Temporärer Velo-Verkehrspark im Weyerli

Bern

Bis zu den Sommerferien können sich 88 Berner Schulklassen auf der Kunsteisbahn Weyermannshaus auf die Veloprüfung vorbereiten.

  • loading indicator

Die Viertklässler hören dem Verkehrsinstruktor der Kantonspolizei gespannt zu. Er erklärt ihnen, wie Velofahrer richtig in den Kreisel einspuren. Nach der kurzen Theorie rennen die Kinder zu ihrem Velo und drehen auf dem neuen Parcours ihre Runden.

Bei den meisten klappt die Umsetzung schon gut. Dennoch ist es sinnvoll, dass die Übungen nicht etwa um den Kreisel am Thunplatz stattfinden. Hier auf der abgesperrten Fläche im Weyermannshaus können sich die Kinder ganz auf sich selbst und die Anweisungen der Polizisten konzentrieren.

Eisfeld anders genutzt

Bis anhin war das Eisfeld neben dem «Weyerli»-Bad im Sommerhalbjahr ungenutzt. Auf dem Belag, der im Winter mit Eis bedeckt ist, sind neu Mittellinien, Fussgängerstreifen und andere Verkehrsmarkierungen aufgemalt.

Gestern Vormittag durften die Viertklässler der Rudolf-Steiner-Schule, Bern, den neuen Parcours einweihen. Mit dabei war Gemeinderätin Franziska Teuscher (GB). «Die Eröffnung eines fixen Verkehrsgartens ist schon länger ein Anliegen der Stadtregierung», erklärt die Direktorin für Bildung, Soziales und Sport vor den Medien.

Im Zuge seiner Velo-Offensive will der Gemeinderat, dass die Schulkinder gefahrlos das richtige Verhalten im Verkehr lernen. «Der Veloanteil am Gesamtverkehr soll bis 2030 von rund 11 Prozent auf 20 Prozent steigen», sagt Teuscher. Sie sei froh über die schnelle Umsetzung des Projekts. Zwischen April und Juni kommen täglich Schulklassen, um den Kurs mit der Polizei zu absolvieren. Insgesamt 88 Klassen aus der ganzen Stadt sind bis zu den Sommerferien für den Unterricht eingeplant.

Ebenfalls froh über die rasche Umsetzung ist Polizist Peter Buchschacher. «Schon vor vierzig Jahren gab es erste Ideen für einen fixen Verkehrsgarten», erzählt er. Erst im vergangenen Dezember hatte der Gemeinderat dem neuen Konzept für Velo-Freizeitanlagen zugestimmt.

«Dass die Realisation so sportlich vonstattenging, liegt wohl an der Zusammenarbeit mit dem Sportamt», scherzte Buchschacher. Die Verkehrsschulung ist allerdings eine ernste Sache. «In diesem Schonraum können sich die Kinder die nötigen Fähigkeiten aneignen, ohne die Gefahr von unachtsamen Autofahrern oder grossen Fahrzeugen», betont der erfahrene Verkehrsinstruktor.

Mehr Chancengleichheit

Neben der Polizei profitieren vor allem die Schulen von der neuen Einrichtung. Für die Klassen aus der Rudolf-Steiner-Schule führte der Verkehrskurs jeweils zu einigen Komplikationen. Klassenlehrerin Simone Richard erklärt das Problem: «Unsere Schüler kommen nicht nur aus einem Quartier, sondern aus dem ganzen Grossraum Bern. Ein Velo in die Schule mitzubringen, war oft kompliziert.»

«Velos in die Schule mitzubringen, war oft kompliziert.»Simone Richard, Klassenlehrerin Rudolf-Steiner-Schule, Bern

In der neuen Anlage werden die Fahrräder zur Verfügung gestellt, und die Klassen können bequem mit dem öffentlichen Verkehr anreisen. «Dass alle mit dem gleichen Velo unterwegs sind, verringert zudem den Neid unter den Kindern und führt zu mehr Chancengleichheit», sieht Richard als weiteren Vorteil.

Ausserhalb der Unterrichtszeiten und bis Ende August kann der Verkehrsgarten von der Öffentlichkeit frei genutzt werden. Das Gelände ist zu den Öffnungszeiten des Freibads Weyermannshaus offen. Für die private Nutzung werden jedoch keine Velos und Helme bereitgestellt.

Berner Zeitung

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt