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Zehn Jahre Leidenschaft für alte Musik

Das Orchester für alte Musik Les Passions de l’Ame feiert sein zehnjähriges Bestehen: mit Musik der Bach-Familie, mit einerPlakatausstellung. Und mit Blick in die Zukunft.

Annelise Alder
«Stolz und dankbar»: Meret Lüthi mit Jubiläumsplakat.
«Stolz und dankbar»: Meret Lüthi mit Jubiläumsplakat.
Beat Mathys

Sie könne sich noch gut erinnern, sagt Geigerin Meret Lüthi. Vor zehn Jahren habe das Orchester drüben im Progr geprobt.

Jetzt steht sie auf dem Waisenhausplatz und lässt den Blick über die Konzertplakate schweifen. Sie dokumentieren eine Dekade konstanter Aufbauarbeit. «Ich bin unglaublich stolz und auch dankbar», sagt Lüthi.

Das Orchester für alte Musik Les Passions de l’Ame, deren Mitbegründerin und Leiterin Meret Lüthi ist, hat sich inzwischen in Berns Kulturleben etabliert. Und noch weit mehr erreicht: Einladungen an die bedeutenden Festivals für alte Musik in Europa, renommierte Schallplattenpreise und vor allem einen Ruf, der weit über die Landesgrenzen hinaus seinen Widerhall findet. «Sie spielen mit Witz und Charme im Nacken», lautet eine Pressestimme. «Lebendig, frisch und pulsierend» eine andere.

Knackige Sujets

Hinter dem Erfolg steckt harte Arbeit. Was laut Lüthi mit einem «Urknall in der Stadt» begonnen hat, musste zunächst Fuss fassen. «Todsünden», «Zauberwald», «Tageszeiten» heissen einige der Etappen. Die Plakatausstellung auf dem Waisenhausplatz zeigt, wie die Berner Grafikerin Thea Sonderegger die knackigen Programmsujets visuell feinfühlig umgesetzt hat. Sie widerspiegeln auch das Bemühen der Orchesterleiterin, die so reichhaltige Barockmusik in einen schlüssigen und attrak­tiven Programmverlauf einzubinden.

Das Publikum belohnt die Früchte dieser Arbeit, die getreu dem Motto des Orchesters «Alte Musik? – Ganz neu!» serviert werden, mit Treue. «Der Eigen­finanzierungsgrad ist super», sagt denn auch Meret Lüthi. Doch bleiben die Gesamtfinanzen, die jedes Jahr aufs Neue zusammengetragen werden müssen, ein leidiges Dauerthema.

Zukünftiges Publikum

Dennoch hat sich die Arbeit nicht zuletzt für Meret Lüthi gelohnt. Ausdruck dafür ist allein der Musikpreis des Kantons Bern, den die Berner Geigerin letztes Jahr für ihr Wirken erhalten hat. Auch die Programme der kommenden Jubiläumskonzerte zeigen, dass Les Passions de l’Ame mittlerweile mit Koryphäen der Szene zusammenarbeitet. Zu Gast am Galakonzert ist der international gefragte Tastenkünstler Kristian Bezuidenhout. Solistin in den ­berühmten «Brandenburgischen Konzerten» von Bach ist die ge­feierte Blockflötistin Dorothee Oberlinger. Meret Lüthi denkt aber bereits weiter. «Die heutigen Kinder sind das zukünftige Publikum», sagt sie. Auch deshalb liege ihr die Vermittlungsarbeit, oder um im Jargon des ­Orchesters zu bleiben, «der Passionstransfer» am Herzen. So ist das dritte der Jubiläumskonzerte als Familienkonzert konzipiert. Die Chorpartie in den Kantaten von Vater und Sohn Bach singen Kinder aus dem Schulhaus ­Stöckacker in Berns Westen.

Kinder spielen auch in zukünftigen Projekten eine wichtige Rolle. «Sie werden Sinfonien bewohnen», sagt Lüthi. An Ideen mangelt es der Geigerin jedenfalls nicht, wie auch die Planung des Orchesters zeigt, die bereits im Jahr 2020 angelangt ist. «Der Durst nach Neuem steckt immer noch in mir», sagt sie.

Jubiläumskonzert:Do, 1. März, 19.30 Uhr, reformierte Kirche, Köniz. Weitere Konzerte an diversen Orten. Infos: www.lespassions.ch.

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