Bern

Trotz Belebung der Schützenmatte kam es zu Krawallen

BernEine belebte Schützenmatte sorgt für Beruhigung im Umfeld der Reitschule. So die Idee. In der Nacht auf Sonntag kam es dennoch zu Scharmützeln.

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Kinder bemalen den Boden mit Kreide. Männer und Frauen schlendern durch den Flohmarkt auf der Schützenmatte. Am Sonntag deutete nichts mehr darauf hin, was noch einige Stunden vorher auf dem Vorplatz der Reitschule vor sich gegangen war: Wieder einmal kam es zwischen einer Gruppe von jungen Leuten und der Polizei zu Scharmützeln. Flaschen und Steine flogen gegen die Einsatzkräfte.

Diese wiederum setzten Gummischrot und Pfefferspray ein. Das Fazit: drei verletzte Polizisten, mehrere Personen, die vor Ort von der Ambulanz versorgt werden mussten, sowie acht Festnahmen. Berns Sicherheitsdirektor Reto Nause (CVP) verurteilt die Gewalt aufs Schärfste: «Das war eine gezielte Aktion gegen die Polizei.»

Diese Szenen ereigneten sich in der Nacht auf Sonntag vor der Berner Reitschule. Video: Leserreporter

«Mit Blick auf Bern und die Schweiz erkennt man, dass es besonders im Ausgang zu Auseinandersetzungen kommt», sagt Nause weiter. Die Anzahl Vorfälle nehme zwar nicht zu, jedoch seien die einzelnen Fälle gravierender als früher. Die Stadt Bern legt ein Augenmerk auf die öffentlichen Sicherheit und Tätlichkeiten im Ausgang. An den Wochenenden würden nun mehr Pa­trouillen der Polizei eingesetzt. Sie sollen an Hotspots wie der Aarbergergasse oder der Schützenmatte Präsenz markieren und damit Übergriffe und Tätlichkeiten verhindern.

Unruhe trotz Belebung

Für mehr Sicherheit sollte auch das Neustadt-Lab – die Belebung der Schützenmatte durch Gastroangebote und kulturelle Veranstaltungen – sorgen.

Juerg Luedi, Projektleiter des Neustadt-Labs 2018, überrascht die Eskalation auf dem Vorplatz der Reitschule. Er war vorher am Abend noch vor Ort: «Bis um Mitternacht war alles friedlich.» Zu dieser Zeit habe das Neustadt-Lab seinen Betrieb eingestellt. «Wir hatten kein grosses Programm am Samstag. Der Kinoabend wurde wegen des schlechten Wetters abgesagt.»

Das Neustadt-Lab verfügt über einen eigenen Sicherheitsdienst, der am Wochenende regelmässig patrouilliert. Dieser habe sich am Samstag nicht eingemischt. «Es war eine Auseinandersetzung zwischen der Polizei und deren Gegenspieler. Mit dem Neustadt-Lab hatte dies nichts zu tun.»

Politik ist gefragt

Erfüllt die belebte Schützenmatte also gar nicht ihren Zweck? «Wenn sich gewaltbereite und vermummte Personen zusammenrotten, bringt die Belebung nichts», sagt Reto Nause. Damit will er das Konzept der Belebung aber nicht grundsätzlich infrage stellen: «An anderen Orten, wie beispielsweise der Grossen Schanze, hat sich die Situation verbessert.»

Die Polizei hatte das Neustadt-lab auf der Schützenmatte abgesperrt. Video: Leserreporter

Auf der Schützenmatte habe man es jedoch mit einem anderen Phänomen zu tun. «Die Täter suchen gezielt den Konflikt mit der Polizei.» Die Sprayereien an und in der Reitschule zeigten, dass Linksautonome einen rechtsfreien Raum errichten wollen – und dabei die Polizei fernhalten wollen. «Bern ist die Hauptstadt der Schweiz. Einen rechtsfreien Raum können wir nicht tolerieren.» Politik und Rechtsstaat seien nun gefragt.

Reitschule verurteilt Einsatz

Die Mediengruppe der Reitschule verurteilt den Polizeieinsatz. Schon deutlich vor Mitternacht sei Mitarbeitenden aufgefallen, dass in der Hodlerstrasse mehrere Kastenwagen parkiert gewesen seien. Deshalb hegen die Reitschüler den Verdacht, die Intervention sei geplant und die Eskalation gewollt gewesen.

Die Polizei habe zudem einige der Gummigeschosse mit Smileys und anderen Beschriftungen versehen: «Die Polizei scheint sich über die Leute, auf die sie schiesst, lustig zu machen und untermauert damit den Verdacht der geplanten Eskalation», heisst es im Communiqué.

Die Gewalt sei von einer Gruppe ausgegangen, die aus der Reitschule kam, heisst es im Gegensatz dazu im Communiqué der Polizei. Erst sei eine Patrouille mit Wasserballons beworfen worden. Kurze Zeit später hätten sich rund zwei Dutzend Personen vor der Reitschule versammelt. Die Polizisten forderten Verstärkung an, woraufhin sie mit Flaschen, Feuerwerkskörpern und Steinen beworfen wurden.

Die Linksautonomen seien während des Tumults in der Reitschule ein- und ausgegangen, sagt Reto Nause. Zudem habe es wohl Angriffe gegen die Polizei vom Dach aus gegeben. Es müsse deshalb die Frage gestellt werden, wie sich die Betreiber und deren Sicherheitsdienst verhalten hätten. Nause hält es deshalb für angezeigt, dass die Justiz eine Untersuchung einleitet. (Berner Zeitung)

Erstellt: 03.09.2018, 09:20 Uhr

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