Wie Mühleberg den Bielersee heizt

Wenn die BKW 2019 ihr Atomkraftwerk in Mühleberg abschaltet, kompensiert sie zehn Jahre Klimaerwärmung – wenigstens im Bielersee.

Nach der Stilllegung des Kernkraftwerks Mühleberg kann die Abkühlung des Bielersees im Winter an gewissen Stellen mehr als drei Grad erreichen.

Nach der Stilllegung des Kernkraftwerks Mühleberg kann die Abkühlung des Bielersees im Winter an gewissen Stellen mehr als drei Grad erreichen.

(Bild: Swiss Image)

Kernkraftwerke schützten das Klima, weil sie – im Unterschied zu Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken – kein CO2 und damit keinen Treibhauseffekt erzeugen. Mit diesem Ar­gument kämpft die Atomlobby für die Nutzung der «sauberen» Atomenergie. Die Umweltlobby kontert, mit Energiesparen liessen sich der CO2 und die Klimaerwärmung weit stärker vermindern als mit risikoreicher Atomkraft.

Die alte Kontroverse, die stets in einem Patt endet, verdeckt einen andern Befund: Auch Atomkraftwerke heizen das Klima auf, und zwar direkt. Denn sie wandeln ihre Primärenergie, das Uran, nur zu einem Drittel in nutzbare Elektrizität um. Zwei Drittel verpuffen als Wärme, entweder über einen Kühlturm in die Luft oder direkt in den kühlenden Fluss. Diesen Befund rückt jetzt eine Studie der ETH Lausanne in ein neues Licht.

Im Durchschnitt um 0,3 Grad kühler

Die Autoren der Studie zäumen den Esel am Schwanz auf. Sie untersuchten nämlich mit einem an Seen international erprobten Modell, was lokal passiert, wenn die BKW Energie AG ihr Kernkraftwerk Mühleberg westlich von Bern im Jahr 2019 stilllegt und damit die Aare sowie die nachfolgenden Gewässer nicht mehr aufheizt. Das Resultat: Der Bielersee, in den die Aare fliesst, wird danach im Jahresdurchschnitt um 0,3 Grad Celsius ­kühler. Im Winter kann die Abkühlung an gewissen Stellen mehr als drei Grad erreichen. Auch im weiteren Verlauf der Aare bleibt eine messbare Ab­kühlung.

In den Medien und bei der be­troffenen Bevölkerung stiess die schon im Mai veröffentlichte Studie auf wenig Resonanz. Denn eine starke Bise wirkt sich auf das sommerliche Bad im Bielersee weit stärker aus als der weg­fallende Reaktor in Mühleberg. Auch klimapolitisch ist das Re­sultat der Studie nur begrenzt von Belang. Denn die Autoren rechneten aus, dass die den Bielersee kühlende Wirkung, welche die Stilllegung des AKW Mühleberg bewirkt, durch die lang­fristige Klimaerwärmung schon innerhalb von zehn Jahren wieder kompensiert wird. Daran wird auch der Weiterbetrieb der Atommeiler in Gösgen, Beznau und Leibstadt nichts ändern.

Fazit: Unabhängig davon, ob sie laufen oder abgestellt werden: Der Einfluss der Atomenergie auf das globale Klima ist und bleibt wenig relevant. Wollen wir das Klima wirklich schützen, müssen wir statt des Autos das Velo be­nützen.

Berner Zeitung

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