Was sie machen, liegt gut in der Hand

Bern

Jérôme Rütsche und Felix Spuhler gestalten und entwickeln mit ihrem Start-up Produkte. Weitsicht sollten diese haben und dem Zwang des Fertigen entfliehen, sagen die beiden Berner.

Querdenken fürs Weitsichtige: Jérôme Rütsche (links) und Felix Spuhler in ihrem Büro in Marzili.

Querdenken fürs Weitsichtige: Jérôme Rütsche (links) und Felix Spuhler in ihrem Büro in Marzili.

(Bild: Tanja Buchser)

Claudia Salzmann@C_L_A

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Restaurant, der Sommelier hat zuvor Wein und Winzer vorgestellt, der Kellner hat die Ingredienzen Ihres Ganges ­erklärt und fährt weiter: «Das Ganze haben wir auf einem Teller aus Rosenlaui-Marmor aus dem Berner Oberland angerichtet.» Darüber würde wohl so mancher Gast staunen, doch wäre es so ­abwegig? «Regionales und Saisonales ist in aller Munde, doch ­woher der Teller kommt, fragt niemand», sagt Jérôme Rütsche.

Mit Felix Spuhler gründete er vor einem Jahr das Kollektiv Crisp ID. Als professionelle Designer ­– Rütsche ­studierte Produktgestaltung in Lausanne, Spuhler Industriedesign in Zürich – wollen die beiden anregen, die Gestaltung von Gegenständen zu hinterfragen.

Ihnen geht es um das Haptische – das Gefühl beim ­Anfassen –, aber auch ums Zusammenarbeiten. Involviert beim ­aktuellen Projekt sind einige regionale Firmen: eine Keramikwerkstatt, ein Glaslabor, eine Giesserei, eine Ziegelei und das Restaurant ­Eisblume in Worb.

Sandstein aus Ostermundigen

Die beiden Crisp-Tüftler haben ihr Büro unten an der Aare im Bachsteingebäude neben der Dampfzentrale. Auf dem Tisch vor uns liegt eine schwarze Brille, in einem Stück mit 3-D-Drucker erstellt, ohne Schräubchen. ­Daneben liegt ein kurioses Tontrinkgefäss, das perfekt in der Hand liegt und dessen Ton sich angenehm kühl anfühlt. Die Stoffschere mit Gummigriffen haben sie für einen Kunden konzipiert. Es sind Prototypen.

Die beiden 28-Jährigen streben ­industrielle Produktionen an, aber auch Kleinserien. «Wir sind keine Produzenten, sondern Designer mit offenen Gedanken», sagt Spuhler. Für das Gastro­projekt mit der Eisblume haben sie alle Materialien im Kanton Bern bezogen: Aus einem kreisrunden Abschnitt des ­Rosenlaui-Marmors aus dem Oberland haben sie einen Teller fabriziert. Das Material eines ­anderen Tellers kommt aus dem Ostermundiger Steinbruch.

Auch mal querdenken

Bei den Tellern wurden die ­Farben schön herausgearbeitet, und man kann sich deren Einsatz in eleganten Restaurants gut vorstellen. «Wir wollen eine ­Geschichte dazu verkaufen, damit die Leute einen persönlichen Bezug zu den Objekten ­herstellen können», sagt ­Rütsche.

«Wir sind keine Gastrodesigner, sondern suchen immer neue ­Felder», sagt Spuhler. Inspirierend sei es, wenn sie ohne Vorurteile an ein Projekt rangehen könnten, Fragen stellen würden, die sich vielleicht ein Koch oder ein Kellner noch nie gestellt habe. «Wir gehen mit einer Naivität ran, weil wir die Branche nicht kennen, und genau das ist nötig», so Spuhler.

Zwischen Firmen und Markt

Früher seien Ingenieure von Erlerntem und Erprobtem ausgegangen. «Wir hingegen haben eine Methodik, die es uns erlaubt, Neues zu schaffen», sagt Spuhler. Genau dort ­sehen sie ihre Rolle: als Querdenker zwischen KMU und dem Markt.

Als Inspiration könnte ­ihnen der Salone del ­mobile in Mailand dienen, eine der wichtigsten Designshows der Welt. Aber beide winken ab: «Uns interessiert mehr, was noch nicht existiert, als was andere gemacht haben.»Ein Videofinden Sie auf unserer Website.

Berner Zeitung

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