Tipps für die Hitzetage vom «Spitex-Engel»

Die Angestellten der Spitex geben in diesen heissen Tagen bei ihren Besuchen Ratschläge zum Umgang mit der Hitzewelle.

Raissa Cezar Gehlen, Mitarbeiterin der Spitex Bern, im Gespräch mit Kundin Marion Kistler.?

Raissa Cezar Gehlen, Mitarbeiterin der Spitex Bern, im Gespräch mit Kundin Marion Kistler.?

(Bild: Franziska Rothenbühler)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Einen Lift hat es in diesem schönen Altbau im Kirchenfeldquartier nicht. Wer die Spitex-Kundin Marion Kistler besuchen will, muss ins vierte Stockwerk steigen. Und gerät dabei schon um 10 Uhr ins Schwitzen.

Sie bietet ihren Gästen sofort etwas zu trinken an. Die grosse Wohnung ist ein Bijou. Die 81-Jährige hat alle Wände mit unzähligen Objekten geschmückt. Doch der Grund des Besuchs ist die Hitze. «Da müssen wir durch», sagt die gebürtige Deutsche, die als Kind die Schrecken des Zweiten Weltkriegs erlebt hat.

Zurück aus dem Spital

Um 10 Uhr trifft Raissa Cezar Gehlen ein. Die Mitarbeiterin von Spitex Bern und die Seniorin nehmen im Wohnzimmer Platz. «Wie geht es Ihnen?», fragt die Pflegerin. «Seit gestern bin ich zurück aus dem Spital. Ich bin froh, dass ich wieder zu Hause bin», antwortet sie. Wegen Herzproblemen musste sie sich behandeln lassen.

Dann gehts zur Sache: «Ich habe Ihnen heute ein Geschenk mitgebracht», sagt die Spitex-Mitarbeiterin und überreicht ­Marion Kistler ein Werkzeug, welches das Öffnen von PET-Flaschen erleichtert. «Dieses Geschenk geben wir in dieser Woche allen unseren Kundinnen und Kunden ab», sagt Raissa Cezar Gehlen.

Die Brasilianerin erkundigt sich dann, wie viel die Patientin trinkt. «Ich trinke beim Aufwachen und dann bei der Einnahme der Medikamente je ein Glas Wasser. Dann einen Ingwertee», erzählt sie. Sie misst nicht genau, ob sie wirklich die empfohlenen 1,5 Liter am Tag zu sich nimmt. Weil sie ausschwemmende Medikamente nimmt, darf sie nicht mehr trinken.

Die Sache mit dem Lüften

Dann fragt die Spitex-Mitarbeiterin: «Haben Sie heute schon gelüftet?» – «Ja, um sechs Uhr. Danach habe ich die Fenster geschlossen», antwortet die Seniorin. Der Bund und die Spitex Bern raten zu dieser Methode. Es gibt aber auch Kritiker dieser Empfehlung.

So plädiert der Meteorologe Jörg Kachelmann dafür, im Haus für Durchzug zu sorgen. Wie auch immer: Um 10 Uhr ist es in der Wohnung schon ziemlich warm. Trotzdem sagt Kistler: «Ich fühle mich wohl. Und freue mich über den Besuch des Engels von der Spitex.»

«Ich habe oft Schwindelanfälle», sagt die Patientin danach. Das bereitet der Spitex-Pflegerin Sorgen: «Gehen Sie nicht allein draussen spazieren», rät sie. Dann kommen sie auf einen heiklen Punkt zu sprechen.

Marion Kistler trägt ihre Uhr mit Alarmknopf nicht. «Es braucht nicht viel, und ich berühre unbeabsichtigt den Knopf», sagt sie. Deshalb ziehe sie die Uhr nicht an. Sie vereinbaren, dass die Pflegerin einen Alarmknopf besorgt, der an einer Halskette hängt. Dann misst die Pflegerin den Blutdruck. «Perfekt für Ihre Verhältnisse», sagt sie. Und weiter gehts ins Bad zur Körperpflege.

Berner Zeitung

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