Was uns die 10er-Jahre brachten

Als unser Redaktor plötzlich bemerkt, dass nun schon wieder zehn Jahre vorbei sind, sinniert er darüber nach, was seit 2010 alles passiert ist.

Michael Bucher@MichuBucher

Da kriecht man mit einer Herbstdepression in den Gliedern dem Winter entgegen und muss plötzlich feststellen: huch! Es ist ja schon wieder ein Jahrzehnt vorbei. Da drängt sich die Frage auf: Wofür steht eigentlich diese Dekade? Ein Ergründungsversuch:

Die 2010er-Jahre brachten viele Plagen: Vogelgrippe, IS-Terror, Helene Fischer. Am nervigsten entpuppten sich aber die Influencer. Mit gekauften Fake-Followern geschmückt Produkte anpreisen, die niemand braucht – am wenigsten die Influencer selber: Dagegen wirken Milli Vanilli wie Lehrmeister der Authentizität.

Rechtfertigungszwänge, Scham, Werbeverbot: Fliegen ist das neue Rauchen.

Von Watergate zu Gerigate: Für einen Shitstorm brauchte es früher einen Staatspräsidenten, der seine Gegner aushorchen lässt. Heute reicht ein Stadtpräsident, der in seinem Büro sein Schnäbi fötelet, um das Land in konstante Erregung zu versetzen.

Wobei: So explosionsartig die Empörung jeweils aufwallt, so schnell gerät die Episode auch wieder in Vergessenheit. Falls Sie eben beim Stichwort #Gerigate nachdenklich aus dem Fenster schauten und dachten: Ach ja, das war ja auch noch... Voilà!

Männer sind jetzt toxisch. Wobei: Biologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen soll es gar nicht geben. Sie sind nämlich anerzogen. Von den toxischen Vätern? Nein, diese machen ja Karriere und bekämpfen eine Frauenquote. Ja, zwischen Frau und Mann ist es kompliziert geworden.

Der Satz, der gefühlt in jedem Aufnahmestudio fiel: «Okay, das tönt ja ganz gut und so. Aber lass uns doch den Gesang durch Autotune noch etwas aufpeppen.» (Hey, Kanye und Co.: Das hat Cher schon 1998 gemacht, und es klang schon damals behämmert).

Die totale digitale Durchdringung: shoppen, prahlen, tauschen, leiden, diagnostizieren, raten, haten, daten, verlassen, mobben – geht alles bequem via Smartphone vom Sofa aus.

Und, last but not least: Der Fila-Pulli ist zurück.

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