Weiteres Legat im Kunstmuseum unter Raubkunstverdacht

Ein bisher unver­öffentlichter Bericht zeigt: Das Kunstmuseum Bern beschäftigt sich nicht nur beim Gurlitt-Erbe mit Raubkunst.

Unter Raubkunstverdacht: Das Legat von Georges F. Keller im Kunstmuseum Bern.

Unter Raubkunstverdacht: Das Legat von Georges F. Keller im Kunstmuseum Bern. Bild: Christian Pfander

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Am Donnerstag eröffnet das Kunstmuseum Bern zusammen mit der Kunsthalle Bonn in Berlin eine weitere Gurlitt-Ausstellung. Besonders in Deutschland ist Gurlitt noch immer ein Politikum, und so verwundert es nicht, dass die Berliner Bilderschau unter der Schirmherrschaft von Bundesrat Alain Berset steht.

Das Erbe Gurlitt fasziniert – und mit ihm das Thema Raubkunst: Der Verdacht kreist wie ein Geier über all jenen Bildern, die während des Zweiten Weltkriegs gehandelt wurden. Erhärtet sich ein Verdacht, müssen unter Umständen Bilder zurückgegeben werden.

Das betrifft im Kunstmuseum Bern indes nicht nur die Bilder, die Cornelius Gurlitt dem Haus per Testament vermacht hat. Ein noch unveröffentlichter Bericht zeigt, dass bei einem weiteren ­bedeutenden Vermächtnis Forschungsbedarf besteht, wie Radio SRF am Mittwoch berichtete. Eines der gewichtigsten Legate in der Geschichte des Hauses erweise sich als problematisch: jenes von Georges F. Keller (1899–1981).

Der schweizerisch-französisch-brasilianische Kunsthändler vermachte bei seinem Tod seine Sammlung dem Kunstmuseum Bern. Unter den Dutzenden Werken sind Gemälde von Cézanne, Matisse, Modigliani, Picasso und Renoir.

Heute gilt Georges F. Keller als «Red Flag Name»: Wo sein Name auftaucht, ist der Raubkunstverdacht nicht weit. Keller hielt sich während der deutschen Besatzung in Paris auf und arbeitete dort mit dem Kunsthändler Étienne Bignou zusammen, der nachweislich mit den Nationalsozialisten kollaborierte.

Laut Provenienzforscherin Nikola Doll vom Kunstmuseum Bern beteiligten sich Keller und Bignou gemeinsam an der Arisierung einer jüdischen Galerie in Paris. Nun muss das Museum die Werke aus Kellers Legat überprüfen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.09.2018, 16:38 Uhr

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