Tanzend kämpfte er sich zu Gold

Ostermundigen

Dank Joel de Jesus Campos hat Ostermundigen einen Weltmeister. Der 35-Jährige brillierte in Aserbeidschan mit Capoeira-Kampfkunstdarbietungen und hat nun einen Traum.

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Was ist Capoeira? Diese Frage wird Joel de Jesus Campos in der Schweiz oft gestellt. Das möchte er ändern. Der 35-jährige Doppelbürger mit brasilianischen Wurzeln träumt von einer mehrköpfigen Schweizer-Delegation für die nächsten Capoeira-Weltmeisterschaften.

Im Mai trat er in Baku, der Hauptstadt von Aserbeidschan noch allein für seine neue Heimat an. «Mit der Goldmedaille in der Hand kann ich nun besser für meinen Herzenswunsch werben», sagt der durchtrainierte Mann und strahlt.

Joel de Jesus Campos (grünes Armband) im Einsatz an der WM in Aserbeidschan.

Capoeira, das ist für ihn Leidenschaft, gepaart mit spektakulärer Akrobatik und Kicks. Capoeira ist auch der Sport, den er von Kindesbeinen an betreibt. In Brasilien fragt ihn keiner nach der Bedeutung des Wortes Capoeira. Dort, wo er seine Kindheit verbrachte, ist Capoeira eine Volkssportart mit vielen Clubs und Schulen: «Capoeira ist ein Teil unserer Volksseele.»

Die kulturellen Wurzeln des Capoeira liegen in der Kolonisationszeit. Sklaven aus afrikanischen Ländern brachten ihre Musik und auch den verdeckten Widerstand gegen die Sklaventreiber mit. Ausdruck fand dies in Liedern und dem Spiel der Körperkraft. Seit den 70er-Jahren prägen zusätzlich Elemente wie hohe gedrehte Sprünge und Saltos die Darbietungen.

Diese Extras werden mit Pluspunkten honoriert. Die Ausdrucksformen des Capoeira sind verschieden, und jeder «Mestre» lehrt in seiner eigenen Schule. Bei all den Unterschieden ist eine Konstante auszumachen: die begleitende Musik. Sie gehört zu diesem Tanz der Kämpfenden wie die Schläge und Täuschungsmanöver.

Campos ist aktuell «Contra-Mestre». Das ist eine besondere Ehre, die nur Sportler erhalten, welche sich bereits über 20 Jahre für diesen Wettkampf der besonderen Art eingesetzt haben.

Botschafter für den Sport

Campos ist zugleich Botschafter dieser Sportart in der ganzen Welt. Seit 17 Jahren unterrichtet er den Nachwuchs in verschiedenen Ländern. So lernte er in Spanien auch seine Frau Denise kennen. Der Weg des Paares führte schliesslich 2011 in die Schweiz. Heute leben die beiden mit ihren zwei Kindern in Ostermundigen und unterrichten einmal wöchentlich in Steffisburg.

Für sein Gespräch hat der 35-jährige Sportler einen Platz mitten in der Stadt Bern gewählt. Hier kann er wirksam für den Capoeira werben und so seinen Bekanntheitsgrad erweitern. «Wir werden zeigen, dass Capoeira ein höchst vielseitiger Sport, vielleicht auch ein Tanz ist», sagt er.

Breakdance, Judo oder Jiu-Jitsu habe wohl einige ähnliche Bewegungen, doch Capoeira sei die ureigene spielerische Art, sich dem Gegner zu stellen. Seine Goldmedaille für die Leistungen in der Gewichtsklasse von 85 Kilogramm und mehr legt er bei der Showeinlage lässig hin. Niemand würde es wagen, dem Kämpfer das Stück Gold zu ­stehlen.

Berner Zeitung

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