Bern

Von Bubenbergs Rückzugsgefecht

BernDas Denkmal von Adrian von Bubenberg steht der geplanten Unter­führung zum Bahnhof im Weg. Vor der Suche nach einem alternativen Standort hat er Schützenhilfe des Denkmalpflegers erhalten.

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Oben am Berner Hirschengraben thront er, Schultheiss und Feldherr Adrian von Bubenberg, dessen grösster Triumph 1476 die Verteidigung Murtens in den Burgunderkriegen war. Für alle Zeiten ist es in sein Denkmal gemeisselt: «So lange in uns eine Ader lebt, gibt keiner nach.» Wer möchte daran zweifeln: So leicht lässt sich ein Adrian von Bubenberg nicht zurückdrängen.

Doch genau dies schafft der angelaufene Bahnhofausbau. Wie der Gemeinderat vor zwei Wochen mitteilte, ist das bis 2025 ­erwartete Verkehrsaufkommen am Bubenbergplatz nur mit einer Fussgängerunterführung zu bewältigen. Das Bubenberg-Denkmal müsse deshalb verschoben werden. «Die Frage, wo es künftig stehen soll, wird in einem parallelen Prozess geklärt», schrieb die Stadtregierung.

Böses Blut in der Verwaltung

Dieser Prozess sorgte innerhalb der Stadtverwaltung für böses Blut, wie gut informierte Kreise berichten. Geht man den Prozess ergebnisoffen an? Liegt das Primat bei der Planung oder beim Denkmalschutz?

Bevor diese Fragen ernsthaft diskutiert werden konnten, hatte sie der städtische Denkmalpfleger Jean-Daniel Gross in seinem Sinn be­antwortet, wird kolportiert. Tatsache ist: Bisher war das Denkmal im Inventar der Denkmalpflege nicht einzeln aufgeführt. Nach der laufenden Revision, deren Genehmigung durch den Kanton eine Formsache sein dürfte, wird dies anders sein: «Das revidierte Inventar sieht einen separaten Eintrag für das Bubenberg-Denkmal vor», bestätigt Denkmal­pfleger Gross. Eine Verschärfung des Schutzes sei dies aber nicht, so Gross, der lieber von einer «Präzisierung» spricht.

Angesichts der beschlossenen Verschiebung des Denkmals lässt Gross’ Rhetorik doch einigermassen tief blicken. Aus denkmalpflegerischer Sicht müsse das Denkmal «integral erhalten werden und im Perimeter Bubenbergplatz/Hirschengraben einen neuen und würdigen Platz finden», sagt er. Erst die konkrete Planung werde zeigen, ob die ­Projekte «die nötige denkmalpflegerische und städtebauliche Qualität erreichen, um in der Abwägung eine Verschiebung des Denkmals zu rechtfertigen».

Von Bubenberg steht verkehrt

Tiefbaudirektorin Ursula Wyss (SP) äussert sich nicht explizit zur Frage, ob die Revision des Denkmalpflege-Inventars die Planung um den Bahnhof erschwere. Sie räumt aber ein, dass sie sich «persönlich» gewünscht hätte, «dass man ergebnisoffen nach einem würdigen Ersatzstandort für das Denkmal hätte suchen können – auch ausserhalb des ­Bereichs Bubenbergplatz/Hir­schengraben». Man bewege sich aber im Unesco-Perimeter. Deshalb und wegen der terminlichen Vorgaben des Bahnhofumbaus lasse sich ein Alternativstandort «nur im Einvernehmen mit den engen Vorgaben der Denkmalpflege finden». So habe auch der Gemeinderat entschieden.

Die Ironie der Geschichte, in der von Bubenberg die Stadt­entwicklung behindern könnte: So martialisch er auch dasteht, es ist nicht das erste Mal, dass er zum Rückzug gezwungen wird. Als die Statue 1897 eingeweiht wurde, stand sie vor dem Burgerspittel, mitten auf dem Bubenbergplatz, und Bubenberg ­schaute nach Westen, Richtung Murten. 1930 wurde der Platz um­gestaltet und das Denkmal an den Hirschengraben verlegt, wo Bubenberg nun – ohne jede ­tiefere Bedeutung – nach Norden schaut.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 16.02.2018, 07:56 Uhr

Das Denkmal von Adrian von Bubenberg im Jahr 2015, nachdem es gereinigt und saniert worden war. Drei Jahre später startet die Debatte darüber, wohin das Denkmal der Fussgängerunterführung weichen soll. (Bild: Urs Baumann)

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