Unterschriften für Halbstundentakt

Tägertschi

Die S2 zwischen Bern und Langnau hält nach dem Fahrplanwechsel nur noch stündlich in der Gemeinde. Bürgerinnen und Bürger befürchten, dass dies so bleibt. Die BLS versichert, dass diese Angst unbegründet ist.

Thomas Gfeller wehrt sich gegen die ÖV-Pläne.

Thomas Gfeller wehrt sich gegen die ÖV-Pläne.

(Bild: Beat Mathys)

Simon Scheidegger@@theSimon_S

Thomas Gfeller staunte nicht schlecht. Als er Mitte Juni den Entwurf des neuen Fahrplans der S2 anschaute, bemerkte er, dass der Zug zwischen Bern und Langnau ab dem 13. Dezember in Tä­gertschi nur noch stündlich anstatt wie bisher halbstündlich halten wird.

Einzig in den frühen Morgenstunden wird am alten Rhythmus festgehalten. Sowohl um 5.28 Uhr als auch um 5.57 Uhr verlässt Tägertschi ein Zug Richtung Bern.

Gfeller wohnt momentan noch in Ittigen, im Frühling nächsten Jahres zieht er aber nach Täger­tschi und wird jeden Tag mit dem Zug unterwegs sein. Er kontaktierte die Gemeinde und erkundigte sich, ob Aktionen geplant seien, sich dagegen zu wehren.

Doch zu diesem Zeitpunkt wusste diese noch gar nicht, dass jede zweite S2 künftig ohne Halt an Tägertschi vorbeifahren würde.

Die zuständigen Behörden um das Amt für öffentlichen Verkehr und Verkehrskoordination (AÖV), die Regionalkonferenz Bern-Mittelland sowie die SBB und die BLS informierten Täger­tschi nicht explizit über die anstehenden Änderungen, sondern schalteten auf der Website Fahrplanentwurf.ch den aktualisierten Fahrplan auf. Erst Mitte ­August kam es zu einem Treffen.

Gemeindepräsidentin Cornelia Tschanz spricht von einem «schalen Beigeschmack», der zurückbleibe, aber mittlerweile sei die Sache geklärt.

Ulrich Seewer, Co-Leiter des AÖV, sagt, man habe aus den Fehlern gelernt und werde in Zukunft früher informieren. Und Laurent Reusser, Fachbereichsleiter Verkehr der Regionalkonferenz Bern-Mittelland, sagt, die Information sei «zwischen Stuhl und Bank vergessen gegangen».

Auch, weil der Fahrplanwechsel nicht Teil eines Konzepts war, sondern durch anstehende Bauarbeiten hervorgerufen wurde. Im Wylerfeld soll ab nächstem Jahr eine Entflechtung gebaut werden, die das Kreuzen auf mehreren Ebenen erlaubt. Und in Konolfingen wird ab 2017 der Bahnhof umgebaut.

Über 200 Unterschriften

Gfeller schlug vor, mit einer Unterschriftensammlung auf die Wichtigkeit des Halbstundentakts aufmerksam zu machen. Denn er sagt: «Eine Verbindung, die nur im Stundentakt fährt, ist unbrauchbar.» In Ittigen würden die Züge zu Stosszeiten im 7-Minuten-Takt fahren.

So lagen seit der Gemeindeversammlung im Oktober für einen Monat Listen auf, in die sich die Bürgerinnen und Bürger eintragen konnten, um so ihren Wunsch nach dem Halbstundentakt zu äussern.

Über 200 Unterschriften seien zusammengekommen — auch aus den umliegenden Gemeinden, sagt Gemeindeschreiberin Carola Kohler. Ändern könnten diese Unterschriften nichts, sagt Gemeindepräsidentin Tschanz. «Aber es geht darum, dass wir die Zusicherung erhalten, dass die S2 nach Abschluss der Bauarbeiten wieder halbstündlich fährt.»

190 Personen pro Tag

BLS-Mediensprecherin Helene Soltermann sagt, dass die Züge Zeit aufholen müssen, die sie wegen der Baustellen verlieren, und deshalb in Tägertschi, dem 400-Seelen-Dorf, auf Stundentakt umgestellt wird.

Tägertschi ist die am wenigsten benutzte Station auf der Strecke zwischen Bern und Langnau. Durchschnittlich steigen 190 Personen pro Tag ein beziehungsweise aus. In Worb sind es beispielsweise 600 und in Konolfingen gar 3400.

Gfeller vermutet, dass nach der Umstellung deutlich weniger Leute in Tägertschi in den Zug steigen werden. Auch er hat sich bereits einen alternativen Arbeitsweg überlegt. Entweder, er fährt mit Velo oder Auto nach Münsingen und steigt dort in den Zug, oder er nimmt für die ganze Strecke nach Bern das Auto.

Dies sei ziemlich mühsam, sagt Gfeller. Da die Bauprojekte jedoch frühestens in vier Jahren fertig sein werden, wird er sich daran gewöhnen müssen. BLS-Mediensprecherin Soltermann versichert, dass danach wieder halbstündlich Züge in Tägertschi halten werden – nicht nur für Frühaufsteher.

Berner Zeitung

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