Wasserreservoir zu verkaufen

Die Gemeinde Vechigen hat das nicht mehr benötigte Wasserreservoir Dentenberg zum Verkauf ausgeschrieben. Interessenten sind bereits vorhanden, denn der Inhalt der Anlage ist kostbar.

Hans Moser im Wasserreservoir Dentenberg. Das Reservoir soll nun verkauft werden.

Hans Moser im Wasserreservoir Dentenberg. Das Reservoir soll nun verkauft werden.

(Bild: Beat Mathys)

Von aussen ist sie ziemlich unscheinbar, eine Betonmauer mit drei hellblauen Türen. Hans Moser zieht einen Schlüssel aus der Tasche, öffnet die linke Türe und schaltet das Licht an. Er tritt ein in das Betonbauwerk, das vor gut 50 Jahren in den Hang unterhalb des Weilers Dentenberg gebaut wurde. «Kommen Sie.»

Durch einen Gang schreitet er in einen Raum mit verschiedenen blauen Rohren, geht eine Treppe hoch und öffnet die nächste Türe. Was sich dahinter versteckt, erinnert an ein Hallenbad: ein grosses Bassin voller Wasser. 200 Kubikmeter, genug, um 1000 Badewannen zu füllen. «Eigentlich jammerschade, dass dieses Wasser nicht genutzt wird», sagt Moser. Es fliesst in einem Bächlein talwärts und dann in die Worble.

Hans Moser ist Mitglied des Vechiger Gemeinderats; in sein Ressort fällt auch das Wasser. Dieses gelangt aus mehreren Quellen ins Reservoir und wurde von hier in den Weiler Dentenberg hochgepumpt. Weil der für Trinkwasser zulässige Nitratwert überschritten wurde, ist das Reservoir seit längerem nicht mehr in Betrieb. Seither wird Dentenberg mit Trinkwasser aus Muri versorgt, und das Reservoir diente fortan als Löschreserve für die Feuerwehr. Diese Reserve ist nun ebenfalls nicht mehr nötig. Deshalb haben die Gemeindebehörden beschlossen, die Anlage zu verkaufen.

«Unser kostbarstes Gut»

«Das Reservoir liegt in der Landwirtschaftszone und kann nur als Wasserreservoir und Pumpwerk weiterverwendet werden», heisst es im Verkaufsinserat. Als Laie fragt man sich: Wer braucht schon Reservoir mit Pumpwerk? Auch Gemeindepräsident Walter Schilt hat die Frage schon gehört. Er antwortet: «Es gibt mehr Interessenten, als Sie vielleicht denken.»

«Wasser ist unser kostbarstes Gut», sagt Schilt. Gerade der vergangene Sommer habe gezeigt, welche Folgen fehlende Niederschläge hätten. Das Quellwasser, das ins Reservoir fliesse, könnte etwa für die Bewässerung der Felder genutzt werden. Aus der Landwirtschaft seien denn auch schon Anfragen gekommen. Nun warten die Gemeindebehörden konkrete Angebote ab und entscheiden dann über den Verkauf. Preisvorstellungen nennen sie keine. «Das Wichtigste ist, dass das Wasser wieder genutzt wird.»

Möglichst bald verkaufen

Der Nitratwert des Dentenberger Wassers wurde schon länger nicht mehr überprüft. Allenfalls wäre das Wasser heute sogar wieder trinkbar. Trotzdem wird das Reservoir so oder so nicht mehr an die Trinkwasserversorgung angeschlossen. Denn sonst müsste die Gemeinde im Bereich der Quellen Schutzzonen ausscheiden, die Landwirte in den Schutzzonen müssten entschädigt und die Strassen entwässert werden. «Dieser Aufwand wäre zu gross», sagt Hans Moser.

Dann machen sich Gemeinderat Hans Moser und Gemeindepräsident Walter Schilt wieder auf den Weg nach draussen. Moser löscht das Licht und schliesst die hellblaue Tür ab. Schilt schaut ihm zu. «Wir möchten den Verkauf bald über die Bühne bringen», sagt er. Sodass das Dentenberger Wasser allenfalls schon diesen Sommer nicht mehr ungenutzt im Bächlein talwärts fliesst.

Berner Zeitung

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