Treffpunkt Tierarztvilla

Schwarzenburg

Aus der alten Villa mitten in Schwarzenburg soll ein Generationenhaus werden. Die Initianten sind überzeugt, damit zur Lösung von diversen gesellschaftlichen Problemen beizutragen.

Urs Rohrbach und Linda Zwahlen im Erdgeschoss der alten Villa. Hier soll etwa in einem Jahr ein Bistro entstehen. Fotos: Beat Mathys

Urs Rohrbach und Linda Zwahlen im Erdgeschoss der alten Villa. Hier soll etwa in einem Jahr ein Bistro entstehen. Fotos: Beat Mathys

Sheila Matti

Leise knarren die Dielenböden, als Linda Zwahlen und Urs Rohrbach durch das alte Haus streifen. An den cremefarbenen Wänden, dort, wo der Putz abblättert, kommen Spuren der Vergangenheit zum Vorschein. Kleine, hellgrüne Stellen, die erahnen lassen, dass das Gebäude im Laufe der Zeit schon viele Farben angenommen hat.

Besonders deutlich wird der Wandel der Zeit, als Urs Rohrbach eine der Türen im oberen Stock öffnet. Dahinter verbirgt sich eine kleine Kammer – komplett in Türkis. «So sah früher wohl das ganze Haus aus», sinniert Rohrbach. Und Zwahlen ­ergänzt: «Dieser Raum soll unbedingt so bleiben, wie er ist, damit die Vergangenheit des Hauses erhalten bleibt.»

Ansonsten soll sich in der dreistöckigen Villa, die an der Bernstrasse 9 mitten in Schwar­zenburg steht, jedoch einiges ändern. Der hintere Teil wird durch einen Neubau ersetzt, um mehr Platz zu schaffen. Und der vordere Teil, das dreistöckige Hauptgebäude mit der von Efeu überwachsenen Fassade, wird sanft saniert.

In etwa einem Jahr soll hier ein Generationenhaus entstehen: ein Ort, an dem alle willkommen sind, egal, welches Alter oder welchen Hintergrund sie mitbringen. So die Vision der beiden Co-Präsidenten der Generationenhuus AG, Linda Zwahlen (45) und Urs Rohrbach (35).

Die Villa im Jugendstil wurde 1904 von der Tierarztfamilie Messerli erbaut.

Bistro, Kita, Co-Working

Geplant ist eine ganze Reihe von Angeboten: Voraussichtlich wird die Stiftung Bernaville ein Bistro mit Gartensitzplatz betreiben. Die Wohnung darüber soll auch in Zukunft bewohnt sein – «beispielsweise von einer Familie oder von einer durchmischten Wohngemeinschaft», so Linda Zwahlen.

Der Neubau wiederum wird zur Hälfte als Kita genutzt, geführt vom Gemeinnützigen Frauenverein Bern. Daneben gibt es Platz für die Jugendarbeit, einen Mehrzweckraum, ein Beratungszimmer sowie für einen Co-Working-Bereich.

Letzterer wurde bereits im Oktober eröffnet, «sozusagen als Probelauf, um abzuklären, ob so etwas in Schwarzenburg überhaupt Anklang findet», erklärt Urs Rohrbach. Und tatsächlich: Bereits eine gute Handvoll Menschen arbeitet regelmässig in den schlicht, aber bunt eingerichteten Räumen, in denen es immer noch leicht nach Desinfektionsmittel riecht. Früher befand sich hier die Praxis des Tierarztes Messerli, dessen Vorfahren die Villa 1904 erbaut hatten.

Die beiden Co-Präsidenten fühlen sich bestätigt. Sie sind überzeugt, mit dem Projekt ein Bedürfnis zu erfüllen. Die zu­nehmende Überalterung, die Schnelllebigkeit sowie die Vereinsamung der Menschen: All das seien Probleme, für die ein Generationenhaus eine Lösung bieten könne (siehe Zweittext).

Noch nicht am Ziel

Vor nicht ganz einem Jahr wechselte das Grundstück mit dem geschichtsträchtigen Haus und dem grosszügigen Garten den Besitzer, heute gehört es der Generationenhuus AG. Linda Zwahlen und Urs Rohrbach waren es, welche die Idee für das Projekt mitbrachten. Schnell fanden sie Unterstützung im Bekanntenkreis, heute sind sie Teil eines siebenköpfigen Teams. Unzählige freiwillige Helfer haben ihre Unterstützung bereits zugesichert.

«Es war ein anstrengendes, aber erfolgreiches Jahr», meint Linda Zwahlen und erzählt von einer Vielzahl von Besprechungen und Treffen, die dazu nötig waren, so weit zu kommen. Einerseits galt es das Geld für den Kauf aufzutreiben. Andererseits meldeten sich immer mehr Parteien, die ebenfalls Teil des Generationenhauses werden wollten.

In der Zwischenzeit konnte das Team des Generationenhauses bereits gut drei Viertel der Gesamtkosten sammeln. Rund 3,5 Millionen Franken kosten der Kauf, der Neubau sowie die Sanierung der Villa. «Wenn alles nach Plan läuft, können wir im Frühling 2020 die Eröffnung feiern», so Urs Rohrbach. Dann wollen die beiden ein neues Kapitel in der Geschichte der alten Villa aufschlagen. Und das Innere des Hauses wird erneut eine andere Farbe annehmen.

Berner Zeitung

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