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Tschäppät hält Italien in Atem

Die Italienerwitze von Alexander Tschäppät sind jetzt auch im italienischen Parlament ein Thema. Und sogar der Ministerpräsident ist informiert.

Alexander Tschäppät trat als Komiker im «Das Zelt» auf (12. Dezember 2013).
Alexander Tschäppät trat als Komiker im «Das Zelt» auf (12. Dezember 2013).
Urs Baumann
Der Berner Stadtpräsident trat mit der Gitarre auf die Bühne...
Der Berner Stadtpräsident trat mit der Gitarre auf die Bühne...
Urs Baumann
Nach seinem Auftritt musste sich Tschäppät für seine Italienerwitze rechtfertigen: «Eine grosse Mehrheit kann sehr wohl trennen, wann es um einen Comedyauftritt geht und wann um einen ernsten politischen Auftritt.»
Nach seinem Auftritt musste sich Tschäppät für seine Italienerwitze rechtfertigen: «Eine grosse Mehrheit kann sehr wohl trennen, wann es um einen Comedyauftritt geht und wann um einen ernsten politischen Auftritt.»
Urs Baumann
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Auch das noch. Berns Stadtpräsident Alexander Tschäppät hat wegen seiner Italienerwitze nicht nur eine Anzeige am Hals. Nein, jetzt ist sein «Das Zelt»-Auftritt von Mitte Dezember sogar im italienischen Senat ein Thema.

Der in der Schweiz lebende auslanditalienische Senator Claudio Micheloni von der Partito Democratico hat einen politischen Vorstoss im Parlament eingereicht. Tschäppät habe mit seinem satirischen Auftritt «klar rassistische Aussagen gegenüber italienischen Emigranten in der Schweiz gemacht», schreibt er. In der Folge sei es zu politischen und kulturellen Konfrontationen in der Schweiz gekommen.

Wir erinnern uns:Einige von Tschäppäts SP-Kollegen verurteilten die Witze; in der Folge reichte der Basler Jurist Carlo Alberto Di Bisceglia gegen den Stapi Strafanzeige wegen Rassismus ein. Fast noch mehr ärgert ihn, dass Tschäppät bei einem der Witze aus einer alten Fiche zitierte. «Wer hat Zugang zu den Fichen und wie ist er geregelt?», will Di Bisceglia wissen. Es sei moralisch unhaltbar, dass der Inhalt einer Fiche derart sinnwidrig missbraucht werde: «Das ist pietätlos gegenüber einem Gastarbeiter, der gar nicht mehr lebt.»

Von der Staatsanwaltschaft hat Di Bisceglia übrigens bis heute nichts gehört. Eigentlich hätte die Anzeige bestätigt werden sollen. Zurückgezogen soll sie aber nicht werden, zumal sich der Stadtpräsident bisher nicht öffentlich entschuldigt habe. Tschäppäts Standpunkt: Das Gericht soll entscheiden, ob seine Witze wirklich rassistisch gewesen seien. Er scheint zuversichtlich, dass dem nicht so ist.

Jetzt droht aber weiteres Ungemach. Am Donnerstag besucht der italienische Wirtschafts- und Finanzminister Fabrizio Saccomanni Bern. Zusammen mit Bundespräsident Didier Burkhalter wird er das 2. Forum für den Dialog zwischen Italien und der Schweiz eröffnen. Die Italienerwitze sollen auch ein Thema sein. Der Präsident des Ministerrates Italiens, Enrico Letta, sei ebenfalls informiert. Er musste aber einen Arbeitsbesuch in der Schweiz auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Ein Staatsbesuch von Giorgio Napolitano, Präsident der Italienischen Republik, ist für Mai 2014 geplant. Ob dann überhaupt noch jemand von diesen Witzen spricht?

Diese Frage stellt sich Senator Claudio Micheloni nicht, vielmehr will er in seinem Vorstoss wissen, warum weder die italienische Botschaft nocht das Aussenministerium noch die Regierung gegen die Witze protestiert haben. Immerhin seien «die Gefühle der Italiener in der Schweiz verletzt worden und unser Vaterland wurde beleidigt.» Es werde damit nicht anerkannt, dass die italienischen Immigranten im Ausland und vor allem in der Schweiz sich für die Arbeit opfern. «Wir kämpfen gegen die Rückkehr einer Vergangenheit und einer Kultur, die von Intoleranz geprägt ist», schreibt Micheloni.

BZ/ehi/lfc

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