Muri

Tellerwäscherkarriere mit Babynahrung

MuriMit Heiligenbildchen fing er an, am Schluss handelte er mit Nährmitteln für Babys. Toni Hosang hat es geschafft, der Armut der Bündner Bergwelt zu entfliehen. Als Patron brachte er die Bimbosan AG zum Blühen.

Toni Hosang fühlt sich mit Bimbosan noch immer eng verbunden.

Toni Hosang fühlt sich mit Bimbosan noch immer eng verbunden. Bild: Beat Mathys

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Toni Hosang hat eine Botschaft, die ihm am Herzen liegt. Ihretwegen hat er ein Buch über sein Leben geschrieben, und ihretwegen hält er auch Vorträge über sich und sein Werk. Der bald 88-jährige Rentner aus Muri tut dies mit gutem Grund: 1929 in eine einfache Bündner Bergbauernfamilie hineingeboren, ist es ihm gelungen, ein Unternehmen zum Blühen zu bringen.

Bimbosan heisst die Firma, die in Bern und Ostermundigen klein angefangen hat und unter seiner Leitung nach Welschenrohr im Kanton Solothurn expandiert hat. Sie stellt Nährmittel für Babys her.«Wir sollten mehr Mut haben, sollten etwas wagen und trotz Rückschlägen das Ziel konsequent verfolgen», fasst er seine Botschaft zusammen.

Letztlich habe genau diese Philosophie ihn so weit gebracht. Konkret: Im Bereich der Säuglingsmilch ist Bimbosan hierzulande zur Nummer eins im Fachhandel geworden und hat sich gegen Branchen­riesen wie den Nestlé-Konzern durchgesetzt.

Handel mit Kugelschreibern

Toni Hosang kam neben etwas Glück sein Talent im Verkauf zugute. Schon als Knirps verkaufte er Heiligenbildchen, die er im ­Religionsunterricht als Lohn für gutes Wissen erhalten hatte. Der Handel mit seinen Mitschülern lief gut, er verdiente sein erstes Geld, die Kameraden konnten ­daheim Fleiss vorgaukeln.

Als junger Mann setzte er auf die amerikanischen Soldaten, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland stationiert waren und in der Schweiz Urlaub machten. Diese passte er am Bahnhof ab, deckte sich für 2, zuweilen auch für 2.50 oder 3 Franken mit Kugelschreibern ein und verkaufte die neuartigen Schreib­geräte für 20 Franken.

«Zu Hause hatten wir nur im Winterhalbjahr Schule. Den Sommer über wurden wir in der Landwirtschaft gebraucht.»Toni Hosang

Weil auch andere auf den Geschmack kamen, hielt der Boom nicht lange an. Toni Hosang sattelte um und beglückte seine Bekannten mit Düften aller Art. Im Kino, in dem er als Platzanweiser und Operateur arbeitete, «roch es wie in einer Parfümerie». Er verkaufte auch Fensterputzmittel und Bodenwichse und gewann, keck wie er war, als erste Kundin gleich die UNO.

Längst hatte er die Heimat verlassen und war nach zwei Jahren Gymnasium in Einsiedeln für die letzten Klassen und die Matur in Genf gelandet, wo eine Tante lebte. Der Unterricht in Französisch fiel ihm sehr schwer, zu rudimentär war das Wissen, das er aus seiner Bündner Heimat mitgenommen hatte. «Zu Hause hatten wir nur im Winterhalbjahr Schule. Den Sommer über wurden wir in der Landwirtschaft gebraucht.»

Ein Ohr für die Beraterinnen

Nach all den Mühen hatte Toni Hosang genug von der Schule. Er beschloss, seiner Begabung zu folgen und voll auf den Handel zu setzen. Von Genf und später auch vom Bernbiet aus war er als Vertreter für die verschiedensten Produkte unterwegs.

Eine seiner Kundinnen war die Bimbosan AG, ein Kleinbetrieb, der mehr schlecht als recht lief und obendrein zum Verkauf stand. Er anerbot dem alten Besitzer, für wenig Geld die Buchhaltung in Ordnung zu bringen. So bekam er gleich mit, wie es um die Firma stand – und konnte einen realistischen Kaufpreis aushandeln. Das war 1970.

Als frischgebackener Familienvater verfügte Toni Hosang damals zwar über einige Erfahrung mit Kindernährmitteln. Doch «das reichte nicht», sagt er im Rückblick, und so ging er erneut auf Reisen. Den Fokus richtete er auf die Mütterberaterinnen. Er war überzeugt, bei seinen Be­suchen viel von ihnen lernen zu können. Gleichzeitig brachte er ihnen seine Produkte näher im Vertrauen darauf, dass das, was sie den Müttern empfahlen, dann auch gekauft würde.

Den Beraterinnen hörte er noch später zu, als das Geschäft in Schwung kam. So bekam er mit, wie enttäuscht sie von der Konkurrenz waren. Die Galactina AG aus Belp hatte zwei Artikel vom Markt genommen, und weil er mitbekam, wie gefragt diese waren, nahm er sie ins eigene Sortiment auf.

Grosse Gewinne hätten sie in der Tat nicht versprochen, sagt er, aber: «Sie brachten uns Kundinnen, die weitere Produkte kauften.» So wuchs die Palette der Getreidemehle stetig an. Als er den Plafond erreicht sah, baute Toni Hosang in der ersten Hälfte der 1980er-Jahre als zweites Standbein das Geschäft mit der Säuglingsmilch auf.

Ein Risiko sei der Schritt gewesen, zumal er quasi mit dem Wegzug nach Welschenrohr zusammengefallen sei, sagt Hosang. Doch er habe sich gelohnt: «Für den Betrieb war das Milchpulver am Schluss wichtiger.»

Immer wieder «Wir»

Was bleibt? Ende 2011 hat Toni Hosang die Bimbosan AG an eine Investorengruppe verkauft, und vor einem guten Jahr ist er mit seiner Frau nach Muri in eine Seniorenwohnung im Multengut gezogen. Der Firma fühlt er sich trotzdem nach wie vor eng verbunden. So fällt er immer wieder in die vertraute Wirform zurück, wenn er von ihr erzählt. Um sich gleich zu korrigieren: Ach nein, diese Zeiten sind ja längst vorbei.

Weitere Infos zum Buch und zur Person unter tonihosang.ch. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.01.2017, 08:16 Uhr

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