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Touristiker und Gewerbler müssen Image-Schaden ausbügeln

Die Sachschäden in Höhe von Hunderttausenden von Franken sind das eine. Um den Imageschaden, den Bern am Wochenende erlitten hat, machen sich aber Touristiker und Gewerbetreibende mehr Sorgen.

Alexander Tschäppät: «Im gesamten Gemeinderat herrscht Wut, Enttäuschung und Ohnmacht über die Ereignisse».
Alexander Tschäppät: «Im gesamten Gemeinderat herrscht Wut, Enttäuschung und Ohnmacht über die Ereignisse».
Andreas Blatter
Michael Thomann, Direktor Hotel Schweizerhof: Eine Gruppe Chaoten hat das Bild von Bern im Ausland bestimmt.»
Michael Thomann, Direktor Hotel Schweizerhof: Eine Gruppe Chaoten hat das Bild von Bern im Ausland bestimmt.»
Alexandra Schürch
Aufräumen am Montag danach: Ein Mitarbeiter einer Glasfirma vermisst die zerstörten Loeb-Schaufenster, die provisorisch geflickt sind.
Aufräumen am Montag danach: Ein Mitarbeiter einer Glasfirma vermisst die zerstörten Loeb-Schaufenster, die provisorisch geflickt sind.
Susanne Keller
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Den 2000 Gästen, welche diese Woche in Bern die beiden grössten Schweizer Tourismusmessen besuchen, wolle sich «die Stadt von ihrer schönsten Seite präsentieren», sagte Tourismusdirektor Markus Lergier letzte Woche. Nach dem Krawallwochenende ist Bern aber weltweit in den Negativschlagzeilen. Für Touristiker und Gewerbetreibende ist klar, dass dadurch ein grosser Imageschaden entstanden ist.

«Solche wüsten Begleiterscheinungen sind ein Stich in die Seele für alle, die Bern im Herzen tragen», sagt Tourismusdirektor Lergier. Die Teilnehmer der Fachmessen seien glücklicherweise erst am Montag angereist und hätten so das Schlimmste nicht mitbekommen. Aber die Touristen in der Stadt hätten die irritierenden Krawalle hautnah erlebt. «Für jeden Touristiker sind solche Ausschreitungen in seiner Stadt schlimm. Krawalltourismus verträgt sich nicht mit Städtetourismus», sagt Lergier.

Verängstigte Touristen

Wie «hautnah» manche Touristen die Krawalle miterlebt haben, erzählt Béatrice Imboden, Hotelière in den Häusern Bären und Bristol. «Unsere Gäste mussten durch Tränengasschwaden und Abfallberge zurück ins Hotel gelangen. Ein solches Erlebnis vergisst man nicht so schnell.» Circa 130 Touristen übernachteten in den beiden Häusern in der Innenstadt. Darunter eine chinesische Delegation, die nach dem Besuch ihres Ministerpräsidenten noch in Bern geblieben war. «Sie waren fassungslos, dass so etwas in der sicheren Schweiz passieren kann», sagt sie. Es sei schwierig, den Gästen zu erklären, was da passiere, wenn man sich selber frage: «Was machen diese Chaoten mit unserer Stadt?» Trotzdem dürfe man die Gäste mit einem solchen Erlebnis nicht einfach allein lassen. «Wir sind es, die den Imageschaden für die Stadt ausbügeln müssen», sagt Béatrice Imboden.

Grosser Imageschaden

Noch mehr als über den finanziellen Schaden regt sich auch Michael Thomann, General Manager des Schweizerhofs, über den Imageschaden für die Stadt auf. Am Montag habe ein Kunde aus Italien wissen wollen, was denn in Bern los sei. Gäste würden fragen, weshalb man solche Ausschreitungen nicht verhindern könne. «Und auch ich frage mich, ob so ein Anlass, der ja unbewilligt ist, wirklich toleriert werden musste. Das geht für mich nicht auf», sagt Thomann. Eine Gruppe Chaoten habe das Bild von Bern im Ausland bestimmt, das stört ihn. Die Bemühungen der Leistungsträger des Tourismus hingegen, Bern zu verkaufen, würden mit Händen und Füssen getreten. Beim Hotel Schweizerhof gingen die Scheiben der Lobby in Brüche, die Haupteingangstüre ist zersplittert, und im Restaurant Jack’s sind zwei Scheiben zerstört, die Schweizerhofpassage glich am Sonntagmorgen einem öffentlichen Pissoir – ohne Pissoirschüsseln. «Der Sachschaden beträgt rund 100'000 Franken», sagt Thomann. Die Scheiben könnten erst in rund einem Monat ersetzt werden. Es sind Spezialanfertigungen.

Enorme Sachschäden

Enorme Sachschäden hat auch das Warenhaus Loeb zu verzeichnen. «Wir sind entsetzt über die massive Zerstörungswut», sagt Mediensprecherin Nicole Studer. Bis alle Scheiben ausgetauscht seien, dauere es sicher zwei Wochen. Denn: An manchen Orten muss Spezialglas eingesetzt werden. Bei Loeb rechnet man mit Sachschäden von annähernd 100'000 Franken.

«Masslos entrüstet» sei er über das, was vorgefallen sei, sagt Sven Gubler, Direktor von Bern City. Die Sachschäden seien das eine, aber der Imageschaden für die Stadt mache ihm mehr Sorgen. «Den kann man nicht mit Geld wiedergutmachen.»

Der Gemeinderat ermuntert die Geschädigten dazu, Anzeige zu erstatten. Das hat Marcel Vaudan, Inhaber des Nachtclubs Perroquet an der Laupenstrasse, bereits gemacht: «Wir mussten uns einschliessen. Der Schaden beläuft sich auf 20'000 Franken.»

BZ/mm, wrs, ehi

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