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Theaterpräsidium: Kronfavoritin Egger sagt «wohl eher Nein»

Wer wird Stiftungsratspräsident von Konzert Theater Bern? Der Gemeinderat verschleppt das Geschäft in den Frühling.

Stefanie Christ, Michael Feller
Als sie vor Monaten angefragt worden war, signalisierte Regierungsrätin Barbara Egger Interesse. Seither habe sich nichts mehr getan.
Als sie vor Monaten angefragt worden war, signalisierte Regierungsrätin Barbara Egger Interesse. Seither habe sich nichts mehr getan.

Bis auf weiteres führungslos: Das Stiftungsratspräsidium von ­Konzert Theater Bern bleibt vakant. Letztes Jahr schaffte es der Gemeinderat der Stadt Bern nicht, einen Nachfolger von Benedikt Weibel zu bestimmen, und verschob das Geschäft auf nach den Wahlen, aufs neue Jahr. Doch auch in der neuen Zu­sammensetzung kommt der Gemeinderat nicht voran. Er hat den Entscheid auf «den Frühling» vertagt.

Der städtische Informationschef Walter Langenegger bestätigt, dass sich der gesamte Gemeinderat Anfang Jahr mit dem Stiftungsrat von Konzert Theater Bern (KTB) getroffen habe, um die Nachfolge zu thematisieren. Ein Entscheid sei bei diesem «konstruktiven Gespräch» allerdings nicht gefallen. Alles bleibt vage: Eine Wahl sei frühestens im Frühjahr zu erwarten, so Langenegger. Bis dahin liefen weitere Gespräche.

Zurück auf Feld eins

Nachdem zunächst alles klar schien, ist heute wieder alles offen – sechs Wochen nachdem der neue Stiftungsratspräsident sein Amt hätte antreten sollen. Interessenten wären da gewesen: Marcel Brülhart, der bisherige Vize, dem das Vierspartenhaus zu guten Teilen die erfolgreiche ­Fusion von Stadttheater und ­Berner Symphonieorchester zu verdanken hat, hätte den Posten gerne übernommen. Bereits Anfang 2016 wurde der Anwalt bei der Stadt, die als Hauptsubventionsgeberin den KTB-Präsidenten wählt, als Kandidat vorgeschlagen.

Der Entscheid verzögerte sich immer weiter – nicht zuletzt, weil Ex-Stadtpräsident Alexander Tschäppät mit dem Amt liebäugelte. Schliesslich zog Brülhart sein Interesse zurück. Und auch Tschäppät gab resigniert auf. «Wenn einem gewisse Leute das Gefühl geben, dass sie einen nicht wollen, dann muss man das nicht machen», sagte er im vergangenen November.

Diem zu glanzlos?

Der neue Vorschlag des Stiftungsrats zielte darauf, zwei ­Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: Katrin Diem, zurzeit einzige Frau im Stiftungsrat. Mit dem Vorschlag aus den eigenen Reihen könnte der Untervertretung der Frauen entgegengewirkt werden.

Das war durchaus im Sinn des Gemeinderats. Laut Walter Lan­genegger sind sich Gemeinderat und Stiftungsrat «einig, dass mittelfristig mehr Frauen im Stiftungsrat Einsitz nehmen sollen und eine Verjüngung des Gremiums anzustreben ist». Doch ­offenbar war die Kandidatin Diem der Stadtexekutive dann doch zu glanzlos. Und der Entscheid wurde vertagt.

Giauque? Egger?

Derweil drehte das Kandidatenkarussell. Aus dem KTB-Umfeld wurde der kulturaffine Grossrat Beat Giauque (FDP, Ittigen) ins Spiel gebracht. Weil aber eine Frau gewünscht ist, scheinen seine Chancen bescheiden. Er wurde auch nicht direkt angefragt und scheint mässig interessiert. «Meine momentanen Aufgaben füllen mich genügend aus», sagt er auf Anfrage.

Auch Regierungsrätin Barbara Egger (SP) wurde als Kandidatin genannt. Per Sommer 2018 tritt die Baudirektorin zurück und ­wäre für neue Aufgaben zu haben. «Ich wurde angefragt», sagte sie gestern. Doch das sei Monate her, seither habe sie nichts mehr gehört.

Damals habe sie spontan Interesse signalisiert. «Ich war aber nie offiziell Kandidatin und habe mich auch nicht vorgestellt», sagte sie. Sie habe sich darum nicht weiter mit der Sache befasst. Doch auch ihr Interesse scheint zu schwinden: «Sollte ich jetzt doch noch konkret gefragt werden, würde ich wohl eher Nein ­sagen.»

Mehreren valablen Kandidaten ist also der Appetit aufs prestigeträchtige Amt angesichts des zögerlichen Vorgehens im Gemeinderat vergangen. Trotz Vakanz macht es nicht den Anschein, als ob man der Personalie hohe Priorität einräumen würde.

Brülhart: Abschied in Raten

Bis eine Nachfolgerin (oder doch ein Nachfolger) für Benedikt Weibel gefunden ist, leitet Vizedirektor Marcel Brülhart die ­Institution interimistisch. Weil Brülhart schon unter Benedikt Weibel die Fäden im Hintergrund in der Hand hielt, ändert sich für den Stiftungsrat wenig. Brülhart, der sich in absehbarer Zeit aus der Dachstiftung von Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee zurückzieht, wird sich längerfristig auch von KTB verabschieden.

Etwas Wehmut werde ihn schon packen, aber: «Wir waren Pioniere mit der Fusionsinstitution, nun sollen neue Leute ans Ruder», sagt er. Er werde die Institution allerdings erst verlassen, wenn die Übergabe geregelt und der Weibel-Nachfolger eingearbeitet sei. «Bis dahin werde ich mit viel Herzblut dabei sein. Die Institution wird durch die Vakanz keinen Schaden nehmen.»

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