Verspekuliert

Ein Mann verlor 2008 bei einer risikoreichen Investition viel Geld. Das wirkt sich zehn Jahre später noch aus. Er erhält keine Ergänzungsleistung.

Der Mann, der nahezu sein gesamtes liquides Vermögen verspekulierte, hat nun keinen Anspruch mehr auf eine Ergänzungsleistung zu seiner Rente (Symbolbild).

Der Mann, der nahezu sein gesamtes liquides Vermögen verspekulierte, hat nun keinen Anspruch mehr auf eine Ergänzungsleistung zu seiner Rente (Symbolbild).

(Bild: iStock)

Hans Ulrich Schaad

Über zwanzig Jahre war der Mann in der Versicherungsbranche, teilweise in leitender Funktion. Mitte der 1990er-Jahre brach er seine Zelte in der Schweiz ab, verkaufte seine Liegenschaft und wanderte aus, um in einem fernen Land eine neue Existenz aufzubauen. Dazu liess er sich auch das ganze Guthaben der Pensionskasse auszahlen. In seiner neuen Heimat lebte er von den Erträgen seines Kapitals und von einer Beschäftigung in der Tourismusbranche.

Im Sommer 2008 tätigte er eine folgenschwere Investition. Er steckte nahezu sein gesamtes liquides Vermögen in einen Fonds, in der Hoffnung auf eine hohe Rendite von jährlich 14 Prozent. Doch das Investment endete mit einem Totalverlust.

Im vorletzten Frühjahr kehrte er, inzwischen im AHV-Alter, mittellos in die Schweiz zurück und beantragte eine Ergänzungsleistung zu seiner Rente. Die Ausgleichskasse des Kantons Bern gewährte ihm diese in den ersten Monaten nach seiner Rückkehr, verneinte aber einen weiteren Anspruch ab 2018. Den Verlust bei der «hochsensiblen und risikoreichen Investition» rechnete ihm die Kasse als sogenanntes Verzichtsvermögen an. Dagegen legte der Mann beim Berner Verwaltungsgericht Beschwerde ein, erfolglos. Das Gericht stützt die Argumentation der Ausgleichskasse, wie aus einem kürzlich veröffentlichten Urteil hervorgeht.

Auf Bekannte gehört

Streitig war im Verfahren, ob der Mann fahrlässig eine risikoreiche Investition getätigt hatte. Der ehemalige Versicherungsfachmann argumentierte, dass er im Zeitpunkt der Anlage nicht habe mit einem Totalverlust rechnen müssen. Zum einen seien im Verwaltungsrat des Fonds bekannte Persönlichkeiten des Landes gesessen. Zum anderen sei mindestens zu Beginn den vertraglichen Verpflichtungen nachgelebt worden. Er habe auch nicht damit rechnen müssen, dass er reingelegt werde. Ein Verwandter seiner Frau habe erklärt, dass er das Geld «sensationell und sicher» anlegen könne. Von einem Vabanquespiel könne keine Rede sein.

Angesichts seiner beruflichenKenntnisse hat erin hohem Mass fahrlässiggehandelt.

Die versprochene Rendite sei aufgrund der Akten in keiner Weise garantiert gewesen, hält das Gericht ihm entgegen. Als jahrelanger Versicherungsmakler hätte er das hohe Risiko dieses Fonds anhand der Struktur erkennen müssen. Auch die angeblichen Ratschläge aus seinem Umfeld könne er nicht zu seinen Gunsten anführen. Zusammengefasst sei die Investition hochspekulativ gewesen, angesichts seiner beruflichen Kenntnisse habe er in hohem Mass fahrlässig gehandelt. Ein Vermögensverlust sei demnach sehr wahrscheinlich und selbst für einen Laien absehbar gewesen, hält das Verwaltungsgericht fest.

Konkreten Fall betrachten

Die Ausgleichskasse hat laut Urteil die gesetzlichen Vorgaben respektiert. Eine Verzichtshandlung liege vor, wenn ein Versicherter ohne Verpflichtung und ohne Gegenleistung auf Einkünfte oder Vermögen verzichte. Damit sollen Missbräuche verhindert werden.

Eine Anlage sei nicht grundsätzlich ein Vermögensverzicht. Im Gegenteil sei es normal, dass Geld angelegt werde. Aber wenn die konkreten Umstände von Anfang an darauf hindeuten, dass bewusst ein massiv erhöhtes Risiko in Kauf genommen werde, könne von einem Vabanquespiel gesprochen werden.

Berner Zeitung

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