Zum Hauptinhalt springen

Welches Spiel treiben die SBB im Intranet?

Im Gerangel um den Fernverkehr haben die SBB das Intranet entdeckt. Kadermann Toni Häne bezog gleich zweimal Position gegen die Pläne der BLS. Von einem unsauberen Spiel will die Bahn trotzdem nicht reden.

Würden sich SBB und BLS eine Werkstätte zur Wartung ihrer Züge teilen, könnte ein Neubau im Chliforst überflüssig werden.
Würden sich SBB und BLS eine Werkstätte zur Wartung ihrer Züge teilen, könnte ein Neubau im Chliforst überflüssig werden.
Keystone

Die Geschichte begann vorletzte Woche am Freitag, als im Intranet der SBB ziemlich überraschend ein Interview mit Toni Häne auftauchte. Der Leiter Personen­verkehr durfte erstmals einer breiteren Öffentlichkeit kundtun, wie sehr die SBB im Fern­verkehr an einer Zusammenarbeit mit der BLS interessiert sei. Er tat dies mit Blick darauf, dass um die Neuvergabe der Konzessionen ein Gerangel im Gange war.

Und dass den beiden Bahnen die Zeit für eine einvernehmliche Lösung davonlief: Bis am 9. September, knapp einen Monat später, sollten sie sich entweder geeinigt – oder aber dem Bund je ihr Konzessionsbegehren zum Entscheid vorgelegt haben.

Die Geschichte schlug hohe Wellen, zumal Häne anfügte, dass bei einer Kooperation die umstrittene BLS-Werkstätte Chliforst im Westen Berns überflüssig würde. Wo man doch von den SBB bislang gehört hatte, in ihren Anlagen sei kein Platz für die Züge der BLS – die Kritik über den Gesinnungswandel wurde so laut, dass sich Häne nochmals vernehmen liess: Letzte Woche, wieder am Freitag und wieder im Intranet, stellte er klar, dass es den SBB wirklich ernst sei: «Wir haben der BLS ein sehr konkretes und detailliertes Angebot unterbreitet.»

Rasch in der Öffentlichkeit

Und gestern? Fast war man versucht, am dritten Freitag in dieser Geschichte auf ein erneutes Votum aus der Chefetage des SBB-Personenverkehrs zu warten – doch Sprecher Christian Ginsig winkt ab. Auf entsprechende Fragen antwortet er: Nein, den SBB gehe es gar nicht darum, im Wochentakt den Druck auf die BLS zu erhöhen und sich gleichzeitig vor dem entscheidenden Ver­fahren beim Bund möglichst gut in Position zu bringen.

Hänes doppelten Auftritt erklärt Ginsig ganz anders. Das erste Interview sei «eine reine Prozesskommunikation aufgrund vieler Anfragen von Mitarbeitenden» gewesen, das zweite als Reaktion auf die laute Kritik und als «SBB-interne Einschätzung aus Sicht Arbeitgeberin» zu verstehen. Letzteres streicht er besonders hervor: Hänes Aussagen hätten sich nur an die Mitarbeiter gerichtet. Es liege den SBB fern, über den inoffiziellen Kanal gezielt Nachrichten zu streuen – obwohl, zugegeben, klar sei, dass Inhalte aus dem Intranet nur zu gern weitere Kreise zögen.

Grosse Arbeitgeberin

Im Ton zwar moderat, aber doch unüberhörbar kritisch stimmte ebenfalls letzte Woche der Berner Regierungsrat in die Kritik ein. Er zeigte sich erstaunt über das SBB-Angebot zur Werkstätte und verlangte umso nachdrücklicher «detaillierte und konkrete Vorschläge für die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit».

Dieser Verlautbarung widmet Häne im zweiten Interview gleich zwei Passagen. Er betont, man habe «von Anfang an immer alles transparent auf den Tisch gelegt». Und er kann es sich nicht verkneifen, daran zu erinnern, dass die SBB im Kanton Bern mit über 6500 Arbeitsplätze präsent seien, derweil die BLS gerade mal deren 2800 biete. Wie genau aber die SBB das Werkstättenproblem der BLS lösen wollen, erläutert Sprecher Ginsig nach wie vor nicht ge­nauer.

Er erinnert daran, dass zur Sache ja eigentlich allseitiges Stillschweigen vereinbart wäre. Zum Hinweis auf die Arbeits­plätze sagt er: Häne habe klar­machen wollen, dass neben der BLS auch die SBB ein bedeutender Anbieter im öffentlichen Verkehr des Kantons Bern seien.

Deshalb wird auch die BLS nicht allzu ausführlich. Sprecher Matthias Abplanalp hält all jenen entgegen, die in der Kooperation mit den SBB die weniger riskante Alternative sehen: Dieses Modell untergrabe den Wettbewerb der Ideen und laufe dem Konzept des Bundes zuwider, der bewusst auf mehrere Bahnen setze. Berechnungen hätten überdies ergeben, dass sich der Fernverkehr für die BLS lohne.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch