Wie gefährlich sind die Schlangen in Berner Gewässern?

Am Mittwoch sichtete ein Mann beim Baden im Thunersee eine über ein Meter lange Schlange. In Berner Gewässern keine Seltenheit, sagt ein Reptilien-Experte.

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Christoph Albrecht

Eigentlich wollte Nathan Stucki am Mittwochmorgen nur auf einen kurzen Schwumm in den Thunersee. Als er sich vom Ufer in Gwatt ins kühle Nass aufmacht, vergeht ihm aber die Lust – auf dem Stein sonnt sich eine über ein Meter lange Schlange.

«Ich bin richtig erschrocken», sagt der junge Thuner gegenüber der Pendlerzeitung 20 Minuten. Die Schlange stellte sich zwar als für Menschen harmlose Ringelnatter heraus, ein mulmiges Gefühl sei jedoch geblieben.

Entlang der Aare weit verbreitet

So gefürchig die Begegnung mit einer Schlange beim Baden auch sein mag – eine Seltenheit ist sie nicht. «Das ist eine typische Situation in Schweizer Gewässern», sagt Andreas Meyer von der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz (KARCH) auf Anfrage.

Die Ringelnatter sei die am weitesten verbreitete Schlangenart im Land. Besonders in der Nähe von Gewässern fühle sie sich wohl. Ob im Thunersee oder entlang der Aare: «Im Kanton Bern trifft man diese Schlange oft an.»

Spektakuläres Abwehrverhalten

Dies allerdings nicht nur am Ufer, sondern auch im Wasser. Denn: «Die Ringelnatter schwimmt sehr gerne und gut», so der Reptilien-Experte. Bis zu 20 Minuten lang könne sich die Schlange zudem unter Wasser halten.

Grund zur Beunruhigung gibt es für Schwimmer, die beim Baden auf die Ringelnatter treffen sollten, aber nicht: «Sie ist vollkommen ungiftig und würde nicht einmal beissen, wenn man sie in die Hand nehmen würde», sagt Meyer.

Dass die Schlange, die sich hauptsächlich von kleinen Fischen, Fröschen und Kröten ernährt, einem Laien durchaus Angst einflössen kann, versteht der Experte aber. «Die Ringelnatter hat ein ziemlich spektakuläres Abwehrverhalten.» Fühle sie sich bedroht, blase sie sich auf, mache einen flachen Kopf und zische laut.

Sekret statt Biss

«Anstatt zu beissen verspritzt sie in Gefahrensituationen ein stinkendes Sekret», so Meyer weiter. Dieses sei aber ebenfalls harmlos. «Möglich ist auch, dass sie einfach die Zunge heraushängen lässt und sich tot stellt.»

Die Ringelnatter ist eine von insgesamt acht Schlangenarten, die in der Schweiz vorkommen. Sechs davon sind ungiftig und völlig harmlos. Aber: Es gibt auch zwei giftige Viperarten, die hierzulande anzutreffen sind, die Aspisviper und die Kreuzotter.

Giftschlangen gibts auch im Berner Oberland

Sie leben allerdings fast ausschliesslich in Berggebieten – auch im Berner Oberland. «In der Nähe eines Bergsees kann man durchaus auf die eine oder andere Art treffen», so Meyer. Die beiden Giftschlangenarten seien aber scheu und würden sich in der Regel sofort in ein Versteck zurück ziehen, wenn sie einen Menschen wahrnehmen.

«Weder die Kreuzotter noch die Aspisviper jagen aber im Wasser», so Meyer weiter. Für Schwimmer – gerade in Gewässern im Mittelland – besteht daher keine Gefahr. «Die Wahrscheinlichkeit, dass man beim Baden auf eine Viper trifft, ist praktisch gleich null.»

berneroberlaender.ch/Newsnetz

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