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Wenn Bern die zweitgrösste Stadt der Schweiz wäre

Der Verein «Bern neu gründen» skizziert in der Studie «Bausteine für die Stadtregion Bern 2030» ine Grossfusion in der Agglo Bern. Über die Realisierung macht er sich keine Illusionen – und hält am Fernziel fest.

Würden zwölf Gemeinden fusionieren, so würde die Stadt Bern zur zweitgrössten Stadt in der Schweiz werden. Derzeit liegt sie auf Platz fünf.
Würden zwölf Gemeinden fusionieren, so würde die Stadt Bern zur zweitgrössten Stadt in der Schweiz werden. Derzeit liegt sie auf Platz fünf.
Keystone

Es ist ja nicht so, dass es ein dringendes Anliegen der Gemeinden rund um Bern wäre, sich mit der Stadt zu einem Grossraum zu vereinigen. Kein Gemeindepräsident, der bei Trost ist und sein Amt behalten will, setzt sich dafür ein. Das hindert den Verein «Bern neu gründen» nicht daran, kühn ein Gross-Bern im Jahr 2030 zu entwerfen. Es sieht so aus: Bern und seine 11 Nachbargemeinden fusionieren zur zweitgrössten Stadt der Schweiz mit 245000 Einwohnern und 190'000 Arbeitsplätzen. Als Ort gebündelter Kräfte macht sie im Standortwettbewerb mächtig Boden gut.

Raum Bern im Gegenwind

«Bern neu gründen» ist kein Verein von abgehobenen Träumern. Co-Präsidentin Regula Rytz kennt als frühere Stadtberner Gemeinderätin den zähen Gang des Wandels. Dennoch setzt sich der Verein nach dem Prinzip «Steter Tropfen höhlt den Stein» für einen vereinigten Stadtraum Bern ein. An seiner Medienkonferenz vom Donnerstag präsentierte er die Studie «Bausteine für die Stadtregion Bern 2030», die die Debatte über einen Zusammenschluss und eine gemeinsame Identität im Grossraum Bern in Gang setzen soll.

Die Studie erarbeitet hat das Berner Büro Ecoplan. Auch wenn es den Gemeinden im Grossraum Bern heute gut gehe, erklärte Studienleiter Felix Walter gestern, stünden sie vor Herausforderungen, die eine verstärkte Kooperation nötig machten. Walter nannte die Verflechtung der Infrastruktur oder die steigenden Kosten, die im unterdurchschnittlich wachsenden Raum Bern erst recht zu Buche schlügen.

Wo Koordination nötig ist

Im Perimeter der 11 Gemeinden, die an die Stadt Bern angrenzen, evaluiert die Studie in einer Auslegeordnung, wo ein Potenzial für eine gemeindeübergreifende Kooperation besteht. Das sind laut den Studienautoren die Planung, die Raum- und Verkehrspolitik, der Auftritt als Wirtschaftsstandort, die Bewirtschaftung von Sportanlagen, die Alters- und Jugendpolitik sowie die regionale Energiepolitik, die nach der Stilllegung des AKW Mühleberg virulent wird.

Sodann werden in der Studie Modelle der Kooperation evaluiert. Zielführend wären für die Studienautoren entweder thematische Teilkonferenzen im Rahmen der Regionalkonferenz Bern-Mittelland oder eine Gemeindefusion. Skizziert werden eine Grossfusion aller 12 Gemeinden oder eine kleinere Fusion von Bern, Köniz, Frauenkappelen, Ostermundigen, Muri und Zollikofen.

In einer Begleitgruppe, in der 8 der 12 aktuellen Gemeindepräsidenten des Grossraums Bern vertreten waren, diskutierten die Studienautoren auch Bedenken gegen eine Fusion. Diese beginnen schon bei der angenommenen gemeinsamen Steueranlage von 1,45. Für die Steueroasen Muri oder Ittigen würde sie eine Verschlechterung bedeuten, für die übrigen Gemeinden nur eine minimale Verbesserung.

Informelle kleine Schritte

Der Verein «Bern neu gründen» will laut seinem Co-Präsidenten Hannes Treier, Unternehmer und FDP-Politiker in Muri, mit seiner Studie nicht den Fusionsturbo zünden. Er fordert auch nicht neue Strukturen und Gremien wie die Regionalkonferenz oder Hauptstadtregion. Der Verein setzt vielmehr auf kleine Schritte und eine schlanke informelle Kooperation. Diese tut not. Im Verein mitwirkende Gemeindepolitiker warnten gestern davor, dass angesichts der wachsenden Arbeitslast und der komplexeren Aufgaben immer weniger Zeit für das gemeindeübergreifende Gespräch bleibe – obwohl es immer mehr Koordinationsbedarf gebe.

Es gibt einen symbolträchtigen Ausdruck dieses Dilemmas: Am Armadacup auf dem Wohlensee ruderten in den letzten Jahren die Gemeindepräsidenten des Grossraums Bern gemeinsam in einem Boot. Mangels Sponsor wird dieses 2015 aber nicht mehr antreten. Immerhin lädt der Wohlener Gemeindepräsident Bänz Müller morgen seine 11 regionalen Amtskollegen zu einem Treffen ein. Über eine Fusion werden sie nicht verhandeln. Bis es so weit ist, muss «Bern neu gründen» mit langem Atem weiter lobbyieren – und abwarten, dass die lokal verwurzelten älteren Generationen jüngeren, mobileren Generationen Platz machen.

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