Warum sich das Wasser im Weyerli plötzlich warm anfühlt

Das Berner Weyerli – früher als eher kühles Gewässer bekannt – lockte am Mittwoch mit angenehmen 20 Grad zum ersten Bad im Freien. Voraussichtlich übernächstes Jahr werden die Badegäste allerdings ein ­anderes Bad suchen müssen. Das Weyerli wird saniert.

Ein Gefühl wie Sommer. Schwimmerinnen und Schwimmer wagten sich am Mittwoch in das als kühl gefürchtete Weyerli-Becken – und wurden vom 20 Grad warmen Wasser angenehm überrascht.

Ein Gefühl wie Sommer. Schwimmerinnen und Schwimmer wagten sich am Mittwoch in das als kühl gefürchtete Weyerli-Becken – und wurden vom 20 Grad warmen Wasser angenehm überrascht.

(Bild: Beat Mathys)

Kälteempfindliche Berner gingen früher fürs erste Bad im Freien lieber nicht ins Weyerli: Es war meistens ein paar Grad kälter als das Marzili oder das Wylerbad. Und selbst im Sommer schafften es die Wassertemperaturen kaum je über 21 Grad.

Seit ein paar Jahren kann das Weyerli aber problemlos mit der Konkurrenz mithalten. Warum er es geschafft hat, die Wassertemperatur zu erhöhen, weiss Anlagenchef Hanspeter Heiniger selber nicht genau: «Vielleicht gab man früher mehr Frischwasser ins Becken», mutmasst er gegenüber dieser Zeitung. Verantwortlich für die Erwärmung des Weyerli-Wassers könnte aber auch der gesunkene Grundwasserspiegel sein.

Protest der Weyerli-Fans

Denn: Das Becken des Weyermannshausbads ist nicht wasserdicht. Möglicherweise kühlte früher deshalb das ständig hereinsickernde Grundwasser das Badewasser ab. Das ist aber jetzt nicht mehr der Fall: Nachdem das Becken im Winter geleert worden war, blieb es trocken – obschon es nach wie vor undicht ist.

Das bedeutet: Von unten drückt das Grundwasser nicht mehr. Hingegen sickern im Sommer, wenn das Becken gefüllt ist, jeden Tag rund 300 Kubikmeter chemisch behandeltes Badewasser in den Boden und dann weiter ins tiefer liegende Grundwasser.

«Für den ganzen Umbau reicht das Winterhalbjahr nicht.»Kurt Frommenwiler, Sportamt

Schon vor einigen Jahren drängte der Kanton die Stadt dazu, etwas gegen die Grundwasserverschmutzung zu unternehmen. Die Fachleute des Kantons drohten sogar bereits mit der Zwangsschliessung des Freibads, sollte die Stadt nichts tun.

2013 schlug der Berner Gemeinderat schliesslich zwei Varianten für die Zukunft des Bades vor: Entweder die Trockenlegung des Weyerlis und der Einbau eines wasserdichten 50-Meter-Beckens oder ein naturnaher Schwimmteich mit Wasserpflanzen und Schilf.

Gegen beide Varianten gab es heftigen Widerstand von den Weyerli-Fans: Sie wollten das grosszügige Bad nicht auf ein 50-Meter-Becken schrumpfen oder von einem Wasser reinigenden Schilfgürtel verkleinern lassen.

Abstimmung wohl 2018

Nun hat der Gemeinderat einen neuen Plan: Das Weyerli soll nicht kleiner werden, sondern einen Biofilter bekommen. Dann sickert nur noch natürlich gereinigtes und kein gechlortes Wasser mehr in die Erde. Zur Säuberung würde das Wasser durch ein langes Kiesbett gepumpt.

Nächstes Jahr können die Stadtberner Stimmberechtigten voraussichtlich über die Sanierung abstimmen. Bei einem Ja würde 2019 gebaut. Allerdings braucht das Bad neben dem Filter auch neue Beckenwände.

Das Weyerli soll nun doch nicht  kleiner werden, sondern einen Biofilter bekommen.

«Für den ganzen Umbau reicht das Winterhalbjahr nicht», erklärt Kurt Frommenwiler vom Sportamt der Stadt Bern. Der Chef der Stadtberner Eis- und Wasseranlagen sagt, die Sanierung würde rund ein Jahr dauern, was heisst: Einen Sommer lang bliebe das Weyerli geschlossen.

Wenn Planung und Abstimmung wie vorgesehen ablaufen, werden die Berner 2019 die Badesaison nicht im Weyerli eröffnen können. Wer nicht mit den weniger grosszügig bemessenen Schwimmbecken der anderen städtischen Bäder vorliebnehmen will, muss auf die Aare ausweichen. Dort sorgt derzeit allerdings das Schmelzwasser von den Gletschern im Oberland für kühle Badeverhältnisse. Die Temperatur der Aare pendelte gestern zwischen 14 und 15 Grad.

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