Vom KV-Stift zum Konzernchef

Auch wer mit einer Berufs­lehre startet, kann gross Karriere machen. Das zeigen die Laufbahnen von mehreren Berner Konzernchefs.

Markus Hongler (links) war einst Kaufmann und ist heute Chef der Mobiliar. Hans-Martin Wahlen stieg vom Molkerist zum Chef von Kambly auf.

Markus Hongler (links) war einst Kaufmann und ist heute Chef der Mobiliar. Hans-Martin Wahlen stieg vom Molkerist zum Chef von Kambly auf. Bild: Raphael Moser/PD

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Die Swiss Skills sind eine gigan­tische Show für die Berufslehre. Bundesrat Johann Schneider-Ammann, Konzernchefs und Gewerbler preisen einmal mehr das duale Bildungssystem.

Doch die Paarung Berufsschule und Lehrbetrieb hat Nachwuchssorgen. Vor allem in handwerklichen Berufen bleiben Lehrstellen unbesetzt. Viele Schulabgänger sehen Matur und Studium als besseren Weg, um Karriere zu machen und mit einem erfüllenden Job gut zu verdienen.

Eine Berufslehre ist aber kein Fehlstart, sondern «ein idealer Einstieg ins Berufsleben»: Das ist die Kernbotschaft der Kampagne «1000 Chancen: Von der Lehre in die Chefetage» vom Handels- und Industrieverein des Kantons Bern.

Sowohl während als auch nach Abschluss der Lehre stünden den Jugendlichen vielfältige weiterführende Ausbildungsangebote zur Verfügung, heisst es. Und diese ermöglichten Karrierechancen. Zum Beweis porträtiert «1000 Chancen» zwei Dutzend Firmenchefs, die mit einer beruflichen Grundausbildung begonnen haben.

Da ist zum Beispiel Urs Kessler. Er arbeitete sich vom Bahn­betriebsdisponenten zum Chef der Jungfraubahnen hoch. Oder Markus Hongler. Er absolvierte eine Lehre als Kaufmann. Heute leitet er die Versicherung Mo­biliar mit über 5000 Angestellten. Warum er sich für eine Berufslehre entschied, begründet Hongler so: «Nach neun Schuljahren wollte ich möglichst unabhängig sein, arbeiten, Geld verdienen und die Welt entdecken.»

An der Front gelernt

Er habe bereits während der Lehre Verantwortung übernehmen dürfen und im Kontakt mit den Kunden gelernt, wie das Geschäft laufe, sagt Hongler. Er arbeitete sich bei anderen Unternehmen die Karriereleiter empor und kehrte dreissig Jahre nach dem Abschluss der Lehre als Chef zurück zur Mobiliar.

Ähnlich ist der Lebenslauf von Markus Gygax. Er begann als KV-Stift bei der Zürcher Kantonalbank, wechselte danach zu anderen Banken. Zudem absolvierte er ein Fachhochschulstudium in Betriebsökonomie und schloss ein Masterstudium mit Fokus Bankmanagement ab. Heute ist er Chef der Bank Valiant.

Kambly-Chef Hans-Martin Wahlen hätte eigentlich Landwirt werden wollen. Seine Eltern dagegen wünschten, dass er wie seine Geschwister das Gymnasium besucht oder sich zum ­Lehrer ausbilden lässt. Als Kompromiss absolvierte Wahlen eine berufliche Grundbildung als Molkerist.

Er hängte eine Meisterausbildung und das Studium als Ingenieur der Milchwirtschaft an. Bereits mit 28 Jahren führte er als Fabrikationsleiter ein Team von 70 Mitarbeitenden. Es folgten weitere Stationen bei verschiedenen Milchverarbeitungsbetrieben und eine Managementausbildung.

Gewerkschafterin mahnt

Trotz aller Karrierechancen: Die Arbeitgeber müssten mehr tun, um die Berufslehre generell aufzuwerten, sagt Laura Perret vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund (SGB). Sie kritisiert Berufslehren mit tiefen Löhnen bei strenger Arbeit.

Dabei müssten Lernende besonders geschützt werden, etwa vor unregelmässiger Arbeitszeit und gefährlicher Arbeit. Und die Lernenden müssten wirklich begleitet und ausgebildet werden. Perret, die beim SGB für Bildungs- und Jugendpolitik zuständig ist, fordert zudem bessere Perspektiven für nach der Lehre. Ein Lehrabschluss sei zwar eine gute Grundlage.

Aber ein Berufsausweis respektive ein Eidge­nössisches Fähigkeitszeugnis sei heute keine Garantie mehr für einen Lohn, der für eine Familie ausreiche. So würden viele Verkäuferinnen und Verkäufer, Coiffeusen, Reinigungskräfte, Floristinnen und Kita-Betreuerinnen mit bloss 3000 bis 4000 Franken pro Monat entlöhnt. Sofern sie überhaupt Vollzeit arbeiten können, denn oft sind es Teilzeitjobs.

Perret erinnert daher an den Kampf der Gewerkschaften für faire Mindestlöhne und für Lohngleichheit. Die Swiss Skills werden aber auch vom Gewerkschaftsbund unterstützt. Denn die Berufsausbildung sei sehr wichtig und erhalte so eine Plattform. «Jugendliche brauchen Vorbilder», sagt Perret. Seien es die besten Berufsleute der Schweiz oder Topmanager, die mit einer Lehre unten ange­fangen haben. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.09.2018, 20:39 Uhr

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