Tchibo zieht ins Schuhgeschäft Fricker Shoes

Bern

Das Schuhgeschäft Fricker Shoes schliesst seine letzte Filiale in der Berner Innenstadt. Die deutsche Kaffeekette Tchibo übernimmt die Ladenfläche.

Der Liquidationsverkauf läuft: Die Filiale von Fricker Shoes in der Neuengasse schliesst.

Der Liquidationsverkauf läuft: Die Filiale von Fricker Shoes in der Neuengasse schliesst.

(Bild: Nicole Philipp)

Rahel Guggisberg

Schon wieder geht in Bern ein traditionsreicher Laden zu. Derzeit sind an der Aussenfassade des Schuhgeschäfts Fricker Shoes grüne Plakate aufgehängt. Sie weisen auf die Geschäftsaufgabe an der Neuengasse hin. «Ja, wir schliessen die Filiale Ende Februar», bestätigt Hans-Peter Hess von der Muttergesellschaft Pasito-Fricker. Erste Kündigungen seien bereits verschickt worden.

Somit geht auch die zweite und letzte Filiale von Fricker Shoes in Bern zu. Die Last der hohen Miete wurde zu gross. Das andere Geschäft an der Spitalgasse schloss bereits vor gut zwei Jahren. Mittlerweile ist auf der zweistöckigen Ladenfläche das spanische Unternehmen Zara Home eingezogen. Fricker Shoes gibt aber den Standort Bern nicht ganz auf: Das Unternehmen versucht, in Bern ein günstiges, einstöckiges Verkaufslokal zu finden, um die ­Mitarbeitenden, die sich rund zweieinhalb Vollzeitstellen teilen, zumindest teilweise weiterbeschäftigen zu können.

27 Filialen bleiben

Der Schweizer Schuhhändler musste bereits 2015 das Filialnetz ausdünnen. Nun folgt ein weiteres Sparprogramm. Letztes Jahr wurden die Filialen in Luzern und Basel geschlossen. Mittlerweile betreibt das Unternehmen schweizweit noch 27 Geschäfte. Pasito-Fricker entstand aus der Bally-Gruppe und gehörte ab Anfang 2014 dem Immobilienunternehmer Guido Fluri aus Cham ZG.

Er ist durch die Lancierung der Volksinitiative «Wiedergutmachung für Verdingkinder und Opfer fürsorgerischer Zwangsmassnahmen» bekannt geworden. Seine GF Group Holding übernahm damals die Firma von der deutschen Ludwig Görtz GmbH. Im Juni verkaufte Guido Fluri die Mehrheit am Unternehmen an nicht namentlich genannte Investoren aus dem Ausland. Pasito-Fricker beschäftigt 120 Mitarbeitende.

Wiedereröffnung frühstens im Mai

«Die Eröffnung der Tchibo-Filiale am neuen Standort an der Neuengasse ist ab Mai dieses Jahres geplant», sagt Sprecher Alfredo Schilirò. Details zu Konzept und belegter Fläche will er noch nicht preisgeben.

Laut gut unterrichteten Quellen hat die deutsche Kaffeehauskette Interesse, im Gebäude mit der Filiale mehrere Stockwerke zu belegen. Die bestehende Filiale beim Hotel Schweizerhof am Bahnhof Bern wird Tchibo schliessen.

Die deutsche Kaffeehauskette Tchibo eröffnete im Jahr 2002 die erste Filiale in der Schweiz. Das Tchibo-Konzept beruht auf drei Säulen: dem Verkauf von Röstkaffee und von wöchentlich wechselnden Non-Food-Artikeln sowie einer Kaffeebar.

Olmo will entgegenhalten

Die Schweizer Schuhhändler leiden derzeit. «Auch an guten Lagen gehen traditionelle Schuhgeschäfte ein», sagt Olmo-Chef Luc Pauchard. Das Berner Familienunternehmen betreibt in Bern und Zermatt fünf Geschäfte und beschäftigt 37 Mitarbeitende. Das Einkaufsverhalten habe sich in den letzten Monaten schnell und nachhaltig verändert.

Die Kunden bestellen zunehmend auch Schuhe im Internet. «Wir werden oft von Kunden gefragt, warum wir keinen Onlineshop hätten», sagt er. Das entspreche indes nicht der Olmo-Vision. Schuhe müsse man vor Ort anprobieren. Das Fühlen von Materialien, das Riechen von Gerüchen und die Beratung könne nicht mittels eines Klicks ersetzt werden.

Gerade im letzten Jahr stellte Luc Pauchard aber vermehrt fest, dass Kunden die Schuhe im Laden probieren, die Waren aber dann online bestellen würden. Er weise die Kunden dann immer darauf hin, dass er das Schuhgeschäft langfristig nicht mehr betreiben könne, wenn alle im Internet einkaufen würden.

«Diese Kunden verstehen die Konsequenzen ihres Handelns nicht. Ihnen leuchtet nicht ein, dass die Läden schliessen müssen, wenn sie bei uns nur noch probieren und dann online bestellen», sagt er.

Die stärkste Konkurrenz kommt heute aus dem Internet: Die virtuellen Wettbewerber wie Zalando erzielen 15 Prozent des Schuhumsatzes in der Schweiz. Sie bieten tiefere Preise an, weil sie keine Ladenmieten zu bezahlen haben und sie sich das Verkaufspersonal sparen.

Kundentreue entscheidet

Welche Strategie verfolgt Olmo in diesem Umfeld? Luc Pauchard sagt: «Mit einem ausgewählten Sortiment heben wir uns von der Konkurrenz ab. Die angesagten Marken wie zum Beispiel Dr. Martens findet man seit über dreissig Jahren im Olmo.» Wichtig sei, dass die Kunden dies realisieren und dem lokalen Handel treu bleiben würden. Nur so bleibe Bern eine attraktive Stadt.

Berner Zeitung

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