Über den simulierten Wolken

Münchenwiler

Ein ganzes Jahr verbrachte Urs Staub mit dem Bau seines Flugsimulators. Das Cockpit ist eine Kopie der Pilotenkabine des Airbus A320.

Im Cockpit des Flugsimulators sind Originalteile aus Airbus-A320-Flugzeugen und Replikate verbaut.

Im Cockpit des Flugsimulators sind Originalteile aus Airbus-A320-Flugzeugen und Replikate verbaut.

(Bild: FN)

Einmal die Rolle eines Linien­piloten übernehmen und einen Airbus A320 steuern. Diesen Traum von grossen und kleinen Flugfans möchte Urs Staub er­füllen. Der 59-Jährige betreibt in Münchenwiler seit kurzem einen Flugsimulator. Das Cockpit ist ein originalgetreuer Nachbau der Pilotenkabine des Kurz- und Mittelstreckenflugzeugs A320.

Mit dem Bau begann er im April des vergangenen Jahres. «Ich war sicherlich zwischen 1200 und 1500 Stunden damit beschäftigt», sagt Staub und nimmt im Cockpit auf dem Sitz des Kapitäns Platz. «Die meisten Teile sind Replikate. Es hat aber auch Originalteile aus A320-Flugzeugen, zum Beispiel die Sitze des Piloten und des Co-Piloten.»

Einer der ersten Testpiloten im Simulator war sein Nachbar. «Dieser fliegt beruflich Maschinen des Typs A320 und hat mir gesagt, dass zwischen meinem Nachbau und dem realen Vorbild kein grosser Unterschied besteht», berichtet Staub.

Mit Maus und Tastatur

Seit mehr als zwanzig Jahren beschäftigt sich der ausgebildete Elektroniker in seiner Freizeit zu Hause mit Flugsimulatoren. «Angefangen habe ich ganz klassisch am Computer mit Tastatur und Maus», erzählt er. Anschliessend hat er nach und nach Zusatzgeräte gekauft: Mit einem Joystick konnte er das Flugzeug realitätsgetreuer steuern. Mehrere Bildschirme ermöglichten ihm ein breiteres Sichtfeld.

Mit der Fertigstellung des Simulators hat Staub sein Hobby zum Beruf gemacht. Er bietet einfache Schnupperflüge für Einsteiger an, aber auch realitäts­getreue Flüge für Flugfans. Eine Pilotenlizenz hat er nicht. «In meinen jungen Jahren fehlte dafür das Geld. Später mit Familie und Beruf fehlte die Zeit», sagt Staub.

Sein Wissen hat er sich selbst nach und nach angeeignet. Ein- bis zweimal im Jahr reist er nach Berlin und nutzt dort während zweier bis vier Stunden einen Flugsimulator des deutschen Luftfahrtkonzerns Lufthansa, auf dem Berufspiloten ausgebildet werden. «Der Fluglehrer, der diese Simulatorflüge beaufsichtigt und normalerweise echte Piloten aus- und weiterbildet, hat mir diverse Störungen und Zwischenfälle eingespielt. Ich konnte sie alle meistern», so Staub.

Von Zürich nach Genf

Seine Kenntnisse zeigt Staub auf einem Simulatorflug von Zürich nach Genf. Fachkundig und geduldig erklärt er, wie vor dem Start die Informationen zur geplanten Route, zu Geschwindigkeit, Höhe und Gewicht in den Computer des Flugzeugs einzugeben sind.

Während des Fluges zeigt er, wie ein Pilot das Flugzeug mit dem sogenannten Sidestick lenkt und gibt seinem Co-Piloten Tipps. Beim Landeanflug in Genf weist er realitätsgetreu seinen Co-Piloten an, die Landeklappen und das Fahrwerk aus­zufahren, damit die 110 imaginären Passagiere ihr Ziel unbe­schadet erreichen.

Staub ist überzeugt davon, dass sein neuer Simulator auf Inter­esse stossen wird. «Allein im Grossraum Zürich gibt es rund ein Dutzend solcher Simulatoren, die alle ihre Kundschaft finden.»

Zudem sei die Lage von Münchenwiler gut dazu, das Mittelland abzudecken. «Diese Region ist nämlich bislang ein weisser Fleck auf der Landkarte der Flugsimulatoren.» Weitere Simulatoren gebe es neben dem Grossraum Zürich nur in Basel, in der Region Luzern und Zug, in Lausanne und in Genf.

Tag der offenen Tür: Bruyère 40, Münchenwiler. Sa., 14. April, 11 bis 17 Uhr. Infos: www.simland.ch.

Freiburger Nachrichten

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