«YB soll aufhören zu jammern»

Soll YB auf der Allmend ein Trainingsgelände bauen dürfen? Unsere Redaktoren Christoph Hämmann und Fabian Ruch kreuzen die Klingen.

Schon 2007 zogen die Young Boys zogen auf der Berner Allmend ihre Runden. Am selben Ort möchte der Verein seinen neuen Campus bauen.

Schon 2007 zogen die Young Boys zogen auf der Berner Allmend ihre Runden. Am selben Ort möchte der Verein seinen neuen Campus bauen. Bild: Andreas Blatter

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Contra von Christoph HämmannRedaktor im Ressort Stadt Bern

«YB soll aufhören zu jammern – die Stadt schuldet dem Club nichts»

Für die Meisterfeier von morgen liessen sich die Behörden von YB dazu anstiften, das Gesetz auszuhebeln. ­Dabei überbot man sich mit hanebüchenen ­Begründungen: So wie Fussball sei auch eine Meisterfeier traditionsreich und ­deshalb am Pfingstsonntag be­­willigungs­fähig, argumentierten die Behörden. Und YB tat so, als sei es entscheidend, sieben statt nur sechs Tage vor dem Cupfinal zu feiern.

Dabei gibt es nur einen Grund, wieso YB auf Sonn- statt Montag drängte: weil der Verein sehr viel mehr Bier verkauft, wenn kein Werktag folgt. «Lob an die Behörden», schrieb YB, als die Bewilligung vorlag. Lob? Wenn schon wäre Dank angezeigt gewesen.

Droht da ein Club in Arroganz zu kippen, der sich gerade als ­bodenständig feiern lässt? Jedenfalls zeigt die Episode, wie dezidiert YB – unterstützt von der Lobbyagentur Furrer­hugi – für seine Interessen kämpft. Dazu passt, wie es dem Club gelang, selbst in Jubel­berichten am Tag nach der Meisternacht unter­zubringen, wie katastrophal die Trainings­bedingungen seien. Wann würde ein gelb-schwarzer Hilferuf besser verfangen als in der aktuellen Euphorie?

Doch aller Meisterfreude zum Trotz: Es wäre falsch, YB einen Teil der Grossen Allmend exklusiv zu überlassen. Die Situation ist simpel: Der Druck auf das Gelände ist schon heute riesig. Daran ändern auch gelegentliche Leerzeiten nichts. Ein Freiraum erfüllt seine Funktion bereits als Möglichkeitsraum – wie soll jemand jemals auf die Idee kommen, einen Drachen steigen zu lassen, wenn alles zugestellt ist?

Doch auch ganz nüchtern stellt sich die Frage, wie ein YB-Campus auf der Allmend mit American Football, Cricket oder grossen Spielnachmittagen vereinbar sein soll. Sollen alle diese Nutzungen und Möglichkeiten geopfert werden, bloss weil dies für YB gerade so praktisch wäre?

Alle städtischen Fussballclubs müssen Abstriche machen bei ihren Platzbedürfnissen. In einer wachsenden Stadt bleibt dies eine Herausforderung – im Breitensport allerdings viel mehr als im Spitzensport.

Kommt hinzu, dass die Situation selbst verschuldet ist: YB hatte einmal auf dem Stadion­gelände Trainingsplätze und ­opferte sie einem Einkaufszen­trum. Danach scheiterten Campuspläne der Reihe nach in Schönbühl, Rubigen und Bolligen. Vor diesem Hintergrund sollte YB aufhören zu jammern und zu fordern – und sich in demokratische Prozesse einfügen, so wie alle anderen.

Hämmann (links) gegen Ruch, unsere Redaktoren im Meinungsstreit

Pro von Fabian RuchRedaktor im Ressort Sport

«Von einem YB-Trainingscenter würde die ganze Sportstadt profitieren»

Die Fussballplatzproblematik ist eine Schande für Bern. Es existieren viel zu wenig Spielfelder, die Clubs leiden darunter, weil Trainingsmöglichkeiten für alle interessierten Kinder fehlen. Es kann teilweise irritierend sein, wie die Schwerpunkte in dieser Stadt gesetzt werden, bald führen vermutlich nur noch breite Velowege zu den wenigen Sportanlagen.

In Bern fehlt dem Sport im Allgemeinen und dem Fussball im Besonderen die Lobby, während einige Kulturinstitutionen ungesund übersubventioniert sind. Dabei sind zum Beispiel die Stehränge der erfolgreichen Grossvereine YB und SCB beliebte und sinnvolle, grosse und wertvolle Treffpunkte von Jugendlichen.

Im YB-Erfolg sonnen sich gerade viele, auch schier jeder Politiker trug seine persönliche Verbundenheit mit peinlichem Pathos vor. Doch es sind Zürcher Milliardäre, die den Verein seit Jahren wirtschaftlich stützen. Ohne sie würde es 2018 keinen Schweizer Meister YB geben. Reiche Berner engagieren sich nicht. Und die Politik kümmert es offenbar auch kaum, wie es mit den Young Boys weitergeht.

Es ist unverständlich, darf YB auf der Allmend gleich gegenüber dem Stade de Suisse nicht endlich ein paar Fussballplätze mit angemessenen Räumlichkeiten errichten. Zumal der Club die Finanzierung übernehmen würde. In den allermeisten Ländern der Welt läuft das anders, doch das soll absolut kein Plädoyer für Hinterzimmer-Geschacher sein. Aber es wäre kein Problem, einen Teil der Allmend für das Trainingscenterprojekt der Young Boys freizugeben. Raum für Hundespaziergänger, Frisbeespieler, Jogger und andere Sportler, die auf der Riesenwiese unterwegs sind, bliebe genügend.

Dank anständiger Infrastruktur wäre YB eine noch reizvollere Adresse für Nachwuchsfussballer. Mit angenehmem Nebeneffekt für Bern, weil die Young Boys derzeit sehr viele Plätze blockieren. Zudem könnte man im Stade de Suisse endlich den Kunstrasen ersetzen, das Schweizer Nationalteam würde sich ­wieder regelmässig in der Hauptstadt präsentieren.

Selbst in unserem absurd überreglementierten Land und trotz manchmal lähmender Beamtenmentalität in Bern muss in dieser Sache eine relativ unbürokratische Lösung möglich sein. Zumal ja sogar der heilige Pfingstsonntag im Handstreich freigegeben wurde für den ­«traditionsreichen» Anlass YB-Meisterfeier. Aber da gab es halt Sympathien bei fast der gesamten Bevölkerung zu gewinnen.

(Berner Zeitung)

Erstellt: 19.05.2018, 07:19 Uhr

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