Über den blauen Klee gelobt

Vertanzt, verspielt, verzaubert: Die Tanzcompagnie von Konzert Theater Bern landet mit «Paul Klee» mal wieder einen grossen Wurf.

Die Tänzerin Angela Demattè hoch zu Ross: Ein Gruss an Klee-Freund Franz Marc. Foto: pd/Gregory Batardon

Die Tänzerin Angela Demattè hoch zu Ross: Ein Gruss an Klee-Freund Franz Marc. Foto: pd/Gregory Batardon

Michael Feller@mikefelloni

Was für eine herzallerliebste Freakshow: Das Choreografenduo Kor’sia lässt die Engel antanzen. Nicht etwa liebreizende Gestalten aus der Weihnachtsdeko-Abteilung, sondern Charakterengel, Engel mit wunderlichen Stilen und uneindeutigen Geschlechtern, Engel mit Hang zum Absturz, Engel von Klee.

Paul Klee (1879–1940) hat die flatterhaften Himmelswesen immer wieder festgehalten. Teils waren sie sehr abstrakt, Kopffüssler für Fortgeschrittene (etwa «Engel voller Hoffnung»), andere waren konkreter, wie «Angelus Novus», eines der wertvollsten Klee-Bilder.

Fantastisch, wie die Tänzer Klees Welt zwischen kindlichem Witz und ausgewachsener Zerbrechlichkeit aufs Parkett legen.

Mattia Russo und Antonio de Rosa alias Kor’sia haben sich davon inspirieren lassen und die Choreografie «Engel in Blau» geschaffen. Das Stück bildet die erste Hälfte des zweiteiligen Klee-Abends von Konzert Theater Bern. Als Gewinner des letztjährigen Berner Tanzpreises hat das Duo den Auftrag gefasst, Klee zu vertanzen.

Auf Skiern über die Bühne

Das Premierepublikum ist begeistert. Diese sympathischen Aussenseiterengel (Kostüme: Catherine Voeffray) verzaubern auf Schritt und Tritt, ob sie nun auf einer Schaukel daherfliegen, an einem Türsteher vorbei in die Szene defilieren, mit Skiern über die Bühne staksen oder auf einem blauen Pferd herumturnen. Fantastisch, wie die Tänzerinnen und Tänzer des Ensem­bles Klees Welt zwischen kindlichem Witz und ausgewachsener Zerbrechlichkeit aufs Parkett der Vidmar 1 legen.

Es wird zu Jodel getanzt und gleich danach zu verzerrten Gitarren, die Szenen wechseln mitunter wie die Bilder einer Diashow. Sie zeigen die Breite in Klees Ausdruck und reihen Andeutung an Andeutung. Das blaue Styropor-Pferd, das zum Schluss auftritt, ist eine Reminiszenz an Klees Freundschaft mit Franz Marc und an dessen bekanntestes Sujet.

Nach der Pause taucht «Mr. Rabbit», die zweite Choreografie des Abends, das Publikum in eine ganz andere Stimmung. Statt Assoziationen gibt es nun eine Geschichte. In «Mr. Rabbit» erzählt Etienne Béchard eine Geschichte, die von Paul Klees Handpuppen ausgeht. Er hatte sie für seinen Sohn Felix angefertigt, der als Protagonist dieses Tanztheaters auftaucht.

Zu Beginn öffnet sich nur eine kleine Lücke im Vorhang, ein Puppentheater wird gespielt. Der Junge, mit einem roten Ballon in der Hand, Felix, schaut gebannt zu, wie sich da ein Hase und eine Königin aufs Maul geben und ein ganzes Volk herumscheuchen. Dann öffnet sich der Vorhang, und die kurze Szene wird mit Tänzern in einer ausgedehnten Version noch einmal erzählt.

Was für eine schöne Idee! Die Tänzerinnen und Tänzer tragen alle eine Maske, einer ist ein Hase (Toshitaka Nakamura) und einer die Königin (Winston Ricardo Arnon). In einem Spiegelkabinett entfacht sich nun ein Zweikampf, der in Hebefiguren gipfelt – und in einer grossen Menge Ballonen, die plötzlich den Tanzboden überfluten.

Bilder, die bleiben

Auch hier sind die Besucher mit guten Gründen hin und weg. Einmal mehr im Programm von Tanzchefin Estefania Miranda werden traumhafte Bilder ertanzt, die bleiben. Bei Etienne Béchard («Post Anima», «Bolero») durfte man das fast erwarten. Und bei Kor’sia hat das Berner Publikum neue Lieblinge gefunden, die hoffentlich ebenfalls wieder kommen.

«Paul Klee», bis 12. Juni, Vidmar 1, Liebefeld

Berner Zeitung

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