Zum Hauptinhalt springen

Überbauung gerät ins Wanken

Die Gemeinde setzt grosse Hoffnungen ins Projekt «Poststrasse Süd». Doch nun ist die Zukunft plötzlich ungewiss: Die Stiftung Tilia, die im Neubau ein Alters- und Pflegeheim betreiben wollte, ist aus dem Projekt ausgestiegen.

Das Acifer-Areal in Ostermundigen: Die alte Industriehalle und mehrere angrenzende Gebäude sollen einem Neubauprojekt weichen.
Das Acifer-Areal in Ostermundigen: Die alte Industriehalle und mehrere angrenzende Gebäude sollen einem Neubauprojekt weichen.
Stefan Anderegg

Es ist eines der zentralen Vorhaben für die Entwicklung Ostermundigens. «Eine grosse Kiste.» Das betont Gemeindepräsident Thomas Iten (parteilos) immer wieder. An der Poststrasse Süd, direkt beim Bahnhof, plant das Totalunternehmen HRS einen Neubaukomplex. Ein Alters- und Pflegeheim mit 128 Betten, dazu Wohnungen, Büros, Praxen, Gastrobetriebe und Läden sollten darin Platz finden.

Doch nun hat sich die Ausgangslage auf einen Schlag verändert. Das Alters- und Pflegeheim kommt aus finanziellen Gründen nicht zustande, wie die Stiftung Tilia mitteilt. Die Bau- und Betriebskosten pro Bett wären zu hoch gewesen, erklärt Christine Chappuis, Kommunikationsbeauftragte der Stiftung Tilia. «Es hat sich schon früh abgezeichnet, dass es eng wird. Da uns aber viel am Gelingen des Projekts lag, haben wir es bis zuletzt versucht.»

«Sehr bedauerlich»

Die Stiftung Tilia betreibt in Ostermundigen heute zwei Pflegeheime. Sie hätten im Neubau beim Bahnhof zusammengefasst werden sollen. In die Planung involviert waren infolgedessen auch die Stiftungen Libella und Steingrüebli, denen die beiden heutigen Heimgebäude gehören. Die drei Stiftungen haben gemeinsam entschieden, die Notbremse zu ziehen und drei Jahre Planungsarbeit abzuschreiben. Die Idee von einem Gesundheitszentrum in Ostermundigen – einem Alters- und Pflegeheim mit Arztpraxis, Apotheke und Spitex-Stützpunkt in der Nähe – lebt indes weiter. «Wir prüfen verschiedene Optionen», sagt Christine Chappuis. Spruchreif sei aber noch keine.

Das Alters- und Pflegeheim wäre das Kernstück des Neubaus beim Bahnhof gewesen. «Dass die drei Stiftungen nun ausgestiegen sind, ist sehr bedauerlich», sagt Gemeindepräsident Thomas Iten. Ist das Projekt nun grundsätzlich in Gefahr? Iten mag sich im Moment nicht festlegen. «Wir müssen mit der HRS zusammensitzen und schauen, wie es weitergeht», sagt er. Und: «Ein Projekt in dieser Grössenordnung lässt sich einfacher realisieren, wenn man eine Hauptnutzerin oder einen Hauptnutzer hat.» So, wie es das Alters- und Pflegeheim gewesen wäre.

«Neu beurteilen»

Der Neubau würde laut ersten Plänen 18 000 Quadratmeter Geschossfläche umfassen. Für ihn sollen mehrere alte Gebäude abgerissen werden – insbesondere die Acifer-Industriehalle, in der früher Armierungseisen hergestellt wurden. Aus Lärmgründen wurde der Betrieb vor drei Jahren eingestellt. Die Halle gehört heute ebenso der HRS Real Estate AG wie das angrenzende Wohn- und Geschäftshaus, das für Schlagzeilen sorgte, als es vom Kollektiv «Familie Osterhase» besetzt wurde. Mittlerweile lebt das Kollektiv legal im Haus; die HRS hat mit ihm einen Zwischennutzungsvertrag abgeschlossen. Dieses Haus soll dem Neubauprojekt ebenfalls weichen – und auch die alte Post an der Bernstrasse, die der Gemeinde gehört.

Jetzt, da Tilia und Co. aus dem Projekt ausgestiegen seien, «müssen wir die Situation neu beurteilen», sagt HRS-Kommunikationsleiter Andreas Netzle. «Wir haben noch andere Ideen, wie es weitergehen könnte.» Denn auch der HRS sei bewusst: «Das Areal ist wichtig für Ostermundigen.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch