Unmut wegen Veranstaltungskalender

Bern

Kultur Stadt Bern lud zum 3. Kulturforum. Und bewies, dass die Kulturstrategie mehr als ein Papiertiger ist. Für Aufruhr sorgte allerdings der neue Veranstaltungskalender der Tourismusorganisation Bern Welcome.

«Alle Verwaltungsstellen sind da», Franziska Burkhardt, Kulturchefin der Stadt Bern, lud zum Dialog.

«Alle Verwaltungsstellen sind da», Franziska Burkhardt, Kulturchefin der Stadt Bern, lud zum Dialog.

(Bild: Nicole Philipp)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Wann kann man schon mit Marc Heeb, Co-Chef des städtischen Polizeiinspektorats, zusammensitzen und ungehemmt Anregungen machen? Oder mit Vertretern von Immobilien Stadt Bern über Möglichkeiten der Zwischennutzung reden? Am3. Kulturforum von Kultur Stadt Bern war es möglich.

Franziska Burkhardt, neue Kulturchefin, lud alle Interessierten ein, die seit 2017 eingeführte Kulturstrategie zu erörtern. Ein wichtiger Teil davon ist, in allen städtischen Direktionen eine Ansprechperson für Kultur zu haben – was an diesem späten Montagnachmittag eingelöst wurde.

Die Stimmung war inspirierend, es ging um konkrete Fragen, auch wenn von den Teilnehmenden aus Kultur und Politik immer wieder bemängelt wurde, dass die Kommunikation noch verbessert werden könne. Zum Beispiel sei zu wenig bekannt, dass das Polizeiinspektorat in einem Pilotversuch auf fünf Plätzen in der Stadt Bern Flächen für spontane kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung stelle.

«Heimliche» Einführung?

Richtig sauer stiess den Anwesenden aber eigentlich nur eins auf: der neue Veranstaltungskalender von Bern Welcome. Einige monierten gar, er sei «heimlich» eingeführt worden. Tatsächlich publiziert Bern Welcome auf seiner Website seit einiger Zeit Veranstaltungen.

Offiziell kommuniziert wurde das bisher nicht. «Wir befinden uns noch in einer Testphase», sagte Bern-Welcome-Marketingleiter Max de Boer dazu. Und Sabrina Jörg, Leiterin Events, betonte, das Ziel sei, «möglichst vollständig zu sein». Dazu arbeitet die halbprivate Organisation, die einen Leistungsvertrag mit dem Wirtschaftsamt der Stadt Bern hat, mit sogenannten Schnittstellen.

Eine dieser Schnittstellen ist die Plattform Konzerte-bern.ch, eine andere BKA.ch, die Berner Kulturagenda. Veranstaltungen, die auf diese Plattformen geladen werden, erscheinen auch bei Bern Welcome. Zudem wurde in einem ersten Schritt der Fokus auf die Museen gelegt. In diesem Bereich ist eine Marketinggruppe seit einem Jahr am Werk, ihr gehört zum Beispiel Silvia Müller, Geschäftsleiterin des Vereins Museen Bern, an. Museen werden von Bern Welcome offenbar gepusht.

«Wie wird man Top-Event?»

«Wir sind nicht Taktgeber, sondern eine Vernetzungsorganisation», sagte de Boer. Allerdings hat Bern Welcome auch eine kuratierende Funktion. Es gibt «Top-Events», die auf der Seite grösser erscheinen. «Wie wird man Top-Event?», lautete denn auch eine Frage von einer Teilnehmerin.

«Wir wählen nach Kriterien wie Grösse und Wertschöpfung aus», sagte Sabrina Jörg von Bern Welcome. Es ist bislang jedoch auch möglich, durch Bezahlung eine bessere Position zu erhalten. Gerade die kleineren Veranstalter hätten so ja keine Chance, äusserte sich eine Teilnehmerin.

Zudem tritt Bern Welcome bei einigen Festivals in einer offensiveren Rolle auf. Die Tourismusorganisation half bei der Organisation der Jazzwoche Bern, die in diesem Frühling erstmals stattfand.

Und auch das erste Reportagenfestival, das nächstes Wochenende angesagt ist, wird mit Unterstützung von Bern Welcome durchgeführt. Eine heikle Doppelrolle, wie viele fanden: einerseits aufgrund eines städtischen Leistungsvertrags eine umfassende Agenda publizieren und andererseits selber Events mitorganisieren.

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