von Parteien, ihren Stand im ­Gemeinderat zu stärken. Dort werden die Wahlen dieses Jahr womöglich spannender denn je.

Kandidaten Gemeindepräsidium:
FDP: Andreas Hegg (bisher)
SP: Margrit Junker Burkhard
BDP: Rolf Christen
GLP: Michel Rudin

Kandidaten Gemeinderat:
FDP: Andreas Hegg (bisher), Stefan Nobs (bisher), Kathrin Hayoz
SP: Margrit Junker Burkhard (bisher), Stefan Bütikofer, Katrin Meister, Lukas Ruggli, Berthold Büscher
BDP: Rolf Christen (bisher), Willy Bangerter, Markus Marti, Stéphanie Tschanz-Simon, Ueli Spring
EVP: Christine Schnegg, Hansueli Bourquin, Jürgen Gerber, Sabina Heimberg, Raphael Brunner
SVP: Jürg Michel (bisher), Sara Ellen Hübscher, Patrick Häni, Benjamin Schmid, Dominik Dummermuth, Aurelia Eggli

Berner Zeitung

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