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Warum musste schwangere Tania S. sterben?

Am ersten Prozesstag zum Auftragsmord im Liebefeld vom April 2008 wurde der Freund der ermordeten Tania S. befragt. Er habe den Auftrag zur Tötung seiner schwangeren Freundin nicht gegeben. Die Angehörigen sehen das anders.

Der Freund von Tania S. (vorne) wird von Gerichtspräsident Vicari (hinten links) befragt. Hinten rechts der Verteidiger des Freundes.
Der Freund von Tania S. (vorne) wird von Gerichtspräsident Vicari (hinten links) befragt. Hinten rechts der Verteidiger des Freundes.

Unbewegt sitzt der angeschuldigte Freund der getöteten Tania S. auf seinem Stuhl. Er antwortet klar auf die Fragen des Kreisgerichts zu seiner Person. «Ich möchte, dass die Wahrheit über den Tod meiner Freundin ans Licht kommt und ich freigesprochen werde», sagt er, angesprochen von Gerichtspräsident Jean-Pierre Vicari auf seine Erwartung.

Die Befragung des Freundes bildete gestern den Auftakt des Prozesses vor dem Kreisgericht Bern-Laupen. Zwei Männer sind angeschuldigt, im April 2008 im Könizer Liebefeld die 31-jährige Tania S. ermordet zu haben. Der Freund soll den Mord an seiner schwangeren Freundin in Auftrag gegeben haben. Als zweite Person auf der Anklagebank sitzt der Mann, der Tania S. in ihrem Auto erstochen haben soll. Dafür soll ihm laut dem Bericht des Untersuchungsrichters der Freund 20000 Franken versprochen haben. Der Auftragsmörder ist geständig, der Freund streitet seine Beteiligung am Tötungsdelikt ab. Beide sind in Haft.

«Ich habe Tania geliebt»

Ihm gehe es schlecht, sagte der Freund: «Meine Freundin ist tot, und ich bin angeschuldigt, sie umgebracht zu haben.» Er habe sie geliebt und liebe sie noch immer, so sehr, dass er darüber sogar seine Eltern vernachlässigt habe. Und auch das Baby, das Tania S. erwartete, habe er gewollt. Es war die zweite Schwangerschaft in der Beziehung der beiden. Das erste Kind hatte sie abtreiben lassen. Unklar war, ob diese Abtreibung auf Geheiss des Freundes geschah.

Tania S.’ Freund gab in der Befragung zu, Probleme mit Geld und seinem Berufsleben zu haben. So hatte er diverse Ausbildungen vor dem Ende abgebrochen und beträchtliche Schulden. «Grottenschlecht» sei seine Finanzlage zum Zeitpunkt des Todes seiner Freundin gewesen, sagte er, «aber aus eigenem Verschulden».

Zusätzlich zu diesen Problemen hat der Freund an Pokerrunden teilgenommen, obwohl er nicht immer genug Geld dafür hatte: «Das Spiel faszinierte mich, teilweise habe ich auch beträchtliche Gewinne erzielt.» Laut dem Bruder des Opfers hat er auch im Internet Karten gespielt.

Fassungslos

Weitaus emotionaler als die Einvernahme des Freundes verlief die Befragung der Angehörigen des Opfers. Sie nehmen als Privatkläger am Verfahren teil. Der Vater, eigens aus der Slowakei angereist, sowie die beiden Brüder rangen sichtlich um Fassung. Für sie steht fest, dass der Freund den Auftrag zum Mord an Tania S. gegeben hat. Einer ihrer Brüder äusserte den Verdacht bereits zwei Tage nach der Tat.

Die drei Angehörigen beschrieben den Freund als verschlossen, schwer zugänglich und sogar als hinterhältig. Er habe gelogen, was seine Arbeit angehe, sagte der eine Bruder. Der andere sagte, seiner Ansicht nach habe der Freund Tania nur wenig geliebt und sie vor allem ausnutzen wollen. Tania S. sei aber glücklich über ihre Schwangerschaft gewesen: «Sie wollte das Kind unbedingt behalten», sagte der Vater. Für den Sommer 2008 sei die Heirat der beiden geplant gewesen. «Bei ihrem letzten Besuch zu Hause sagte sie mir, ich solle für eine Hochzeit sparen», so der Vater.

Zweigeteiltes Urteil

Heute werden der Auftragsmörder zu seiner Person sowie weitere Zeugen befragt. Der Prozess dauert voraussichtlich noch bis am Freitag, das Urteil soll am Mittwoch nächster Woche verkündet werden. Beim Freund wird nur ein Urteil über Schuld oder Unschuld gefällt. Sein Verteidiger beantragte am ersten Prozesstag erfolgreich ein sogenanntes Schuldinterlokut. Das bedeutet, dass das Gericht erst in einem zweiten Schritt über ein allfälliges Strafmass urteilen wird.

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