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Neuer Abstimmungskampf mit alten Argumenten

Die Debatte um das Tram Bern–Ostermundigen geht in die nächste Runde: Am Dienstag luden sowohl Pro- als auch Kontra-Komitee zur Medienkonferenz. Neue Argumente gab es aber kaum.

Rahel Ruch vom Komitee «Ja zum Tram Bern-Ostermundigen» und Jürg Schweizer von den Gegnern nehmen im Video Stellung zum Projekt.

10 Uhr, Monbijouquartier, Bern: Eine überschaubare Gruppe hat sich im Konferenzraum versammelt. An der Wand lehnen grosse Plakate, und auf den Tischen liegen Flyer mit Dutzenden Logos. Das Komitee «Ja zum Tram Bern–Ostermundigen», das am Dienstag zur Medienkonferenz einlud, wird breit unterstützt: Links-Grüne, bürgerliche und Mitteparteien sowie Wirtschafts-, Verkehrs- und Umweltverbände gehören zu den Unterstützern.

Das spiegelt sich auch in den Reihen der Sprechenden wider: Neben Vertretern der Politik, wie etwa GB-Stadträtin Rahel Ruch, BDP-Grossrätin Vania Kohli und Stefan Jordi, Co-Präsident der SP Stadt Bern, stehen auch Adrian Haas, Direktor des kantonalen Handels- und Industrievereins, sowie Stéphanie Penher, Geschäftsleiterin des VCS Bern, an vorderster Front.

Die Argumente, die das Komitee vorbringt, sind nicht neu: Das Tram würde für mehr Kapazität auf der überlasteten Linie sorgen, im gleichen Zug könnten auch Fuss- und Velowege ausgebaut werden, und man erschliesse nicht nur Wohnraum, sondern auch neue Wirtschaftsgebiete.

Stadt verstopft oder Wirtschaftsentwicklungsprojekt? Gegner und Befürworter sind sich ob der neuen Tramlinie uneinig. (Visualisierung: zvg)
Stadt verstopft oder Wirtschaftsentwicklungsprojekt? Gegner und Befürworter sind sich ob der neuen Tramlinie uneinig. (Visualisierung: zvg)

Martin Trachsel, Co-Präsident des WWF Bern, rückt zudem die ökologischen Faktoren in den Fokus: «Das Fällen alter Bäume ist zwar schmerzhaft, auf Dauer gewinnt die Umwelt aber am Tram.»

Der verbesserte ÖV sorge dafür, dass mehr Autofahrer umsteigen würden, und wirke sich so positiv auf den CO2-Haushalt aus. Zudem hätte der WWF dem Projekt nicht zugestimmt, wenn die Alleen nicht mit jungen Bäumen ersetzt würden.

Szenenwechsel

11 Uhr, Schosshaldenfriedhof, Bern: Auf dem Trottoir, neben den vorbeirauschenden Fahrzeugen, hat sich eine kleinere Gruppe versammelt. Ein Bauplan wird an die Friedhofsmauer geklebt, ein kleines Plakat an die Strassenlaterne daneben.

Ein Parteilogo sucht man vergebens: Die Freie Arbeitsgruppe Städtebau und öffentlicher Verkehr agiere unabhängig von der Politik, erklärt Urs Dürmüller: «Wir verstehen uns als besorgte Bürger, die dem Tram Bern–Ostermundigen kritisch gegenüberstehen.»

Der Ort ist von Dürmüller und seinen Kollegen strategisch gewählt: Eingeladen wurde zur «Abdankung am Tatort». Das Hauptargument der Arbeitsgruppe spielt auf die rund 200 Bäume an, die entlang der Viktoria- und der Ostermundigenstrasse abgeholzt werden sollen: Es vergingen Jahrzehnte, bis neue Bäume dieselbe ökologische Wirkung erzielen würden.

Damit konnten die Gegner auch Vera Weber von der Fondation Franz Weber für sich gewinnen. «Wir setzen uns national und lokal für den Erhalt der Natur und damit der Bäume ein», erklärt Weber ihre Anwesenheit. Bereits 2014 unterstützte die Fondation die Arbeitsgruppe mit 5000 Franken. Wie viel sie dieses Mal beisteuert, sei noch offen.

Sie seien nicht generell gegen ein Tram, stellt Urs Dürmüller klar. Jedoch plädiert die Arbeitsgruppe für eine alternative Linienführung durch die Lorraine, vorbei am Wankdorf.

Zudem werfen Dürmüller und Co. der Stadt ein Falschspiel vor: Sowohl das Bundesamt für Verkehr als auch die Stimmbürger seien falsch informiert worden. Ein unabhängiger Baum­experte habe nämlich festgestellt, dass nicht die Hälfte der Bäume erkrankt sei und ohnehin abgeholzt werden müsse – wie es Verkehrsdirektorin Ursula Wyss (SP) einst behauptet habe –, sondern nur etwa eine Handvoll.

Rück- und Ausblick

Gerade weil beide Seiten altbekannte Argumente wieder aufwärmen, schleicht sich bei manchen Stimmbürgern ein Déjà-vu-Erlebnis ein: Bereits 2014 stimmten sie an der Urne über den Kredit für eine neue Tramlinie ab, die von Ostermundigen bis Köniz geführt hätte. Gesamtkosten: rund eine halbe Milliarde.

Damals stimmte die Stadt dem Projekt zu, die beiden Nachbargemeinden lehnten jedoch ab. Erst eine Initiative führte dazu, dass die Ostermundiger ihre Meinung änderten. Die Lightvariante für 244 Millionen Franken kommt nun am 26. November erneut vors städtische Stimmvolk.

Doch auch dies könnte nicht die letzte Tramabstimmung werden: Gegen den Beitrag des Kantons wurde von SVP und GAP ein Referendum lanciert. In den kommenden Tagen wird klar, ob dieses zustande kommt und den Abstimmungskampf auch auf den Kanton ausweitet.

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