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Warten auf den Pendlerstau

Seit Sonntag ist die Halenstrasse für den Privatverkehr gesperrt. Die Mitglieder des Komitees gegen die Schliessung rechnen mit massiven Staus. Sie beobachteten gestern den Morgenverkehr und verteilten Flugblätter.

Ob die Sperrung der Halenstrasse morgendliche Staus verursacht, ist noch offen. Ein Aktionskomitee will sich gegen die Schliessung wehren.
Ob die Sperrung der Halenstrasse morgendliche Staus verursacht, ist noch offen. Ein Aktionskomitee will sich gegen die Schliessung wehren.
Susanne Keller

Montag, 6.30 Uhr. Im Stockdunkel tauchen hin und wieder Scheinwerferlichter auf. Die beissende Kälte hält den Ingenieur Stefan Freudiger und die beiden Komiteemitglieder Grossrätin Sabina Geissbühler (SVP) und Beatrice Wappler nicht davon ab, sich mit Flugblättern und Leuchtwesten auszurüsten und den Verkehr zu beobachten. An diesem ersten Morgen nach der Schliessung der Halenstrasse rechnen sie mit Stau auf der Neubrück- und Brüggbodenstrasse. «Das ist eine Diskriminierung gegen den Norden von Bern», ereifert sich Stefan Freudiger. Der Präsident und Gründer des Aktionskomitees gegen die Schliessung der Halenstrasse wohnt in Bremgarten und war bis zu deren Schliessung selber Benutzer der Halenstrasse. Die Stadt Bern habe mit der Sperrung einen undemokratischen und unsinnigen Entscheidung gefällt, sagt Freudiger.

Schadenersatzklage prüfen

Der selbstständige Unternehmer macht mit Flugblätter auf sein Aktionskomitee gegen die Schliessung der Halenstrasse aufmerksam. Speziell die morgendlichen Pendler auf der Neubrück- und Brüggbodenstrasse sollen Kenntnis davon haben, «wie falsch dieser Entscheid ist». Dafür braucht der Ingenieur aber finanzielle Unterstützung. Der Kampf gegen den Stadtberner Entscheid werde Geld kosten. «Wir wollen juristische Abklärungen machen.» Wegen Mehrkosten für Umwegfahrten und weil die Halenstrasse von den mitfinanzierenden Gemeindebürgern nicht mehr genutzt werden kann, erwägt der 57-Jährige mit seinem Komitee Schadenersatzklagen gegen die Stadt.

Kontrolle durch Kanton

7.20 Uhr. Der Verkehr nimmt zu. Noch kein Stau in Sicht. «Wahrscheinlich sind wir zu früh», meint Freudiger. Oder aber die Gefahr von Glatteis hätte Pendler vom Autofahren abgehalten. Per Telefon erfährt Freudiger, dass einige trotz des Verbots durch die Halenstrasse fahren.

«Kontrollen sind Sache der Kantonspolizei», sagt Reto Zurbuchen, Leiter Projektierung und Realisierung im städtischen Tiefbauamt, auf Anfrage. Ende dieser Woche werde ohnehin eine Barriere errichtet, welche die Durchfahrt für den privaten Verkehr künftig unterbinde. Der Postautoverkehr hingegen darf die Halenstrasse noch bis Dezember 2011 weiter benutzen. Dieses Provisorium steht im Zusammenhang mit den Bauarbeiten für die Gesamterneuerung Stadttangente (Felsenauviadukt). Danach fahren die Postautokurse via Neufeld. Mit grossen Staus wegen der Sperrung rechnet Zurbuchen nicht. «Ein paar Autos mehr kann es geben», sagt er. Man werde die Situation beobachten und wenn nötig zusammen mit dem Kanton Massnahmen, wie zum Beispiel Anpassungen an den Lichtsignalanlagen in Erwägung ziehen.

«Bitte fünf Flugblätter»

7.45 Uhr. Die Dunkelheit weicht dem grauen Morgen, und eine langsam rollende Fahrzeugkolonne zieht vorbei. Die Fahrer fahren im Schritttempo und haben kurz Zeit, die Flugblätter in Empfang zu nehmen. «Am besten gibst du mir gleich fünf davon», meint einer der Autofahrer mit einem Lachen. «Das ist gut, dass ihr das macht», bekräftigt ein anderer. Die Aktion kommt bei den Pendlern gut an. Ist Stefan Freudiger zufrieden mit der heutigen Aktion? Er sei sehr zufrieden, aber «es kommt jetzt noch drauf an, wie viele unserem Komitee beitreten».

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