Ueli Studer soll in der Musikschule für Ruhe sorgen

Köniz

Nach turbulenten Monaten in der Musikschule Köniz soll wieder Harmonie einkehren. Der abtretende Gemeindepräsident Ueli Studer übernimmt ab sofort interimistisch das verwaiste Vereinspräsidium. Noch sind aber viele Probleme ungelöst.

Bei der Musikschule Köniz hängt der Haussegen schief.

Bei der Musikschule Köniz hängt der Haussegen schief.

(Bild: zvg)

Christoph Albrecht

Es sind dunkle Wolken, die zuletzt über der Könizer Musikschule aufgezogen sind. Zuerst verliess vor knapp einem Jahr die pädagogische Schulleiterin die Institution. Später fiel auch der administrative Leiter aus. Diesen Herbst folgte dann der Knall: Geschlossen trat der gesamte Vorstand des Trägervereins wegen Unstimmigkeiten zurück.

In der anschliessenden Aufarbeitung offenbarten sich die chaotischen Zustände, die in der Musikschule mit ihren 80 Lehrern und 1400 Kindern geherrscht hatten. Es kam zum Vorschein, dass die Schule in eine finanzielle Schieflage geraten war und nach den Abgängen insbesondere im Rechnungswesen vieles liegen blieb. Der Gemeinderat sprang in der Folge in die Bresche und sprach in der Not ein Darlehen von 200 000 Franken.

Ziel: Neuer Vorstand im März

Jetzt, kurz vor Ende des denkwürdigen Jahres, scheint man sich in der kriselnden Musikschule wieder etwas gefangen zu haben. Auf operativer Ebene hat sich die neue Schulleitung inzwischen eingearbeitet. Seit November ist zudem der zuletzt krankgeschriebene administrative Leiter zurück.

Und: Jetzt gibt es auch wieder einen Vorstand. Am Donnerstagabend hat die Hauptversammlung den abtretenden Könizer Gemeindepräsidenten Ueli Studer zum Präsidenten des Vereins gewählt. Er, der im Herbst vom Gemeinderat mit dem Krisenmanagement rund um die Musikschule betraut wurde, soll ab sofort für Stabilität sorgen. Dies allerdings nur vorübergehend – bis ein neuer Vorstand gefunden ist. «Das Ziel ist, dass dies im März der Fall ist», sagte Studer am Donnerstag.

Bei der Hauptversammlung konnten die Mitglieder der als Verein getragenen Musikschule zudem eine weitere Hürde überwinden: Im dritten Anlauf haben sie die längst fällige Jahresrechnung 2016 genehmigt. Dies, nachdem ein Finanzexperte einer ­extern beauftragten Firma die Buchhaltung nochmals überprüft und dabei «keine Hinweise auf wesentliche Fehler» festgestellt hat. «Es ist weder Geld geklaut noch sonst beschissen worden», versicherte der Fachmann. Offenbar hatten dies einige Mitglieder befürchtet und daher aus Misstrauen bei den früheren Versammlungen die Rechnung nicht genehmigen wollen.

Auch wenn die Probleme nun angepackt werden – gelöst sind sie noch längst nicht. «Wir sind immer noch voll im Prozess», so Studer. Gerade in der Buchhaltung gibt es offenbar noch einiges zu tun. So wurden etwa ausstehende Mitgliederbeiträge in der Vergangenheit kaum eingefordert, was letztlich zum Liquiditätsproblem geführt hatte. Und auch sonst scheint noch vieles im Argen zu liegen. «Ich habe noch nie solche Statuten gesehen», meinte der Finanzexperte. Nirgendwo sei geregelt, wer innerhalb der Institution eigentlich für welche Bereiche zuständig ist.

Zustupf von 75'000 Franken

Finanziell darf sich die Musikschule derweil auf ein weiteres Polster freuen. Der Gemeinderat spricht ihr aus einem Legat 75 000 Franken zu. Ausserdem gibt er ihr mehr Zeit, um das Darlehen zurückzuzahlen.

Die Wolken über der Musikschule sind zwar immer noch da. So dunkel wie auch schon sind sie – zumindest laut Ueli Studer – aber nicht mehr. «Ich sehe Aufheiterung am Horizont.»

Berner Zeitung

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