Virtuose auf Bambusrohren

Meine Musik

Als er noch ein Kind war, hasste Jonas Jenzer das Flötenspiel. Heute ist der 37-Jährige professioneller Panflötenspieler.

<b>Wie aus dem Universum</b> klingt es, wenn Jonas Jenzer auf der Konzertpanflöte spielt.

Wie aus dem Universum klingt es, wenn Jonas Jenzer auf der Konzertpanflöte spielt.

(Bild: Susanne Keller)

Wenn Jonas Jenzer auf seinen Werdegang zurückblickt, glänzen seine tiefschwarzen Augen. Geboren wurde er in Kalkutta, in schwierigen Verhältnissen. Mit 11 Monaten nahm ihn eine Berner Familie bei sich auf. Seinen Adoptiveltern zuliebe hat er in der ersten und zweiten Klasse beim Blockflötenunterricht in der Schule mitgemacht.

Das Fazit war kurz und bündig: Nie mehr Flöte spielen. Jenzer dazu: «Ich hasste diesen Unterricht.» Viel lieber wollte er Schlagzeug spielen, meint der heutige Konzertflötist – in einem Mehrfamilienhaus nicht gerade das ideale ­Musikinstrument. «Am Tisch schwieg man jeweils diskret, wenn ich diesen Wunsch äusserte», sagt Jenzer und schmunzelt.

Panflöte und Orchester live: Compilation mehrerer Stücke von Jenzers ersten Orchester-Zusammenspiel. Video: Youtube/jonasjenzer

Um ihn in eine andere, musikalische Richtung zu lenken, versuchten seine Mutter und seine Schwester, ihm das Panflötenspiel näherzubringen. Rein zufällig – was der 37-Jährige bis heute nicht recht glauben mag – entdeckte die Mutter bei einem Rundgang durch das Spielgeschäft Franz-Carl-Weber eine Anzeige für Panflötenunterricht. Jenzer willigte schliesslich für drei bis vier Schnupperstunden beim Musiklehrer Freddy Siegfried ein. «Ich konnte es selber kaum glauben, aber es gefiel mir», sagt der Worber heute.

Unterricht bei Meistern

Dass Jenzer heute die Panflöte liebt und mit grossem Engagement spielt, spürt man nicht nur, wenn er darüber spricht, sondern auch wenn er zum Instrument greift. Nach sechs Jahren Unterricht trat er bereits als junger Solist dem Panflötenorchester Bern bei. Zudem erhielt er die Gelegenheit, bei den bekannten Panflötisten Simion Stanciu Syrinx und später auch bei Gheorghe Zamfir Kurse zu belegen.

Anders als Zamfir ist Jenzer bis jetzt nahe an seinem Studium in klassischer Musik geblieben. Doch, wie die beiden Profimusiker auch, ist er fasziniert vom rumänischen Panflötenspiel. «Es ist das Spiel der Hirten in den Karpaten», erklärt er.

Romanze – Svendsen, Mai-Bouquet 2014. Video: Youtube/jonasjenzer

Die Panflöte gilt seit Jahrhunderten als ein Instrument der Götter. Auch ihr Klang hat etwas Geheimnisvolles: In den unteren Tönen ist er rauchig, vibrierend und entschwindend im Nichts. Jenzer entlockt seiner Konzertpanflöte Geräusche wie aus dem Universum und interpretiert Musik von Mozart über Svendsen bis hin zu Jazzkompositionen.

Ein ganz eigener Stil

Nach dem Lehrerseminar folgte für Jenzer ab Ende 2004 ein klassisches Musikstudium mit dem Hauptfach Panflöte. Und im Anschluss holte er sich im Mai 2017 das Konzertdiplom. Seither verfeinert er seinen ganz eigenen Stil und ist auf der Suche nach neuen Herausforderungen.

Humoresque – Dvorák, Mai-Bouquet 2014. Video: Youtube/jonasjenzer

«Ich möchte mit internationalen Orchestern zusammenarbeiten», erklärt er. Ein weiteres seiner Standbeine sei der Auftritt in Kirchen, begleitet von Orgelspielern. Gerne würde er aber auch vermehrt Jazz interpretieren oder eine CD mit beruhigender Musik aufnehmen.

Wo immer es den wirbligen Musiker auch hinzieht – ans Gutenfestival passe er weniger, sagt er. Dafür ist sein Traum ein Auftritt im KKL Luzern. Vielleicht wird ihm eines Tages sogar sein Militärdienst bei der Erfüllung dieses Traumes helfen. Dort hat er als Chaot, wie er sich selber nennt, seine mentale Stärke entdeckt und gelernt, sich zu organisieren. Heute manage er sich selber – und das sei für einen Musiker harte Arbeit.

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