Wegen Vandalen: Geschäft verlässt die Lorraine

Bern

Die Betreiberin der Firma Bestswiss hat genug von Farbanschlägen und wirft das Handtuch.

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Michael Bucher@MichuBucher

Anita Di Domenico hat genug. «Wir wollen nicht mehr den Kopf hinhalten müssen für randalierende Gentrifizierungsgegner», sagt die Geschäftsführerin der Firma Bestswiss, die in der Berner Lorraine einen Showroom betreibt. Zusammen mit der Liegenschaftsverwaltung sucht sie einen Nachmieter – obwohl ihr Mietvertrag noch drei Jahre weiterlaufen würde. Dies machte der «Bund» am Montag publik.

Di Domenicos Ärger ist durchaus nachvollziehbar. Seit sie mit ihrer Firma, die auf die Vermarktung von Schweizer Produkten spezialisiert ist, vor zwei Jahren an die Lorrainestrasse 25 gezogen ist, gab es dort mehrere Farbanschläge.

Der jüngste von Mitte Juli brachte das Fass zum Überlaufen, als die Vandalen nebst den Schmierereien auch noch die Glasfront des Geschäfts einschlugen. Diese ist bis heute nicht ersetzt – die Herstellung und Anlieferung der Spezialfenster ist kompliziert. «Wir können unserer Arbeit nicht mehr richtig nachgehen», sagt Di Domenico hörbar frustriert.

Kameras und Ketten

Bitter ist für die Betreiberin, dass die Anschläge gar nicht ihrem Geschäft gelten, sondern dem 10-Millionen-Franken-Neubau an sich. Eigentümer der Liegenschaft auf dem Serini-Areal ist Stefan Berger, der in der Lorraine mehrere Häuser besitzt.

Militante Gentrifizierungsgegner sehen in dem Wohnblock mit Gewerbeflächen im Erdgeschoss ein Symbol für überteuerte Mieten und Verdrängung der alteingesessenen Quartierbevölkerung. Sie könne die Kritik an angeblich überzogenen Mieten ja nachvollziehen, so Anita Di Domenico, «aber den Kampf für bezahlbaren Wohnraum muss man anders führen, nämlich demokratisch», findet sie.

«Wir sind nicht blauäugig hierhergezogen», sagt die in Bern aufgewachsene Geschäftsfrau. Sie wisse, dass in der Lorraine viel gesprayt wird, «doch das hier geht definitiv zu weit.» Was bei ihr zudem Unbehagen auslöst, sind die zunehmenden Schutzvorkehrungen des Besitzers.

Mehrere Kameras sind an der Fassade installiert, und rund ums Geschäft stehen Betonsockel, die mit Eisenketten verbunden sind. «Überwachung und Abschottung passt nicht zu einem Showroom, der einladend wirken sollte», sagt Anita Di Domenico. Abschrecken lassen sich die Vandalen dadurch offenbar auch nicht.

Kritik an Quartierverein

Der Quartierverein verurteilt im «Bund» die Angriffe und bedauert den geplanten Auszug. Johannes Wartenweiler, SP-Stadtrat und Quartierbewohner, bringt in dem Artikel den Wunsch an, es möge doch ein Geschäft einziehen, «das im weitesten Sinne der Quartierversorgung dient». Anita Di Domenico findet das «eine ziemlich arrogante Haltung» und fügt an: «Ich finde es anmassend, dass Anwohner bestimmen wollen, wer in ihrem Quartier geschäften darf und wer nicht. Das sollte Sache des Vermieters sein.»

Berner Zeitung

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