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Treibjagd rettet Frau das Leben

Glück im Unglück für die Siselerin Heidi Sieber: Nach einem epileptischen Anfall lag die Rentnerin bewusstlos und stark unterkühlt im dichten Unterholz, als Jäger sie fanden. «Mir wurde ein zweites Leben geschenkt», sagt die Frau.

Vor Weihnachten bastelt Heidi Sieber gern. Das Material dafür findet die 71-jährige Siseler Rentnerin im nahen Wald. Als sie sich am Morgen des 5.Novembers von ihrem Mann Hans verabschiedet und mit dem Auto zum Grosswald fährt, ahnt sie nicht, dass ihr der Wald diesmal kein Moos, dafür aber ein zweites Leben schenken würde.

An diesem strahlend schönen Mittwochmorgen also parkiert Heidi Sieber ihr Auto beim Kugelfang des Scheibenstandes. Das Kübelchen fürs Moos lässt sie im Fussraum zurück, als sie den Weg zum Waldrand hochgeht. Plötzlich sei da dieses seltsame Gefühl, ein Unwohlsein gewesen, wird sie später sagen. Und der Gedanke: «Oh nein, nicht schon wieder.» An das, was danach passiert, kann sich Heidi Sieber nur noch bruchstückhaft erinnern.

Schuhe im Unterholz

Für Hermann Meyer hat dieser Mittwoch früh begonnen. Gemeinsam mit seinen Jagdfreunden, einer Jagdgruppe aus dem Raum Aarberg, hat der Siseler im Morgengrauen im Grosswald Ansitz genommen. Doch das Wild lässt sich nicht blicken. Nach acht Uhr trennt sich die Gruppe für die Treibjagd. Meyer sucht mit seinen Kollegen Luc Wanner und Peter Imperiali das Weidmannsheil in einem nahen kleineren Waldstück. Meyer treibt das Wild mit seinen Hunden, Wanner und Imperiali sollen es erlegen. Was Hermann Meyer unweit des Waldweges sieht, ist zwar kein kapitaler Bock, lässt sein Herz aber vor Schreck höher schlagen: An einer leichten Böschung ragen Schuhe aus dem Unterholz. Es ist kurz nach elf.

«Ich dachte, sie ist tot»

Als Heidi Sieber zu sich kommt, wähnt sie sich zuerst daheim in ihrem Bett. Was sie sieht, belehrt sie eines Besseren: Blätter, Holz, Sträucher und alles auf Augenhöhe. Sie denkt, wie schön das alles aussieht, im Sonnenlicht. Und hört Hermann Meyer sagen: «Das ist ja die Sieber-Heidi. Was machst du hier?» Dann wird sie wieder bewusstlos.

Daheim ist ihr Ehemann Hans unruhig. Seit über zwei Stunden ist seine Frau schon weg – so lange wie noch nie. Sieber weiss: Bereits zuvor hatte seine Frau schon epileptische Anfälle. Was dann zu tun ist, weiss der Mann. Im Militär einst Unteroffizier der Sanitätstruppe, war er später 18 Jahre lang Samariterlehrer und 20 Jahre lang im Altersheim Worben tätig. Allerdings hat Hans Sieber an diesem Mittwochmorgen keine Ahnung, in welchem Waldstück seine Frau Heidi ist.

Meyer, der Heidi Sieber so gut kennt, wie man sich in einem Dorf eben kennt, ist geschockt. «Ich dachte erst, die Frau ist tot.» Doch dann sieht er, dass sich die Brust der Bewusstlosen sanft hebt und senkt – Heidi Sieber atmet. Und auch Meyer stösst Luft aus – in sein Jagdhorn. Einmal lang und mehrmals kurz – das in der Gruppe verabredete Alarmzeichen. Dann greift er zum Handy und ruft Hans Sieber an.

Der Anruf erreicht Hans Sieber just in dem Moment, in dem er sich auf die Suche nach seiner Frau machen will. Jetzt kann er handeln. Meyer soll ihn zu Hause abholen. Luc Wanner betreut in der Zwischenzeit die mittlerweile wieder ansprechbare, aber stark verwirrte Frau. «Sie war schrecklich bleich und muss stark unterkühlt gewesen sein», erinnert er sich. Zwar sind Meyer und der Samariter Sieber schnell zurück im Wald. Trotzdem sei es ihm wie eine halbe Ewigkeit vorgekommen, sagt Wanner. «In solchen Momenten ist man hilflos.»

«Das war grossartig»

Danach geht alles schnell: Hans Sieber entscheidet, seine Frau mit dem Auto nach Müntschemier zum Arzt zu fahren. Von dort aus bringt eine Ambulanz Heidi Sieber ins Spital Aarberg. Die Diagnose der Ärzte: vermutlich ein epileptischer Anfall, starke Unterkühlung und eine ausgekugelte Schulter.

Nach zwei Tagen im Spital darf Heidi Sieber wieder nach Hause. Wegen der Epilepsie muss sie jetzt Medikamente nehmen. Auto fahren darf Heidi Sieber vorerst nicht. Bis auf die Schmerzen in der Schulter sei sie recht fit, sagt die Rentnerin. Dafür, dass die Jäger zur rechten Zeit im richtigen Stück Wald unterwegs waren, ist Heidi Sieber dankbar. «Was die Männer gemacht haben, ist grossartig. Mir ist, als wäre mir ein zweites Leben geschenkt worden.»

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