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Viel Lärm, wenig Wirkung

Ruppoldsried kommt nun doch noch zu einer ­Doppelvertretung im Rat der bernisch-solothurnischen Kirchgemeinde Messen. Ein erster Anlauf war am ­Solothurner Verwaltungs­gericht noch gescheitert.

Kompliziert: Die Kirche Messen steht zwar im Kanton Solothurn, zur Kirchgemeinde gehören aber auch Gemeinden im Kanton Bern.
Kompliziert: Die Kirche Messen steht zwar im Kanton Solothurn, zur Kirchgemeinde gehören aber auch Gemeinden im Kanton Bern.
Robert Grogg

Die Dinge in der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Messen liegen seit je kompliziert. Nicht ­genug damit, dass der Pfarrer gleich in neun Dörfern tätig ist. Er überquert dabei auch regelmässig die Kantonsgrenze: Messen selber sowie Balm, Brun­nen­thal, Gächliwil und Oberramsern liegen im Kanton Solothurn, Etzelkofen, Mülchi, Ruppoldsried und Scheunen dagegen im Kanton Bern.

In jüngerer Vergangenheit ist alles sogar noch ein Stück verworrener geworden. Die Basis wurde schon vor gut hundert Jahren gelegt, als das damalige Messen-Scheunen mit dem be­nachbar­ten, kirchlich aber nach Jegens­torf orientierten Oberscheunen zum neuen Scheunen fusionierte. Fortan lag die Kirchgemeinde Messen nicht nur in zwei Kantonen, ihre Grenze lief auch mitten durch das Gebiet einer – übrigens noch immer sehr kleinen – Einwohnergemeinde.

Heute ist das kirchlich zwei­geteilte Scheunen kein Einzelfall mehr. Gleich mehrfach gingen in letzter Zeit um Messen kleine Gemeinden in grösseren mit eigenen Kirchen auf. Etzelkofen und Mülchi schlossen sich Fraubrunnen an, Scheunen fand in Jegenstorf und Ruppoldsried in Rapperswil eine neue politische Heimat – und genau in Ruppoldsried hatte die Kirchgemeinde Messen nun ihr Problem.

Dabei begann alles ganz harmlos. Wie überall im Kanton Solothurn standen im Frühling auch in der Kirchgemeinde Messen Wahlen an. Weil sich aber für den damals noch 13-köpfigen Kirchgemeinderat nicht genug Leute fanden, bliesen die Behörden den bereits angesagten Urnengang wieder ab. Jene, die kandidiert hatten, sollten still bestätigt werden. Doch der Kirchgemeinderat um Präsident Ernst Marti aus Mülchi hatte die Rechnung ohne einen aufmerksamen Kirchgänger gemacht. Diesem war nämlich aufgefallen, dass im neuen Gremium gleich zwei Leute aus Ruppoldsried sitzen sollten. Wo er doch im Reglement gelesen hatte, dass Ruppoldsried nur ein Sitz zusteht – mit dieser Argumentation gelangte er ans Solothurner Verwaltungsgericht. Und bekam recht.

In ihrem Urteil erinnerten die Richter nicht nur an den entsprechenden Passus in der, wie sie ­offiziell heisst, Kirchgemeindeordnung von Messen. Sie zweifelten generell daran, dass die ­Bestimmungen nach all den Fusionen noch gültig sein konnten. In der Tat garantierte das Reglement nicht nur dem Wahlkreis Ruppoldsried, sondern auch den acht anderen alten Gemeinden eine bestimmte Anzahl Sitze im Rat. Ob sich dies nun, da etliche dieser Dörfer Teil einer Gemeinde ausserhalb der Kirchgemeinde geworden waren, wirklich noch so aufrechterhalten liess?

Endlich à jour

Der Kirchgemeinderat wollte es jedenfalls nicht drauf ankommen lassen. In Windeseile revidierte er die Kirchgemeindeordnung. Er schaffte die Sitzgarantien ab, legte die Wahlkreise zu einem einzigen zusammen und reduzierte gleichzeitig noch die Zahl der Sitze von 13 auf 11. Noch vor den Sommerferien segnete die Kirchgemeindeversammlung die Änderungen ab. Und so konnte das Wahlprozedere von neuem losgehen.

Wieder setzte der Rat einen Urnengang an, diesmal auf den 26. November, und wieder konnten sich Interessierte melden. Wieder gingen nicht mehr Kandidaturen ein, als Sitze zu vergeben waren, und wieder kommt es deshalb zur stillen Wahl. Wenigstens ging es nur noch um zwei Sitze. Weil sich die Beschwerde ja auch nur gegen die doppelte Ruppoldsrieder Vertretung gerichtet hatte.

Was vom ganzen Hin und Her geblieben ist? Wenig. Der Kirchgemeinderat hat zwar endlich die Kirchgemeindeordnung à jour gebracht, «wir gaben uns einen Ruck», blickt Präsident Marti zurück. Die Sitze im Kirchgemeinderat dagegen sind mit denselben Leuten besetzt wie nach dem ersten Anlauf . Also auch mit der Doppelvertretung aus Ruppoldsried.

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