Thailänderin soll rund 80 Frauen an Nachtclubs vermittelt haben

Sie soll rund 80 Frauen aus Thailand in die Schweiz gelockt und zur Prostitution gezwungen haben. Jetzt hat die Berner Staatsanwaltschaft eine 57-jährige Thailänderin wegen gewerbemässigem Menschenhandel angeklagt.

Neben gewerbsmässigem Menschenhandel soll die Angeklagte auch in Prostitutionsförderung, Geldwäscherei und Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz involviert gewesen sein.

Neben gewerbsmässigem Menschenhandel soll die Angeklagte auch in Prostitutionsförderung, Geldwäscherei und Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz involviert gewesen sein.

(Bild: Fotolia)

Eine Thailänderin soll ungefähr 80 Frauen aus ihrer Heimat in die Schweiz gelockt haben, die sich dann in Etablissements prostituierten. Die Berner Staatsanwaltschaft klagt die Frau nun wegen gewerbemässigem Menschenhandel an. Die Beschuldigte ist hinter Gittern.

Die Ermittlungen dauerten mehrere Jahre, wie die Kantonale Staatsanwaltschaft für besondere Aufgaben am Dienstag mitteilte. Die 57-Jährige muss sich wegen gewerbemässigem Menschenhandel verantworten und zudem wegen Förderung der Prostitution, Geldwäscherei und Widerhandlungen gegen das Ausländergesetz.

«Reiseschulden»

Seit Ende 2011 soll die Beschuldigte von Thailand aus die Einreise von Landsleuten aus ärmlichen Verhältnissen in die Schweiz organisiert haben. Die Frauen wurden an Salons im Kanton Bern und weiteren Kantonen vermittelt. Sie mussten dafür 25'000 bis 30'000 Franken abzahlen, durch Prostitution.

Die Prostituierten mussten ihren ganzen Verdienst an die Betreiber der Etablissements abgeben, die die Hälfte davon behielten. Mit dem Rest wurden «Reiseschulden» abbezahlt. Die Prostituierten wurden überwacht und konnten sich nicht völlig frei bewegen. Die Beschuldigte erwirtschaftete mehrere hunderttausend Franken.

Rund 80 Opfer - Frauen und transsexuelle Frauen - haben die Behörden ausfindig machen können. Es handle sich von der Opferzahl her gesehen um den bisher grössten Fall von Menschenhandel im Kanton Bern, sagte Christof Scheurer, Informationsbeauftragter der Staatsanwaltschaft.

Gefälschte Dokumente

Die Beschuldigte legte den Botschaften der Schweiz und Italiens in Thailand aufwendig gefälschte Dokumente vor, um für die Frauen Touristenvisa für den Schengenraum zu erhalten. Diese Fälschungen hätten derart zu täuschen vermocht, dass die Botschaftsangestellten sie nicht als solche erkannt hätten, sagte Scheurer dazu.

Im Oktober 2014 wurde die mutmassliche Menschenhändlerin am Flughafen Zürich festgenommen, nachdem sie mutmasslich mehrere Opfer in die Schweiz begleitet und in Etablissements Geld einkassiert hatte. Sie war gestützt auf Erkenntnisse aus früheren Verfahren wegen Menschenhandels als mutmassliche Drahtzieherin in Thailand identifiziert worden.

Seither sitzt sie hinter Gittern, da sie ihre Freiheitsstrafe vorzeitig angetreten hat. Gewerbemässiger Menschenhandel wird gemäss Strafgesetzbuch mit einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr geahndet.

Laut Gesetz könne für die Frau theoretisch eine Freiheitsstrafe von bis zu 20 Jahren ausgesprochen werden, sagte Scheurer. Ein konkreter Antrag zum Strafmass liege aber noch nicht vor, da im Rahmen der öffentlichen Gerichtsverhandlung zuerst ein Beweisverfahren stattfinden werde. Die Staatsanwaltschaft werde sich im Rahmen ihres Plädoyers detailliert dazu äussern.

Neun Privatklägerinnen

Neun der rund 80 eruierten Opfer sind bereit, sich als Privatklägerinnen am Verfahren zu beteiligen und ihre Rechte wahrzunehmen. Ob und wie viel Geld diese Frauen erhalten, etwa als Schadenersatz oder als Genugtuung, habe das Gericht zu entscheiden, führte Scheurer aus.

Gestützt auf Erfahrungen aus anderen Verfahren zu Menschenhandel ist die Zahl von Privatklägerinnen in diesem Verfahren laut Staatsanwaltschaft relativ hoch. Die meisten mutmasslichen Opfer der Thailänderin seien freiwillig in ihre Heimat zurückgereist, wo ihre Angehörigen lebten, sagte Scheurer.

Bis zur Anklageerhebung waren zahlreiche Rechtshilfeverfahren nötig, vor allem in Thailand und in Italien. Ausserdem mussten die Strafverfolgungsbehörden in mehreren Kantonen ihre Arbeit koordinieren. Viel Zeit brauchten laut Staatsanwaltschaft die Abklärungen zum bei den mutmasslichen Straftaten geflossenen Geld.

tag/sda

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