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Frau tötete ihren Freund mit Messer

Eine 28-jährige Ungarin ist am Freitag vom Regionalgericht Bern zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten verurteilt worden. Sie hat laut Gericht ihren Freund mit einem ein Messer getötet.

In diesem Haus in Schwarzenburg kam es vor einem Jahr zum tödlichen Beziehungsdelikt.
In diesem Haus in Schwarzenburg kam es vor einem Jahr zum tödlichen Beziehungsdelikt.
PD

Gleich zweimal hatte die Beschuldigte sich bei den zwei Söhnen des Opfers entschuldigt. «Es tut mir leid», hatte sie mit Tränen in den Augen gesagt. Als Schuldeingeständnis wollte sie das am Mittwoch aber nicht verstanden wissen. Am Freitag wies ihr das Regionalgericht Bern-Mittelland diese Schuld aber nach.

Es hat keine Zweifel, dass die Frau am 1. Oktober 2018 ihren damaligen Freund in dessen Wohnung mit einem Messer getötet hat. Das Gericht verurteilte die Frau wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und drei Monaten sowie zu einem Landesverweis von zwölf Jahren.

Es war ein verhängnisvoller Abend in Schwarzenburg. Zwischen dem Paar, das seit zwei Monaten zusammen war, kam es zu einem Streit. Der Auslöser sei vermutlich ein angekündigter Besuch der Ex-Freundin des Mannes gewesen, so das Gericht. Sie wollte am folgenden Tag ihre Sachen holen kommen. «Es ist möglich, dass die Beschuldigte diesen Besuch als Bedrohung empfunden hat», sagte Gerichtspräsident Peter Müller. Für ihren Freund, für sich.

Angst um die Zukunft

Die 28-jährige Ungarin hatte eine sehr schwere Vergangenheit hinter sich. Sie war in einem Kinderheim aufgewachsen, wurde früh in die Prostitution gezwungen, erlebte immer wieder Gewalt. «Der Freund hat ihr zum ersten Mal in ihrem Leben so etwas wie Würde vermittelt.» Er habe sie nicht geschlagen, nicht ausgenützt, nicht auf den Strich geschickt. «Er wollte mit ihr die Zukunft verbringen.»

Die Ex-Freundin aber sei der Grund gewesen, dass er harte Drogen genommen habe und in eine tiefe Krise gestürzt sei. Nun habe sie befürchtet, dass er rückfällig werde – und sie alles verliere. So habe sie verzweifelt einen Ausweg gesucht und gehandelt: Sie rief die Sanitätspolizei an und erklärte, ihr Freund müsse wegen Drogen- und Alkoholproblemen abgeholt werden.

Der Mann sei damit gar nicht einverstanden gewesen. Nach mehreren Anrufen sei ihm dann aber klar geworden, dass sie es wirklich ernst gemeint habe. Da sei er wohl laut geworden und habe sie womöglich auch hart angefasst. «So geriet der Streit auf eine neue Eskalationsstufe.» Dass er regelmässig gewalttätig gewesen sei, wie sie erklärte, glaubt das Gericht nicht. Er wurde von Vertrauten als friedlich und konfliktscheu geschildert.

Impulsiv reagiert

Die entscheidende Szene ereignete sich zwischen zwei Telefonaten mit der Sanitätspolizei. Zwar gibt es dafür keine Zeugen, und die Frau machte einen Gedächtnisverlust geltend – was ihr das Gericht auch abnahm. Trotzdem seien diese fünf Minuten keine «Black Box», sagte Müller. Das Gericht stützt sich insbesondere auf eine Tatrekonstruktion, die auf Wunsch der Frau durchgeführt wurde.

Anfangs sei die Situation nicht bedrohlich gewesen. Der Mann habe auf dem Sofa gesessen, als sie ein Küchenmesser geholt habe. Als sie zurückgekehrt sei, habe er sich erhoben, sie sei rückwärts in die Küche gegangen.

Da habe sie, die an einer Persönlichkeitsstörung des impulsiven Typs leide, an jenem Abend gekifft und viel Alkohol getrunken habe, in ihrer Wut reagiert – und einmal zugestochen. Eine Notwehr, eine suizidale Handlung des Mannes oder einen Unfall schliesst das Gericht aus. Dafür gebe es keine Hinweise.

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