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Und plötzlich taucht ein Bach auf

Der Lötschenbach, der heute unterirdisch durch Ostermundigen fliesst, soll komplett freigelegt werden. Das stelle das Ge­werbe vor Probleme, wird befürchtet. Das letzte Wort hat im November das Volk.

Eine von vielen Möglichkeiten: Zum Beispiel so könnte der offengelegte Lötschenbach bei der Hess Motorrad AG dereinst aus­sehen. Heute ist vom Bach noch nichts zu sehen.
Eine von vielen Möglichkeiten: Zum Beispiel so könnte der offengelegte Lötschenbach bei der Hess Motorrad AG dereinst aus­sehen. Heute ist vom Bach noch nichts zu sehen.
Visualisierung zvg

In der Ostermundiger Gewerbezone Tägetli sind namhafte Un­ternehmen angesiedelt. Zum Beispiel die Kunststoffverarbeiterin Semadeni AG, der Technologiekonzern Siemens, die Kabelfirma Kablan oder die Hess AG, eines der schweizweit führenden Motorradgeschäfte. Von und zu den Firmengebäuden werden täglich Waren transportiert. Und es gibt grosse Parkplätze für die Mitarbeitenden. Doch nun drohen den Firmen Einschränkungen – jedenfalls befürchtet das die örtliche SVP. Schuld daran ist der Lötschenbach.

Das Bächlein fliesst heute grösstenteils unterirdisch durch Ostermundigen. Doch die Rohre sind über fünfzig Jahre alt und für Hochwasser zu klein, wie der Gemeinderat erklärt. Eine Erneuerung sei unumgänglich. Dabei muss der Bach aber freigelegt werden – so schreibt es das Gewässerschutzgesetz vor. In Zukunft soll der Lötschenbach auf der ganzen Länge oberirdisch durch das Dorf fliessen. Kosten würde das Projekt 4,7 Millionen Franken. Nach Abzug der Subventionen müsste die Gemeinde voraussichtlich 600'000 Franken selbst bezahlen.

«Gesetz ist Gesetz»

Wenn plötzlich ein Bach mitten durch die Gewerbezone Tägetli fliesse, würden laut SVP Parkplätze verschwinden und Zufahrten zu den Firmen erschwert. Für ein so kleines Rinnsal so grosse Einschränkungen in Kauf zu nehmen, mache keinen Sinn, erklärte Hans Rudolf Hausammann namens der SVP während der Debatte im Gemeindeparlament.

Auch Vertreter anderer Parteien sahen «Optimierungspotenzial». Sie zeigten sich aber zuversichtlich, dass die Gemeinde zusammen mit dem Kanton «eine vernünftige Lösung» finde. Abge­sehen davon bleibe der Gemeinde gar nichts anderes übrig, als den Lötschenbach freizulegen. Gesetz sei Gesetz.

So hat das Parlament den ­4,7-Millionen-Kredit für die ­Freilegung des Lötschenbachs schliesslich mit 25 zu 10 Stimmen genehmigt. Am 26. November kommt die Vorlage vors Volk.

Anstösser können mitreden

Und wie stehen die Betriebe im Tägetli zum Projekt? Wer mit Firmenvertretern spricht, spürt: Es gibt keine Fundamentalopposition, aber Bedenken. Eine offizielle Stellungnahme mag im ­Moment einzig die Semadeni AG abgeben: Er stehe dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber, erklärt CEO Patrick Semadeni. Aber: «Die Zu- und Wegfahrt zu unserem Betrieb sowie die Benutzung der Parkplätze muss jederzeit möglich sein, auch für Lastwagen.» Ansonsten könne der Betrieb, der rund hundert Mitarbeitende zählt, nicht aufrechterhalten werden.

Gemeinderat Andreas Thomann (SP) hofft auf ein Ja des Volkes. Erst danach beginnt die Detailplanung. Dort wird sich auch zeigen, wo genau die Lötschenbach-Rohre im Boden sind. «Bei der Planung werden wir die Anstösser mit einbeziehen», versichert Thomann. Die Zugänge zu den Häusern und Firmen würden mit Bachübergängen sichergestellt. «Da gibt es viele Möglichkeiten.» Er ist je­denfalls optimistisch, Lösungen zu finden, mit denen alle Beteiligten leben können.

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