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Vater verletzt Tochter bei Streit – Jetzt steht er vor Gericht

Seit Montagmorgen muss sich in Bern ein 74-jähriger Chinese vor Gericht verantworten, weil er bei einem Streit im August 2010 mehrmals mit einem Küchenmesser auf seine Tochter eingestochen haben soll.

Mit einem Küchenmesser habe der Vater auf die Tochter eingestochen. (Themenbild)
Mit einem Küchenmesser habe der Vater auf die Tochter eingestochen. (Themenbild)
Colourbox

Die Anklage lautet auf versuchte vorsätzliche Tötung, eventuell schwere Körperverletzung. Der Vorfall ereignete sich Mitte August des vergangenen Jahres. Der Mann und seine Ehefrau lebten zusammen mit Angestellten im Personalhaus einer Klinik für traditionelle chinesische Medizin, die ihre Tochter leitete.

Das Verhältnis zur Tochter sei in den vergangenen zehn Jahren nicht sehr gut gewesen, sagte der Angeklagte vor Gericht. Grund dafür war die ablehnende Haltung der Eltern im Jahr 2000 gegenüber einer Heirat ihrer erwachsenen Tochter mit einem blinden Mann. «Sie verstehen das vielleicht nicht, aber wenn ein chinesischer Vater seiner Tochter eine Heirat mit einem Blinden erlaubt, verliert er seien Status», sagte der Angeklagte am Montag vor Gericht.

Frage von Ehre und Autorität

Die erwachsene Tochter habe zunehmend Kontakt mit Leuten ausserhalb der Familie gehabt und nicht mehr auf ihre Eltern gehört. Immer öfter habe sie sich gegen die Familie gestellt, erzählte der Mann, der seine väterliche Autorität offenbar zunehmend untergraben sah.

Der 74-jährige, stattliche Mann mit tragender Stimme räumte am Montag vor Gericht ein, impulsiv und aufbrausend zu sein. Meistens kenne er die Grenzen, betonte er. Als er an jenem Augusttag aber seine Tochter angriff, habe er jede Vernunft verloren. Er sprach von einer «Leere im Kopf».

Mit Küchenmesser zugestochen

Laut Überweisungsbeschluss war es an jenem Tag zu einem Streit zwischen dem Vater, seiner Frau und einer ebenfalls im Personalhaus wohnenden Mitarbeiterin der Klinik gekommen. Die Bewohnerin holte die Tochter zu Hilfe.Als diese ihren Vater zur Rede stellen wollte, eskalierte der Streit. Dabei soll die Tochter ihrem Vater erstmals auch Vorhaltungen gemacht haben, weil er sie als Kind unsittlich berührt hatte.

«Das war, wie wenn jemand Öl ins Feuer schüttet», sagte der Angeklagte. Er habe seine Tochter aufgefordert, das Haus sofort zu verlassen, doch sie sei geblieben. Um seiner Forderung Nachdruck zu verleihen, habe er in der Küche ein Messer geholt und zugestochen. Er habe sie nicht töten wollen, beteuerte der Mann. Als Begründung führte er an, er habe nicht gegen ihren Oberkörper gezielt und auch nur ein kleineres Messer behändigt statt des viel gefährlicheren Hackbeils, das sich ebenfalls in der Küche befunden hatte. Umstritten war am Montag, ob der Mann während der Tat seine Tochter auch verbal mit dem Tod bedrohte.

Kein Vergessen

Die heute 47-jährige Tochter gab am Montag vor Gericht an, die körperlichen Verletzungen seien verheilt. Sie leide aber psychisch nach wie vor, habe Schlafstörungen und depressive Verstimmungen. Sie könne das Geschehene nicht vergessen. Den Kontakt zu ihren Eltern und zum Bruder habe sie abgebrochen.

Der Angeschuldigte befindet sich im vorzeitigen Strafvollzug. Nach seiner Entlassung wolle er zurück nach China, betonte er. Solange er in der Schweiz sei, sei er eine Belastung für seine Tochter, das sehe er ein.

Auch die Tochter selber hatte zuvor gesagt, sie würde sich wünschen, dass ihr Vater möglichst weit weg von ihr leben würde, am besten in China. Das Gericht wird das Urteil voraussichtlich am 2. November fällen.

SDA/adk

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