Widerstand gegen Bauprojekt

Grossaffoltern

Eine Berner Firma will auf dem Styg­acher-Areal in Grossaffoltern acht Mehrfamilienhäuser realisieren. Dagegen regt sich nun Widerstand aus der Nachbarschaft.

«Ich bin es, dessen Liegenschaft quasi zubetoniert wird, wenn das Projekt tatsächlich zu­stande kommt», sagt Anwohner Kurt Loder.

«Ich bin es, dessen Liegenschaft quasi zubetoniert wird, wenn das Projekt tatsächlich zu­stande kommt», sagt Anwohner Kurt Loder.

(Bild: Susanne Goldschmid?/?BT)

Acht Mehrfamilienhäuser, eine grosse Spielwiese und eine Einstellhalle: So sieht das Projekt aus, das eine Berner Firma auf dem Stygacher-Areal am Rand von Grossaffoltern realisieren will. Dafür muss das Baureglement angepasst werden. Und dagegen regt sich jetzt Widerstand im Dorf.

«Überbauung Stygacher-Subergstrasse Grossaffoltern nein» ­lautete die Überschrift in einem Inserat im «Anzeiger Aarberg». Durch die Überbauung werde Kulturland zerstört, die Zer­siedelung gefördert, das Ortsbild und der Landschaftsschutz vernachlässigt, heisst es weiter.

Eigentümer wehrt sich

Unterzeichnet ist die Anzeige von der IG Stygacher nein. Initiiert wurde sie von Kurt Loder, Burger von Grossaffoltern und Eigen­tümer eines Zweifamilienhauses an der Subergstrasse 22, das direkt an die Parzelle Stygacher grenzt. «Ich bin es, dessen Liegenschaft quasi zubetoniert wird, wenn das Projekt tatsächlich zustande kommt», sagt er.

Dabei störe es ihn nicht nur, dass Mehrfamilienhäuser gebaut werden sollen und nicht, wie in der ursprünglichen Überbauungsordnung vorgesehen, Einfamilien- und Reihenhäuser. «Mich stört vor allem, dass ein solch grosses Projekt von der Gemeinde nicht aktiver kommuniziert wird.» Auch er, der zwar Eigentümer ist, aber selbst in Lyss wohnt, habe nur per Zufall die Mitteilung im «Anzeiger Aarberg» gesehen.

Die fehlende Kommunikation ist jedoch nicht das Einzige, was Loder am Projekt Stygacher bemängelt. Er fragt sich, welches Ziel die Gemeinde mit dem Bau von Mehrfamilienhäusern an dieser Lage verfolgt. Vor zehn Jahren habe es eine Umfrage gegeben, in der die Gemeinde die Grundbesitzer gefragt habe, wie diese sich die Entwicklung des Dorfes vorstellten.

«Daraus ging hervor, dass man langsam wachsen und den ländlichen Charakter beibehalten will.» Für eine Gemeinde wie Grossaffoltern, die ohne die dazugehörigen Dörfer Suberg, Ammerzwil, Kosthofen, Vorimholz, Ottiswil und Weingarten bloss über knapp tausend Einwohner verfüge, sei das «ein überdimensioniertes Projekt».

Dass sich die Ortsgestaltungsziele mit der Revision des nationalen Raumplanungsgesetzes geändert haben und einer Zersiedelung à la Einfamilienhäuschen entgegengewirkt werden soll, lässt Loder nicht als Argument gelten, auch wenn die Gemeinde dies im Erläuterungsbericht explizit anführt. «Mit verdichtetem Bauen hat das doch nichts zu tun», findet er. Das Areal befinde sich am Rand des Dorfes.

Fünf Einsprachen

Um das Projekt zu stoppen, hat Loder Einsprache gegen die Änderung der Überbauungsordnung erhoben. Und er ist nicht der Einzige. Fünf Einsprachen, primär von Privatpersonen, sind bei der Gemeindeverwaltung bis zum 26. März eingegangen, wie diese auf Anfrage mitteilt.

Auf die Fragen und Vorwürfe von Kurt Loder angesprochen, sagt Luca Pfeiffer, stellvertre­tender Gemeindeschreiber von Grossaffoltern, dass man dazu noch keine Stellung nehmen könne. Damit Auskunft gegeben werden könne, müssten erst die Einsprachen und deren Inhalt und Form umfassend geprüft werden.

Sollten die Einsprachen in angemessener Zeit bereinigt oder abgelehnt werden, kommt es voraussichtlich am 4. Juni zum Showdown. Dann stimmt die Bevölkerung an der Gemeindeversammlung über eine Anpassung des Baureglements ab.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt