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«Wir sind Partychristen, wir machen Party für Jesus»

Nach den Anschuldigungen gegen die Freikirche ICF hat bernerzeitung.ch ein Interview mit einem Mitglied des International Christian Fellowship gemacht. Der Berner Christian Studer äussert sich dazu, ob ICF wirklich eine Sekte ist.

Stimmen die Vorwürfe, dass ICF sektenhafte Züge hat?Ich habe keine Ahnung woher das stammt, man kann es sogar im Internet lesen. ICF ist alles andere als eine Sekte, wir unterliegen keinem Zwang. Bei uns kann man kommen und gehen wann man will und wird zu nichts gedrängt, nicht einmal zu Jesus. Man muss auch nicht in ein Schema passen.

Sektenkenner Georg Schmid unterstellt der Freikirche einen autoritären Führungsstil. Habt ihr eine Hierarchie?Wir sind überhaupt nicht undemokratisch, es gibt keinen Chef. Wenn es überhaupt eine Autorität gibt, dann wäre das Gott.

Was sind Ihre Beweggründe gewesen, der Kirche beizutreten?Ich hatte eine schlechte Lebensphase und keinen Job. Mein Bruder ist schon länger dabei und wollte mich mitnehmen. Ich habe mich aber vehement dagegen gewehrt. Ich ging dann trotzdem an eine Sitzung und war begeistert. ICF hat mich verändert, es ist jedoch eine positive und schöne Veränderung. Die Freikirche öffnet Türen, hindurch gehen muss man aber selber. Zudem gefallen mir die mit Musik gestalteten Predigten. Ich liebe Musik.

Was ist Gott für Sie, welche Bedeutung hat der Glaube?Der Glaube bedeutet mir viel. Durch den Glauben habe ich angefangen, meine Mitmenschen besser zu behandeln. Die zwischenmenschlichen Werte, die die Bibel vermittelt, versuche ich so gut es geht umzusetzen. Ausserdem gibt mir der Glaube Kraft und Unterstützung im Alltag. Ich verurteile aber niemanden, der nicht glaubt und ein anderes Leben führt. Wie könnte ich auch? Ich habe selber eine Vergangenheit, die nicht wirklich christlich ist. Jeder sollte, wenn überhaupt, durch seinen freien Willen zu Gott finden.

Es wird ja viel getanzt, haben sich die Predigten nicht ein wenig zu einer Unterhaltungsshow gewandelt?Die Unterhaltung dient dazu, neue Leute für die Kirche zu gewinnen. Aber das ist ja nicht schlimm. Eine Predigt soll schön sein und begeistern können. Es ist halt nicht so langweilig wie die normale Kirche: Wer kennt es nicht, wenn man in den Kirchenbänken fast einschläft. Das soll jetzt aber nicht heissen, dass ich die konventionelle Kirche schlecht finde. Jeder soll seinen Glauben auf seine Weise ausleben können. Wir tun das, indem wir Partys machen und Gott zelebrieren. Wir sind Partychristen, wir machen Party für Jesus. Die Songs sind aber nicht vulgär sondern behandeln alle die Preisung Gottes.

Verliert ICF nicht an Glaubwürdigkeit wenn sie einerseits Keuschheit predigt, aber dann mit leichtbekleideten Frauen lockt?Wir haben keine leichtbekleideten Frauen, die an der Stange tanzen. Das ist an den Haaren herbeigezogen. Kaum wird der Glauben unkonventionell ausgelebt, fangen Leute an, Dinge hinein zu interpretieren. Ich finde es schade, dass gebildete Leute ihre Meinung kund tun, ohne sich wirklich mit ICF beschäftigt zu haben.

Wie weit geht der biblische Bezug in den Predigten?Es dreht sich fast alles um die Bibel, schliesslich ist es ja eine Freikirche. Wichtig ist die Besinnung auf die wahren Werte, die die Bibel vermittelt, wie beispielsweise Nächstenliebe. Doch werden viele Zitate aus der Bibel neu interpretiert und mit Beispielen aus dem alltäglichen Leben anschaulich gemacht. Diese Interpretationen werden aber nicht als die einzig Wahren angeschaut, es soll eher ein Gedankenanstoss sein. ICF ist eine neuzeitliche Kirche und die Predigten sind unkonventionell und modernisiert.

Ist Sex vor der Ehe verboten? Wenn ja, halten Sie sich daran?Sex vor der Ehe ist nicht verboten, es wird einem nur nahegelegt, die Sexualität nicht zu intensiv auszuleben. Die meisten von uns versuchen, so gut es geht nach der Bibel zu leben und damit authentisch zu sein. Da geht es natürlich nicht, wenn man jedes Wochenende Sex mit einer anderen Person hat. Ich persönlich versuche, seit meinem Beitritt keusch zu sein. Allerdings bin ich auch nur ein Mensch und die Versuchung ist manchmal einfach zu gross.

Trinken die Mitglieder Alkohol, werden Drogen konsumiert?Wir trinken Alkohol, aber Orgien werden nicht durchgeführt. Weder mit Alkohol, noch mit Drogen. Letzteres ist gänzlich verboten.

Müssen Sie einen Beitrag bezahlen?Nein, es gibt keine obligatorischen Beiträge die man entrichten muss. Wenn man will, kann man als Mitglied spenden. Die meisten tun das auch, da ihnen ICF geholfen hat.

Ist es in Ordnung, wenn Freikirchen untereinander einen Konkurrenzkampf um Mitglieder haben wie Unternehmen in der freien Marktwirtschaft?Alle können selber entscheiden, in welcher Freikirche sie sein wollen. ICF ist schlau und betreibt gute PR. Die Mitglieder anderer Kirchen, die zu uns kommen, tun dies aus freiem Willen. Wenn ein Musiker Werbung für sein neues Album macht, heisst das ja auch nicht, dass man es kaufen muss.

Was bezweckt ICF?ICF will möglichst viele Menschen für Jesus und Gott begeistern. Das Hauptziel ist es, vor allem den jungen Leuten den Glauben wieder näher zu bringen. Ihr Motto ist: «Kirche neu erleben.»

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