Verzweifelt gesucht: Preisträger

Bern

Die Burgergemeinde Bern verleiht jedes Jahr 30'000 Franken an junge Leute mit innovativen Ideen. Doch es ist gar nicht so leicht, dieses Geld loszuwerden.

Caspar Danuser tritt vor die Jury des Prix Effort.

Caspar Danuser tritt vor die Jury des Prix Effort.

(Bild: Iris Andermatt)

Marina Bolzli@Zimlisberg

Samstagmittag, 13.12 Uhr. Ein junger Mann, so hager, dass er nicht recht weiss, wohin mit Armen und Beinen, stakst auf die Bühne. Alle Scheinwerfer, Kameras, Augen auf ihm. Caspar Danuser (21) aus Bern führt seit zweieinhalb Jahren eine Galerie im dritten Untergeschoss eines alternativen Zentrums. Er braucht Geld, damit er in Zukunft den jungen, unbekannten Künstlern ein Budget geben und das Angebot bewerben kann. Die fünf jungen Leute im Saal nicken mit undurchschaubaren Mienen, schreiben fleissig mit – und stellen dann Fragen. Zum Beispiel jene, was denn das Alleinstellungsmerkmal seiner Galerie sei. Danuser steht im Kreuzfeuer, schlägt sich tapfer und wird dann wohlwollend von der Jury aus dem Casting der Burgergemeinde entlassen.

Bedingung: Unter 25

Es ist 13.30 Uhr – noch bleibt viel Zeit für weitere Anwärterinnen und Anwärter. Bis 16 Uhr wird die Jury in der Café-Bar im Berner Generationenhaus sitzen. Für einen guten Zweck. Die Burgergemeinde will Geld verteilen. 30'000 Franken stehen für den Prix Effort zur Verfügung. So heisst die früher unter dem Namen Jugendpreis bekannte Auszeichnung. Das Geld wird zum 25. Mal an junge Menschen unter 25 Jahren verliehen, die aus dem ganzen Kanton stammen können. Die Bandbreite der möglichen Projekte ist gross. Frühere Preisträger waren etwa die Rapper Lo & Leduc, die Sängerin Veronica Fusaro oder die Langenthalerin Saima Linnea Sägesser, die ein Kultur-Stöckli betreibt.

Es ist aber nicht leicht, das Geld loszuwerden. Dabei hat sich die Burgergemeinde einiges einfallen lassen. Sukzessive wurde der Ausschuss, der das Geld verteilt, in den letzten Jahren verjüngt. Denn mit Jungen spricht man Junge eher an. Man holte ehemalige Preisträger ins Boot, zum Beispiel den 29-jährigen Thomas Glatthard. Er gewann den Jugendpreis 2013 mit seiner mittlerweile aufgelösten Band Container 6. Daneben wird der Ausschuss von Berner Jungburgern dominiert. Sie machen Werbung für den Preis, versuchen Bekannte zu motivieren, sind aktiv auf sozialen Plattformen wie Instagram und Facebook. Und auch Plakate für das Casting bringt man in der ganzen Stadt Bern an.

Isabelle Brunner seufzt. «Wir können so viel Geld verteilen, aber irgendwie spricht das die Jungen nicht so an», sagt sie. Die Bernburgerin sitzt seit 2007 im Ausschuss für den Jugendpreis. Ihrer Meinung nach sei in letzter Zeit ein neuer Trend spürbar: «Junge wollen lieber Sachpreise als Geld.» So habe die Burger­gemeinde in den letzten Jahren zum Beispiel Land für eine Initiative zur Verfügung gestellt, die alte Weizensorten erhalten will. Oder einen Raum für einen jugendlichen Siebdrucker zur Verfügung gestellt, der T-Shirts aus der Brockenstube mit seinen eigenen Logos auffrischt und bis dahin draussen arbeitete. In diesem Jahr gibt es deshalb neben Geld auch ein Moderationscoaching zu gewinnen.

Niemand taucht auf

Auch die Castings, die nun im dritten Jahr stattfinden, wurden eingeführt, um mehr Junge anzusprechen. Um die zwanzig Leute nahmen letztes Jahr daran teil. Acht Eingaben erfolgten schriftlich. «Es soll jedem selbst überlassen sein, ob er lieber vor die Jury tritt oder ein Dossier einreicht», sagt Jurymitglied Isabelle Schorer. «Wenn jemand voll hinter seinem Projekt steht, kommt das bei einer Präsentation vor der Jury aber viel mehr rüber», sagt die Bernburgerin.

Es ist 15.30 Uhr. Jurymitglied Glatthard projiziert die Liveübertragung vom Schwingfest auf die Bühne. Dort sitzt niemand. Kein weiterer Kandidat ist aufgetaucht. Vielleicht nächsten Samstag. Dann findet das zweite und letzte Casting statt.

Casting: Samstag, 31. August, 13–16 Uhr, Café-Bar, Berner Generationenhaus. Infos: prixeffort.ch

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