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Viele profitieren – und doch bleibt der Unmut gross

Paradox, aber wahr: Die Stadt kann sparen und dennoch mehr Geld ausgeben.Beim neuen Kulturkonzept profitieren zwar alle, trotzdem hält der Unmut an: Die geplante Fusion von Schlachthaus und Dampfzentrale bleibt ein heisses Eisen.

FDP und SVP kritisieren die Berner Kulturpolitik: Unter anderem die geplante Zusammenführung von Dampfzentrale (Bild) und Schlachthaus sei «kein weiser Entscheid».
FDP und SVP kritisieren die Berner Kulturpolitik: Unter anderem die geplante Zusammenführung von Dampfzentrale (Bild) und Schlachthaus sei «kein weiser Entscheid».
Stefan Anderegg
Bekult-Präsident Christian Pauli und andere Kulturinstitutionen bezeichnen die Kulturstrategie der Stadt Bern als dürftig. Wichtige Fragen würden nicht gestellt.
Bekult-Präsident Christian Pauli und andere Kulturinstitutionen bezeichnen die Kulturstrategie der Stadt Bern als dürftig. Wichtige Fragen würden nicht gestellt.
Stefan Anderegg
Eine weitere Zusammenführung wird beim Zentrum Paul Klee und dem Kunstmuseum diskutiert. Die Burgergemeinde Bern hat dafür eine Million Franken zur Verfügung gestellt.
Eine weitere Zusammenführung wird beim Zentrum Paul Klee und dem Kunstmuseum diskutiert. Die Burgergemeinde Bern hat dafür eine Million Franken zur Verfügung gestellt.
Archiv BZ
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Hoher Wellengang bei Kultursekretärin Veronica Schaller: Die Stadt Bern will Schlachthaus und Dampfzentrale zu einem «Flaggschiff der zeitgenössischen Kunst» zusammenführen. Der Widerstand eines Teils der freien Kulturszene ist stürmisch. Und er bricht auch nicht ab, nachdem die Abteilung Kulturelles gestern ihr Papier zur städtischen Kulturförderung 2016–2019 in die Vernehmlassung geschickt hat.

Tschäppät: «Form ist offen»

Viel Neues steht über das Ansinnen der Fusion nicht im Bericht, Konkretes schon gar nicht. Klar ist weiterhin nur, dass Schlachthaus und Dampfzentrale eine gemeinsame Trägerschaft erhalten müssen. «Die beiden Institutionen ergänzen sich ideal», sagte Stadtpräsident Alexander Tschäppät gestern, «aber die genaue Form der künftigen Zusammenarbeit von Schlachthaus und Dampfzentrale ist offen.» Diese herauszufinden, sei nun Sache der betroffenen Häuser. «Ich erwarte jetzt konstruktive Vorschläge der beiden Institutionen.» Denkbar ist für ihn auch eine Minimallösung mit weiterhin zwei Subventionsverträgen.

In den letzten Tagen hat vor allem Kultursekretärin Veronica Schaller für die Idee des Zusammenrückens Prügel eingesteckt. Insbesondere das Schlachthaus und Verbände von Theaterschaffenden fühlten sich vor den Kopf gestossen, weil Schaller das Projekt resolut verkündet und mächtig aufs Gaspedal gedrückt hatte. Tschäppät relativiert den Tempowechsel: «Es ist denkbar, den Institutionen mehr Zeit zu geben und den Status quo ein oder zwei Jahre zu verlängern.» Die Vorteile aus Sicht der Stadt: Die Institutionen ergänzen sich, sowohl was die Sparten betrifft als auch hinsichtlich einer grösseren Flexibilität in der Nutzung der Räume. Und das Zückerchen: Die beiden (fusionierten) Institutionen sollen ab 2016 zusammen 200000 Franken mehr erhalten.

Die «Förderung der zeitgenössischen Kultur» ist einer von drei «Schwerpunkten» der Abteilung Kulturelles für die nächste Subventionsperiode. Bei der per 2016 neu aufgegleisten Kulturförderung im Kanton Bern kommt die Stadt gut weg: Sie spart rund 6 Millionen ein, weil die Regionsgemeinden mehr von den Zentrumslasten übernehmen müssen und der Kanton künftig für die Finanzierung von grossen Institutionen wie Zentrum Paul Klee und Kunstmuseum Bern zuständig ist. Davon will die Abteilung Kulturelles 1,4 Millionen Franken wieder in die Kultur investieren. Unter dem Strich wird das städtische Budget also um 4,6 Millionen entlastet.

Neben den 200'000 Franken für das Flaggschiff-Konglomerat soll die freie Szene ausserdem von einer Erhöhung der direkten Projektbeiträge um 670'000 Franken profitieren.

Schwammige Schwerpunkte

Eher im Blumig-Ungefähren bleiben zwei weitere Schwerpunkte im Bericht der Stadt. Da ist die «koordinierte Vielfalt»: Künftig sollen vermehrt Formate unterstützt werden, «die das Gemeinsame sichtbar machen». Dem will die Stadt mit ihrem Einsitz in Stiftungsräten Nachdruck verleihen.

Schwerpunkt drei heisst «Kulturelle Teilhabe»: Die Kulturinstitutionen sollen in den Leistungsverträgen dazu verpflichtet werden, «neue Formen der kulturellen Aktivität» zu ersinnen. Mit dem Zweck, dass ein breiteres Publikum von der staatlich subventionierten Kultur profitiert.

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